(Kiel) Der 6. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart hat am 20. Dezem­ber 2011 zwei Kla­gen von BMW-Ver­trags­händ­lern gegen den DEKRA e.V. und sein Toch­ter­un­ter­neh­men, die DEKRA Auto­mo­bil GmbH, eine Sach­ver­stän­di­gen­or­ga­ni­sta­ti­on, zu deren Dienst­leis­tun­gen u. a. Fahr­zeug­be­wer­tun­gen gehö­ren, abge­wie­sen.

Dar­auf ver­weist der Lim­bur­ger Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht Klaus Schmidt-Strunk, Vize­prä­si­dent des VdV­KA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Stutt­gart vom 21.11.2011 zu sei­nen Urtei­len vom 20.12.2011, Az. 6 U 107/11 und 6 U 108/11. 

Die Klä­ger mach­ten gegen­über den Beklag­ten Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen der Erstel­lung von — behaup­tet — feh­ler­haf­ten Gut­ach­ten im Zusam­men­hang mit dem Rück­kauf gebrauch­ter Lea­sing­fahr­zeu­ge der BMW-Grup­pe gel­tend. Sie hät­ten dadurch über­höh­te Kauf­preis­zah­lun­gen an die BMW Lea­sing GmbH geleis­tet und so Schä­den von meh­re­ren hun­dert­tau­send Euro erlit­ten. 

Die Klä­ger haben mit der BMW Lea­sing GmbH eine Ver­ein­ba­rung, die u. a. eine Ver­pflich­tung der Ver­trags­händ­ler ent­hält, nach der Been­di­gung der ver­mit­tel­ten Lea­sing­ver­trä­ge die zurück­ge­ge­be­nen Fahr­zeu­ge, die sog. Lea­sing­rück­läu­fer, von der BMW Lea­sing GmbH zurück­zu­kau­fen. Bei der Berech­nung des Kauf­prei­ses wird maß­geb­lich auf den Händ­ler­ein­kaufs­preis abge­stellt, der nach der genann­ten Ver­ein­ba­rung von der DEKRA auf­grund des Bau­jah­res und der tat­säch­lich gefah­re­nen Kilo­me­ter, aber ohne Berück­sich­ti­gung des jewei­li­gen Fahr­zeug­zu­stan­des im Auf­trag der BMW Lea­sing GmbH ermit­telt wird. Grund­la­ge der Mit­wir­kung der DEKRA bei der Ermitt­lung des Händ­ler­ein­kaufs­prei­ses ist ein EDV-Ver­bund-Ver­trag mit der BMW Lea­sing GmbH zur Ein­rich­tung einer Daten­fern­lei­tung zwi­schen der BMW Lea­sing GmbH und dem Haus­rech­ner der DEKRA, über die die BMW Lea­sing GmbH selbst sog. „BMW-Lea­sing-Kurz­be­wer­tun­gen” zum Zwe­cke der Abrech­nung von Lea­sing­ver­trä­gen erstel­len kön­nen soll­te. Vor die­sem Hin­ter­grund wur­den die  streit­ge­gen­ständ­li­chen sog. „Bewertungsgutachten/Rechendaten” erstellt, auf deren Grund­la­ge die BMW Lea­sing GmbH ihr Andie­nungs­recht aus­üb­te und mit den BMW-Ver­trags­händ­lern ent­spre­chen­de Kauf­ver­trä­ge über die jewei­li­gen Fahr­zeu­ge schloss. 

Der Streit der Par­tei­en dreh­te sich im Wesent­li­chen um die Fra­ge, ob der EDV-Ver­bund-Ver­trag die Erstel­lung von Gut­ach­ten sei­tens der DEKRA für die BMW Lea­sing GmbH beinhal­tet, und ob die­ser Ver­trag Schutz­wir­kung auch zuguns­ten der Ver­trags­händ­ler ent­fal­tet. Der Senat erkann­te in dem Rechts­streit den Cha­rak­ter eines „Mus­ter­pro­zes­ses” auch für zahl­rei­che wei­te­re BMW-Ver­trags­händ­ler. 

Mit Urteil des Land­ge­richts Stutt­gart vom 19.05. 2011 war den Kla­gen zunächst dem Grun­de nach statt­ge­ge­ben wor­den. Hier­ge­gen rich­te­ten sich die nun erfolg­rei­chen Beru­fun­gen der Beklag­ten, so Schmidt-Strunk. 

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart sah eine Haf­tung der DEKRA wegen der Erstel­lung ver­meint­lich unrich­ti­ger Bewer­tungs­gut­ach­ten weder nach den Grund­sät­zen eines Ver­tra­ges mit Schutz­wir­kung zuguns­ten Drit­ter noch aus einer   Haf­tung nach § 826 des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches (BGB) wegen vor­sätz­li­cher sit­ten­wid­ri­ger Schä­di­gung als gege­ben an. 

Für eine Haf­tung der Beklag­ten nach den Grund­sät­zen des Ver­tra­ges mit Schutz­wir­kung zuguns­ten Drit­ter fehl­te es nach Ansicht des Senats an einer Schutz­be­dürf­tig­keit der Klä­ger, da sie eige­ne gleich­wer­ti­ge ver­trag­li­che Ansprü­che gegen­über der BMW Lea­sing GmbH hät­ten, wel­che auf die Anpas­sung der jewei­li­gen Kauf­ver­trä­ge in Bezug auf die Höhe der ein­zel­nen Kauf­prei­se gerich­tet sei­en. Bei den von den Beklag­ten erstell­ten Gut­ach­ten hand­le es sich unter Zugrun­de­le­gung des Sach­vor­trags der Klä­ger um sog. Schieds­gut­ach­ten, bei denen der Schieds­gut­ach­ter Tat­sa­chen oder Tat­be­stands­merk­ma­le ver­bind­lich fest­stel­len sol­le, die für die Leis­tungs­pflicht rele­vant sind. Soll­ten die­se — wie von den Klä­gern behaup­tet — an   „offen­ba­rer Unrich­tig­keit” lei­den, so fol­ge dar­aus die Unver­bind­lich­keit der getrof­fe­nen Bestim­mung mit der wei­te­ren Fol­ge, dass die Bestim­mung des rich­ti­gen Prei­ses dann gemäß § 319 Abs. 1 Satz 2 BGB durch ein Urteil erfol­ge. Bei die­sem Anspruch der BMW-Ver­trags­händ­ler gegen­über der BMW Lea­sing GmbH, der im Ergeb­nis eine Anpas­sung der Kauf­ver­trä­ge im Hin­blick auf den — behaup­te­ten — „rich­ti­gen” Kauf­preis zur Fol­ge haben wür­de, hand­le es sich nach Auf­fas­sung des Senats um einen gleich­wer­ti­gen ver­trag­li­chen Anspruch, wel­cher die Schutz­be­dürf­tig­keit der Klä­ger im Sin­ne der Grund­sät­ze des Ver­tra­ges mit Schutz­wir­kung zuguns­ten Drit­ter ent­fal­len lässt. 

Eine Inan­spruch­nah­me der Beklag­ten konn­te — ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger — auch nicht auf eine delik­ti­sche Haf­tung gemäß § 826 BGB gestützt wer­den. Zwar kann ein Sach­ver­stän­di­ger, der ein feh­ler­haf­tes Gut­ach­ten erstellt hat, gegen­über dem Auf­trag­ge­ber oder gegen­über einem in den Schutz­be­reich ein­be­zo­ge­nen Drit­ten nach § 826 BGB haf­ten, wenn er bei der Erstel­lung des Gut­ach­tens leicht­fer­tig und gewis­sen­los und min­des­tens mit beding­tem Vor­satz gehan­delt hat. Aller­dings ver­moch­te sich der Senat auf­grund der Akten­la­ge und der vom Land­ge­richt getä­tig­ten Beweis­auf­nah­me jedoch nicht mit der not­wen­di­gen Gewiss­heit davon zu über­zeu­gen, dass den Beklag­ten eine (bedingt) vor­sätz­li­che sit­ten­wid­ri­ge Schä­di­gung der Klä­ger zur Last zu legen ist. 

Revi­sio­nen zum Bun­des­ge­richts­hof wur­den nicht zuge­las­sen.

Schmidt-Strunk emp­fahl, dies beach­ten und in der­ar­ti­gen Fäl­len unbe­dingt recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf den VdV­KA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­an­wäl­te e. V. — www.vdvka.de — ver­wies. 

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung: 

Klaus Schmidt-Strunk
Rechts­an­walt
Fach­an­walt für Fami­li­en­recht
Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht
Vize-Prä­si­dent des VdV­KA — Ver­band Deut­scher Ver­kehrs­rechts­an­wäl­te e. V.
Sie­mens­str. 26
65549 Lim­burg
Tel.: 06431 / 22551
Fax: 06431 / 24261
Email: rechtsanwalt@schmidt-strunk.de
www.schmidt-strunk.de