OLG Stutt­gart, Beschluss vom 31.03.2022, AZ 17 U 811/19

Aus­ga­be: 03/04–2022

1. Für die Haf­tung eines Auto­mo­bil­her­stel­lers nach § 826, § 31 ana­log BGB ist nicht erfor­der­lich, dass er den Motor oder die Motor­steue­rung, deren Soft­ware bewusst und gewollt so pro­gram­miert ist, dass die gesetz­li­chen Abgas­grenz­wer­te nur auf dem Prüf­stand beach­tet, im nor­ma­len Fahr­be­trieb hin­ge­gen über­schrit­ten wer­den, selbst ent­wi­ckelt oder her­ge­stellt hat (im Anschluss an BGH, Urtei­le vom 8. März 2021 – VI ZR 505/19 –, 21. Dezem­ber 2021 – VI ZR 875/20 – und 25. Novem­ber 2021 – VII ZR 238/20 –, jeweils juris). 

2. Zu den Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rung des Vor­trags des Klä­gers zur sit­ten­wid­ri­gen vor­sätz­li­chen Hand­lung eines Auto­mo­bil­her­stel­lers, wenn der Klä­ger behaup­tet, des­sen ver­fas­sungs­mä­ßig beru­fe­ne Ver­tre­ter hät­ten zumin­dest gewusst, dass die Moto­ren des streit­ge­gen­ständ­li­chen Typs mit einer auf eine arg­lis­ti­ge Täu­schung des KBA abzie­len­den Prüf­stan­d­er­ken­nungs­soft­ware aus­ge­stat­tet waren, und die Fahr­zeu­ge in Kennt­nis die­ses Umstan­des mit die­sen Moto­ren ver­se­hen und in den Ver­kehr gebracht. 

3. Lässt der Vor­trag der Beklag­ten zu einer feh­len­den Kennt­nis wenigs­tens eines ver­fas­sungs­mä­ßig beru­fe­nen Ver­tre­ters im Sin­ne von § 31 BGB auf­grund des sub­stan­ti­ier­ten Vor­trags des Klä­gers nöti­gen, nähe­ren Vor­trag zu den in Streit ste­hen­den Ent­schei­dungs­pro­zes­sen in Bezug auf die Ver­wen­dung der Moto­ren des Typs EA 189 ver­mis­sen, gilt der Vor­trag des Klä­gers als zuge­stan­den (§ 138 Abs. 3 ZPO), ohne dass es auf die Fra­ge einer sekun­dä­ren Dar­le­gungs­last ankommt.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprec…