(Kiel) In fünf Beru­fungs­ver­fah­ren hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof am 17.11.2009 über die Recht­mä­ßig­keit der Fahr­ver­bo­te für Kraft­fahr­zeu­ge im Durch­gangs­ver­kehr mit einem zuläs­si­gen Gesamt­ge­wicht von über 12 t auf meh­re­ren nord­hes­si­schen Stre­cken­ab­schnit­ten der Bun­des­stra­ßen B 3, B 7, B 27, B 252 und B 400 ent­schie­den.

Dabei, so der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Prä­si­dent des VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrsrechs­an­wäl­te e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Urtei­le vom des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs (VGH) vom 17.11.2009, Az. 2 A 1502/09 u. a., ist  der VGH zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Anord­nung eines der­ar­ti­gen Durch­fahr­ver­bo­tes für die Bun­des­stra­ße B 3 zwi­schen den Anschluss­stel­len Bor­ken-Kers­ten­hau­sen (A 49) und Cöl­be (Anschluss­stel­le — AS — B 62) die Bun­des­stra­ße B 252 zwi­schen Die­mel­stadt und Lahn­tal-Göt­tin­gen (Anschluss­stel­le — AS — B 62) nicht vor­lie­gen.

Recht­lich nicht zu bean­stan­den sind hin­ge­gen die übri­gen Durch­fahr­ver­bo­te. Die­se betref­fen die Bun­des­stra­ße B 7 zwi­schen den Anschluss­stel­len Kas­sel-Ost (A 7) und Wehretal-Oet­manns­hau­sen, die Bun­des­stra­ße B 27 zwi­schen Hün­feld und der Kreu­zung mit der Bun­des­stra­ße B 80 bei Wit­zen­hau­sen sowie die Bun­des­stra­ße B 400 zwi­schen den Anschluss­stel­len Wom­men (A 4) und Wich­manns­hau­sen (AS B 27).
Gegen die vom Land Hes­sen, ver­tre­ten durch das Regie­rungs­prä­si­di­um Kas­sel, im Juli und Sep­tem­ber 2006 ange­ord­ne­ten Durch­fahr­ver­bo­te für schwe­re Last­kraft­wa­gen hat­ten meh­re­re Spe­di­tio­nen und Fuhr­un­ter­neh­men geklagt, so Klar­mann.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat mit Urtei­len vom 14. Mai 2008 die Anord­nun­gen für sämt­li­che Stre­cken­ab­schnit­te der betrof­fe­nen Bun­des­stra­ßen in ers­ter Instanz für rechts­wid­rig erklärt und die­se Anord­nun­gen auf­ge­ho­ben. Die dage­gen vom Land Hes­sen ein­ge­leg­ten Beru­fun­gen waren vor dem Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof bzgl. der Bun­des­stra­ßen B 7, B 27 und B 400 erfolg­reich. Inso­weit stell­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof fest, dass die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Anord­nung von Durch­fahr­ver­bo­ten für schwe­re Last­kraft­wa­gen gege­ben sei­en. Nach dem vom Land Hes­sen vor­ge­leg­ten Ver­kehrs­er­he­bun­gen sei davon aus­zu­ge­hen, dass sich die Ver­kehrs­ver­hält­nis­se auf den betrof­fe­nen Stre­cken­ab­schnit­ten durch die Ein­füh­rung der Lkw-Auto­bahn­maut am 1. Janu­ar 2005 ver­än­dert haben, da hier in der Zeit danach ein deut­li­cher Anstieg des schwe­ren Lkw-Ver­kehrs fest­ge­stellt wor­den sei. Dies habe auch zu erheb­li­chen Aus­wir­kun­gen für die Bevöl­ke­rung in den Orts­durch­fahr­ten die­ser Bun­des­stra­ßen geführt, da die bereits vor Ein­füh­rung der Lkw-Auto­bahn­maut vor­han­den gewe­se­ne unzu­mut­ba­re Lärm­be­las­tung durch die wei­te­re Zunah­me des Schwer­last­ver­kehrs zumin­dest ver­fes­tigt wor­den sei. Des­halb sei es sach­ge­recht und ver­hält­nis­mä­ßig gewe­sen, die­ser Ent­wick­lung durch die Anord­nung eines Durch­fahr­ver­bo­tes für schwe­re Last­kraft­wa­gen zu begeg­nen.

Dies gilt nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs aller­dings nicht für die Bun­des­stra­ßen B 3 und B 252. Im Gegen­satz zu den nord­hes­si­schen Stre­cken­ab­schnit­ten der übri­gen Bun­des­stra­ßen kön­ne hier ein Anstieg des Lkw-Ver­kehrs für die Zeit nach Ein­füh­rung der Lkw-Auto­bahn­maut aus den vom Land Hes­sen vor­ge­leg­ten Zah­len nicht abge­lei­tet wer­den. Somit sei eine der gesetz­li­che Vor­aus­set­zung für die Anord­nung eines Durch­fahr­ver­bo­tes für die Bun­des­stra­ße B 3 zwi­schen den Anschluss­stel­len Bor­ken-Kers­ten­hau­sen (A 49) und Cöl­be ( AS B 62) und für die Bun­des­stra­ße B 252 zwi­schen Die­mel­stadt und Lahn­tal-Göt­tin­gen (AS B 62) nicht erfüllt. Dies gel­te unab­hän­gig davon, dass die Lärm­be­las­tung in eini­gen Orts­durch­fahr­ten die­ser Bun­des­stra­ßen eben­falls an bzw. über der Gren­ze der Zumut­bar­keit lie­ge. Die Beru­fun­gen des Lan­des Hes­sen gegen die erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Kas­sel, das zu den­sel­ben Ergeb­nis­sen gelangt war, wur­den des­halb zurück-gewie­sen.
Die Revi­si­on gegen die Urtei­le wur­de nicht zuge­las­sen. Gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on ist die Beschwer­de mög­lich, über die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig zu ent­schei­den hät­te.
Hin­wei­se des VGH:

  • Die Durch­fahr­ver­bo­te für Last­kraft­wa­gen mit einem zuläs­si­gen Gesamt­ge­wicht über 12 t auf den Bun­des­stra­ßen B 3 zwi­schen den Anschluss­stel­len Bor­ken-Kers­ten­hau­sen (A 49) und Cöl­be ( AS B 62) und B 252 zwi­schen Die­mel­stadt und Lahn­tal-Göt­tin­gen (AS B 62) blei­ben gül­tig, solan­ge die ent­spre­chen­de Beschil­de­rung nicht ent­fernt wor­den ist.

Die ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten der Stra­ßen­ver­kehrs-Ord­nung (StVO) lau­ten:

  • § 45 Abs. 9 Satz 3 StVO:

Abwei­chend von Satz 2 dür­fen zum Zwe­cke des Abs. 1 Satz 1 oder 2 Nr. 3 Beschrän­kun­gen und Ver­bo­te des flie­ßen­den Ver­kehrs auch ange­ord­net wer­den, soweit dadurch erheb­li­che Aus­wir­kun­gen ver­än­der­ter Ver­kehrs­ver­hält­nis­se, die durch die Erhe­bung der Maut nach dem Auto­bahn­maut­ge­setz für schwe­re Nutz­fahr­zeu­ge her­vor­ge­ru­fen wor­den sind, besei­tigt oder abge­mil­dert wer­den kön­nen.

  • § 45 Abs. 1 Satz 1 StVO lau­tet:

Die Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­den kön­nen die Benut­zung bestimm­ter Stra­ßen oder  Stra­ßen­ste­cken aus Grün­den der Sicher­heit oder Ord­nung des Ver­kehrs beschrän­ken oder ver­bie­ten und den Ver­kehr umlei­ten.

  • § 45 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 StVO lau­tet:

Das glei­che Recht haben sie zum Schutz der Wohn­be­völ­ke­rung vor Lärm und Abga­sen.

Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf den VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­an­wäl­te e. V. — www.vdvka.de — ver­wies.

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Jens Klar­mann
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Fach­an­walt für Arbeits­recht
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