(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 13. April 2011 eine Ent­schei­dung zu der Fra­ge getrof­fen, an wel­chem Ort der Ver­käu­fer einer man­gel­haf­ten Sache, hier ein Cam­ping-Falt­an­hän­ger, die zur Man­gel­be­sei­ti­gung geschul­de­te Nach­er­fül­lung vor­neh­men muss.

In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall, so der Erlan­ger Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht Mar­cus Fischer, Vize­prä­si­dent des VdV­KA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH)  vom 13. April 2011 — VIII ZR 220/10, erwar­ben die in Frank­reich wohn­haf­ten Klä­ger bei der in Polch (Deutsch­land) ansäs­si­gen Beklag­ten einen neu­en Cam­ping-Falt­an­hän­ger. In der Auf­trags­be­stä­ti­gung heißt es “Lie­fe­rung: ab Polch, Selbst­ab­ho­ler”. Gleich­wohl lie­fer­te die Beklag­te den Anhän­ger an den Wohn­ort der Klä­ger, die ihn in einem Urlaub nut­zen. In der Fol­ge­zeit rüg­ten die Klä­ger ver­schie­de­ne Män­gel und for­der­ten die Beklag­te unter Frist­set­zung auf, den Falt­an­hän­ger abzu­ho­len und die Män­gel zu besei­ti­gen. Nach­dem dies bis Frist­ab­lauf nicht gesche­hen war, erklär­ten die Klä­ger den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. Mit ihrer Kla­ge haben die Klä­ger Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses nebst Zin­sen Zug um Zug gegen Rück­ga­be des Falt­an­hän­gers sowie Erstat­tung von Rechts­an­walts­kos­ten begehrt. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge im Wesent­li­chen statt­ge­ge­ben. Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat das Ober­lan­des­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ger hat­te kei­nen Erfolg, betont Fischer.

Der unter ande­rem für das Kauf­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass sich der Ort, an dem der Ver­käu­fer die von ihm geschul­de­te Nach­er­fül­lung zu erbrin­gen hat, man­gels spe­zi­el­ler Rege­lung im Kauf­recht gemäß § 269 Abs. 1 BGB nach den jewei­li­gen Umstän­den des Ein­zel­falls bestimmt, wenn — wie hier — vor­ran­gi­ge Par­tei­ver­ein­ba­run­gen nicht getrof­fen wor­den sind. Zu die­sen Umstän­den gehö­ren die Orts­ge­bun­den­heit und die Art der vor­zu­neh­men­den Leis­tung sowie das Aus­maß der Unan­nehm­lich­kei­ten, wel­che die Nach­er­fül­lung für den Käu­fer mit sich bringt. Letz­te­res folgt aus den Vor­ga­ben der euro­päi­schen Ver­brauchs­gü­ter­kauf­richt­li­nie, nach deren Art. 3 Abs. 3 die Nach­er­fül­lung ohne erheb­li­che Unan­nehm­lich­kei­ten für den Ver­brau­cher erfol­gen muss.

Da die Besei­ti­gung der von den Klä­gern gerüg­ten Män­gel des Cam­ping-Falt­an­hän­gers den Ein­satz von geschul­tem Per­so­nal und Werk­statt­tech­nik erfor­dert und ein Trans­port des Anhän­gers nach Polch oder des­sen Orga­ni­sa­ti­on für die Klä­ger zumut­bar erscheint, liegt der Erfül­lungs­ort der Nach­bes­se­rung am Fir­men­sitz der Beklag­ten. Die Klä­ger wären daher gehal­ten gewe­sen, den Anhän­ger zur Durch­füh­rung der Nach­er­fül­lung dort­hin zu ver­brin­gen. Solan­ge dies nicht geschieht, besteht kein Recht der Klä­ger zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag.

Fischer riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fäl­len unbe­dingt recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf den VdV­KA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­an­wäl­te e. V. — www.vdvka.de — ver­wies.

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