(Kiel) Geschwin­dig­keits­mes­sun­gen, die in Hes­sen ent­ge­gen gel­ten­des Recht von Kom­mu­nen pri­va­ten Dienst­leis­tern über­las­sen wer­den, unter­lie­gen einem Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot.

Dar­auf ver­weist der Wetz­la­rer Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht Roma­nus Schlemm, Vize­prä­si­dent des VdVKA -Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf den Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Frank­furt am Main vom 26.04.2017, Az.: 2 Ss-Owi 295/17, den er selbst im Auf­trag eines Man­dan­ten erstrit­ten hat­te.

In dem Fall hat­te das Regie­rungs­prä­si­di­um O1 gegen den Betrof­fe­nen wegen Über­schrei­tung der zuläs­si­gen Höchst­ge­schwin­dig­keit inner­halb geschlos­se­ner Ort­schaf­ten um 38 km/h eine Geld­bu­ße in Höhe von 190 EUR sowie ein Fahr­ver­bot von einem Monat ver­hängt. Auf sei­nen Ein­spruch hin hat­te das Amts­ge­richt Als­feld den Betrof­fe­nen unter Annah­me eines Beweis­ver­wer­tungs­ver­bo­tes frei­ge­spro­chen, da der Bür­ger­meis­ter der Stadt O2 in sei­ner Funk­ti­on als Orts­po­li­zei­be­hör­de die Ver­kehrs­mes­sung gegen gel­ten­des Recht unter bewuss­ter und gewoll­ter Umge­hung von § 26 Abs. 1 StVG i.V.m. Nr. 2.2 des Erlas­ses des HMdI v. 06.01.2006 (Hess­StAnz 2006, S. 286 ff) und des Erlas­ses vom 05.02.2015 (Hess­StAnz 2015, S 182 ff) von einem pri­va­ten Dienst­leis­ter (der Fa. A GmbH) durch­füh­ren las­sen hat­te.

Die Staats­an­walt­schaft leg­te aber dage­gen Rechts­be­schwer­de ein und so gelang­te der Fall schließ­lich zu denm Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt.

  • Die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main:

Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main (OLG) ver­trat die Auf­fas­sung, dass die durch die Mes­sung gewon­ne­nen Beweis­mit­tel rechts­feh­ler­haft waren. Das OLG Frank­furt am Main ver­wies das Ver­fah­ren aber wie­der zurück an das Amts­ge­richt Als­feld und stell­te hier­bei fol­gen­de Grund­sät­ze auf:

Mit der Ent­schei­dung nach § 47 OWiG ein Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten, über­nimmt die Behör­de die Gewähr, dass die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, nament­lich die nach­fol­gend genann­ten Bedin­gun­gen, erfüllt sind.

  1. Zur Motiv­la­ge der Ver­kehrs­über­wa­chung:

Ver­kehrs­über­wa­chung dient der Ver­kehrs­si­cher­heit. Jeg­li­che Ver­knüp­fung der Ver­kehrs­über­wa­chung mit ande­ren nicht gesetz­ge­be­risch legi­ti­mier­ten Grün­den ist unzu­läs­sig.

  1. Zum Ein­satz pri­va­ter Dienst­leis­ter bei Ver­kehrs­mes­sun­gen:

    a. Die Ord­nungs­be­hör­de muss Her­rin des Mess­ge­räts sein.
    b. Die Ord­nungs­be­hör­de muss Her­rin des durch die Mess­an­la­ge gewon­ne­nen Beweis­mit­tels sein (Garan­tie der Authen­ti­zi­tät der Mess­da­ten).
    c. Die Ord­nungs­be­hör­de muss die Umwand­lung und Aus­wer­tung des Beweis­mit­tels selbst durch­füh­ren (Garan­tie der Rück­führ­bar­keit des Mess­bil­des und der Mess­da­ten auf die digi­ta­len Mess­roh­da­ten bzw. Fall­da­tei­en).

  • Die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Als­feld:

Vom Amts­ge­richt Als­feld wur­de das Ver­fah­ren nach wei­te­rer schrift­li­cher Ein­las­sung schließ­lich auf Kos­ten der Staats­kas­se ein­ge­stellt.

Wer also in Hes­sen kom­mu­nal sta­tio­när oder mobil geblitzt wor­den ist, soll­te den Fall durch einen ver­sier­ten Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht über­prü­fen las­sen, rät Schlemm und emp­fiehlt in der­ar­ti­gen Fäl­len recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in dem VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­an­wäl­te e. V. – www.vdvka.de — ver­wies.

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