Am 03.05.1909 war es soweit. Das Reichs­ge­setz über den Ver­kehr mit Kraft­fahr­zeu­gen wur­de erlas­sen. Ab die­sem Zeit­punkt muss­te der­je­ni­ge, der auf öffent­li­chen Stra­ßen oder Plät­zen ein Kraft­fahr­zeug füh­ren woll­te, eine Fahr­erlaub­nis und einen Füh­rer­schein besit­zen.

Im Gegen­satz zu vie­len ande­ren Län­dern wird in Deutsch­land streng zwi­schen der Fahr­erlaub­nis und dem Füh­rer­schein unter­schie­den.

Die Fahr­erlaub­nis ist die amt­li­che Beschei­ni­gung dar­über, dass eine Per­son zum Füh­ren von bestimm­ten Kraft­fahr­zeu­gen im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr berech­tigt ist, (sog. Lenk-oder Fahr­be­rech­ti­gung).
Der Füh­rer­schein hin­ge­gen ist die Urkun­de (=Aus­weis­pa­pier), durch wel­che die Berech­ti­gung der in der Urkun­de benann­ten Per­son zum Füh­ren der dar­in aus­drück­lich aus­ge­wie­se­nen Kraft­fahr­zeug­ar­ten im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr bewie­sen wird.

Die Unter­schei­dung zwi­schen Fahr­erlaub­nis und Füh­rer­schein ist heut­zu­ta­ge im Stra­ßen­ver­kehrs­ge­setz gere­gelt, und zwar in § 2.

Dort heißt es:
„Wer auf öffent­li­chen Stra­ßen ein Kraft­fahr­zeug führt, bedarf der Erlaub­nis (Fahr­erlaub­nis) der zustän­di­gen Behör­de (Fahr­erlaub­nis­be­hör­de). Die Fahr­erlaub­nis wird in bestimm­ten Klas­sen erteilt.
Sie ist durch eine amt­li­che Beschei­ni­gung (Füh­rer­schein nach­zu­wei­sen)“.

Füh­rer­schein und Fahr­erlaub­nis sind strikt zu tren­nen:

Der Ver­lust des Füh­rer­scheins führt nicht zum Ver­lust der Fahr­erlaub­nis.
Wird einer Per­son hin­ge­gen die Fahr­erlaub­nis ent­zo­gen, darf sie auch dann nicht mehr mit Kraft­fahr­zeu­gen am öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr teil­neh­men, wenn sie noch im Besitz des Füh­rer­scheins sein soll­te.

Bei der Ent­zie­hung der Fahr­erlaub­nis erlischt die Fahr­erlaub­nis, so dass der Betrof­fe­ne nach Ablauf einer meist mona­te­lan­gen Sperr­frist eine neue Fahr­erlaub­nis bei der Fahr­erlaub­nis-behör­de bean­tra­gen muss.

Wird im Rah­men eines Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­ver­fah­rens ein Fahr­ver­bot ver­hängt, ist man ver­pflich­tet, die Füh­rer­schein­ur­kun­de für die Zeit von 1–3 Mona­ten bei einer Behör­de abzu­lie­fern und kein Kraft­fahr­zeug im Stra­ßen­ver­kehr zu füh­ren. Die Fahr­erlaub­nis als sol­che bleibt aber erhal­ten.

Wird einer Per­son z.B. nach einer Straf­tat die Fahr­erlaub­nis ent­zo­gen, kann sie den­noch Fahr­zeu­ge benut­zen, für die kei­ne Fahr­erlaub­nis nötig ist (z.B. Fahr­rä­der mit Hilfs­mo­tor, bestimm­te Mofas).

Bei einem Fahr­ver­bot hin­ge­gen ist das Füh­ren jeg­li­cher mit Motor­kraft betrie­be­ner Stra­ßen­fahr­zeu­ge unter­sagt.
Inso­weit reicht das Fahr­ver­bot teil­wei­se sach­lich wei­ter als die Ent­zie­hung der Fahr­erlaub­nis.
Beson­ders gra­vie­rend ist der Unter­schied zwi­schen Fahr­erlaub­nis und Füh­rer­schein dadurch, dass das Fah­ren ohne Fahr­erlaub­nis einen Straf­tat­be­stand dar­stellt, der mit einer Frei­heits­stra­fe bis zu einem Jahr oder mit einer Geld­stra­fe geahn­det wer­den kann. Hin­ge­gen ist das Fah­ren ohne Füh­rer­schein ledig­lich eine Ord­nungs­wid­rig­keit, die mit einer Geld­bu­ße von € 10,00 belegt wird.

Das Risi­ko bei einem Auto­un­fall zu ster­ben war 1909 – gemes­sen am Auto­be­stand – ca. 60 mal höher als im Jahr 2009. Damals gab es im gan­zen Deut­schen Reich nur knapp 50.000 Autos. Im heu­ti­gen Deutsch­land sind ca. 50 Mill. Fahr­zeu­ge regis­triert und etwa eben­so vie­le Fahr­erlaub­nis­se.

Aller­dings ver­lie­ren fast 140.000 Auto­fah­rer jähr­lich ihre Fahr­erlaub­nis oder müs­sen ihren Füh­rer­schein für eine begrenz­te Zeit abge­ben.

Aus unse­rer täg­li­chen Pra­xis wis­sen wir – nicht immer sind Buß­geld­be­scheid, Straf­be­feh­le und Straf­ur­tei­le recht­lich zutref­fend. War­ten Sie nicht, bis ein Buß­geld­be­scheid, ein Straf­be­fehl des Amts­ge­richts vor­liegt oder Ihnen eine Ankla­ge zuge­stellt wird.

Sobald Ihnen ein Anhö­rungs­bo­gen im Rah­men eines Buß­geld­ver­fah­rens oder die Vor­la­dung der Poli­zei­be­hör­de vor­liegt, soll­ten Sie eine anwalt­li­che Bera­tung in Anspruch neh­men.
Auch im Fal­le eines Unfalls ist den meis­ten Betrof­fe­nen nicht klar, wor­auf sie bei ihren Äuße­run­gen gegen­über Poli­zei, Fahr­erlaub­nis­be­hör­de, Gerich­ten oder der Ver­si­che­rung in jedem Fall ach­ten müs­sen.
Vie­len ist nicht klar, wel­che Maß­nah­men sie in ihrer spe­zi­el­len Situa­ti­on ergrei­fen soll­ten und wel­che Feh­ler sie in jedem Fal­le ver­mei­den soll­ten.

Vie­len ist nicht klar, wie das jewei­li­ge Ver­fah­ren abläuft und wel­che Grund­re­geln es unbe­dingt zu beach­ten gibt.
Häu­fig ist auch unbe­kannt, dass trotz eines Fahr­erlaub­nis­ent­zugs gege­be­nen­falls noch erreicht wer­den kann, dass doch noch bestimm­te Fahr­zeu­ge geführt wer­den dür­fen.

Meist ist auch nicht klar, dass die Zeit ohne Fahr­erlaub­nis, gege­be­nen­falls um meh­re­re Mona­te ver­kürzt wer­den kann.
Schon gar nicht ist in den meis­ten Fäl­len klar, wel­che Rechts­mit­tel gegen die Sicherstellung/ Beschlag­nah­me des Füh­rer­scheins ein­ge­legt wer­den kön­nen, um den Füh­rer­schein unver­züg­lich zurück­zu­er­hal­ten.
Durch sinn­vol­le Vor­be­rei­tun­gen kön­nen Sie viel Zeit und Geld spa­ren.

Die Betrof­fe­nen küm­mern sich häu­fig zu spät um ihre Fahr­erlaub­nis-/ Füh­rer­schein­an­ge­le­gen­heit und ver­pas­sen somit die Chan­ce, ihre Fahr­erlaub­nis oder ihren Füh­rer­schein erst gar nicht zu ver­lie­ren oder schnellst­mög­lich wie­der zu erhal­ten.
Oft aus dem Gefühl her­aus, sowie­so nichts tun zu kön­nen, ste­cken die Betrof­fe­nen die Kopf in den Sand und war­ten auf ihr Schick­sal, das dann ent­spre­chend zuschlägt.
Las­sen Sie es soweit erst gar nicht kom­men!

Rechts­an­walt
Jür­gen Sten­ner
auch
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