(Kiel) Gut­schei­ne von Kfz-Werk­stät­ten für Fol­ge­auf­trä­ge kön­nen bei der Repa­ra­tur eines Kas­ko­scha­dens mit Selbst­be­tei­li­gung des Kun­den wett­be­werbs­wid­rig sein.

Dar­auf ver­weist der Bad Nau­hei­mer Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht Roma­nus Schlemm, Vize­prä­si­dent des VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm vom 6.01.2014 zu sei­nem Urteil vom 12.11.2013 (4 U 31/13).

Die in Essen ansäs­si­ge Beklag­te ist ein deutsch­land­weit ver­tre­te­nes Unter­neh­men der Kfz-Bran­che und bie­tet u.a. Kfz-Repa­ra­tur­leis­tun­gen an. Mit­ar­bei­ter der Beklag­ten stell­ten im Mai 2011 in Aus­sicht, für einen Auf­trag zum Aus­tausch einer Auto­g­las­schei­be kas­ko­ver­si­cher­ten Kun­den einen Gut­schein für einen Fol­ge­auf­trag zu ver­spre­chen. Die­se Pra­xis bean­stan­de­te der kla­gen­de Ver­ein als unlau­te­ren Wett­be­werb. Auf sei­ne Kla­ge hat das Land­ge­richt der Beklag­ten unter­sagt, den Aus­tausch einer Auto­g­las­schei­be gegen­über Kun­den mit Kas­ko­ver­si­che­rung in der Form zu bewer­ben, dass ein Nach­lass auf die Selbst­be­tei­li­gung in Form eines Gut­scheins ver­spro­chen wird, wenn sich die Kas­ko­ver­si­che­rung nicht mit die­ser Wer­bung ein­ver­stan­den erklärt hat.

Der 4. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat die Beru­fung der Beklag­ten gegen das erst­in­stanz­li­che Urteil zurück­ge­wie­sen, so Schlemm.

Die in Fra­ge ste­hen­de Wer­bung stel­le unlau­te­ren Wett­be­werb dar. Nach der Auf­he­bung des Rabatt­ge­set­zes sei das Wer­ben mit Preis­nach­läs­sen zwar grund­sätz­lich zuläs­sig. Ent­spre­chen­de Ange­bo­te unter­lä­gen jedoch einer Miss­brauchs­kon­trol­le, wenn der Kun­de bei Ent­schei­dun­gen, die er zu tref­fen habe, auch die Inter­es­sen Drit­ter zu wah­ren habe. Das sei der Fall, wenn der Kun­de die Repa­ra­tur eines — abge­se­hen von der Selbst­be­tei­li­gung — vom Ver­si­che­rer zu bezah­len­den Kas­ko­scha­dens in Auf­trag gebe. Nach den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen habe der Kun­de alles zu tun, um den Scha­den zu min­dern. Er habe die Kos­ten der Repa­ra­tur nied­rig zu hal­ten und dem Ver­si­che­rer gegen­über zutref­fen­de Anga­ben zu den Repa­ra­tur­kos­ten zu machen. Die vom Ver­si­che­rungs­ver­trag inso­weit ver­lang­te objek­ti­ve Kun­den­ent­schei­dung wer­de durch einen dem Kun­den von der Kfz-Werk­statt ver­spro­che­nen Gut­schein für Fol­ge­auf­trä­ge beein­träch­tigt. Habe der Kun­de in der Regel kei­ne wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le, wenn er eine güns­ti­ge­re Werk­statt beauf­tra­ge, pro­fi­tie­re er unmit­tel­bar von der mit dem Gut­schein ver­spro­che­nen Ver­güns­ti­gung, wenn er die­se sei­nem Ver­si­che­rer ver­schwei­ge. Das Ange­bot der Beklag­ten kön­ne den ange­spro­che­nen Kun­den ver­an­las­sen, die Beklag­te unter Ver­let­zung sei­ner Mit­tei­lungs­pflicht aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag und auch unter Aus­schla­gung eines gleich­wer­ti­gen oder kos­ten­güns­ti­ge­ren Ange­bots eines Mit­be­wer­bers zu beauf­tra­gen, um den ver­spro­che­nen Vor­teil zu erlan­gen. Nach der Lebens­er­fah­rung bestehe bei einem nicht uner­heb­li­chen Teil der Bevöl­ke­rung die Bereit­schaft, sich gegen­über dem Ver­si­che­rer inso­weit ver­trags­wid­rig zu ver­hal­ten.

Schlemm emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in der­ar­ti­gen Fäl­len recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in dem VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­an­wäl­te e. V. – www.vdvka.de — ver­wies.

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