(Kiel) Ein „Vier-Augen-Prin­zip”, nach dem eine Geschwin­dig­keits­mes­sung mit einem Laser­mess­ge­rät nur dann zur Grund­la­ge einer Ver­ur­tei­lung in einer Buß­geld­sa­che gemacht wer­den kann, wenn der vom Gerät ange­zeig­te Mess­wert und sei­ne Über­tra­gung in das Mess­pro­to­koll von einem zwei­ten Poli­zei­be­am­ten kon­trol­liert wor­den ist, gibt es nicht.

Dar­auf ver­weist der Lim­bur­ger Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht Klaus Schmidt-Strunk, Vize­prä­si­dent des VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm vom 17.08.2012 zu sei­nem Beschluss vom 21.06.2012 (III-3 RBs 35/12).

Das Amts­ge­richt hat­te den Betrof­fe­nen wegen fahr­läs­si­ger Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung ver­ur­teilt. Den Ver­stoß hat­te es auf der Grund­la­ge der Zeu­gen­aus­sa­ge eines Poli­zei­be­am­ten fest­ge­stellt, der das Ergeb­nis der mit einem Laser­mess­ge­rät durch­ge­führ­ten Geschwin­dig­keits­mes­sung allein vom Anzei­ge­feld des Mess­ge­rä­tes abge­le­sen und in das schrift­li­che Mess­pro­to­koll ein­ge­tra­gen hat­te. Eine Kon­trol­le der Rich­tig­keit des abge­le­se­nen und ein­ge­tra­ge­nen Wer­tes durch einen ande­ren Poli­zei­be­am­ten erfolg­te nicht. Hier­ge­gen wand­te sich der Betrof­fe­ne mit der Rechts­be­schwer­de, mit der er rüg­te, dass das ihm vor­ge­hal­te­ne Mess­ergeb­nis wegen der Ver­let­zung eines „Vier-Augen-Prin­zips” nicht gegen ihn ver­wert­bar sei.

Der 3. Senat für Buß­geld­sa­chen des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts jedoch bestä­tigt, so Schmidt-Strunk.

Das vom Betrof­fe­nen ange­führ­te „Vier-Augen-Prin­zip” gebe es nicht. Auch bei Laser­mess­ge­rä­ten, die ein Mess­ergeb­nis nicht foto­gra­fisch-schrift­lich doku­men­tier­ten, sei der vom Gerät ange­zeig­te Mess­wert und des­sen Zuord­nung zu einem bestimm­ten Fahr­zeug im Ein­zel­fall nach den Grund­sät­zen der frei­en Beweis­wür­di­gung zu beur­tei­len und kön­ne z. B. durch Zeu­gen­aus­sa­ge eines betei­lig­ten Poli­zei­be­am­ten geklärt wer­den. Es exis­tie­re kein Beweis­ver­bot, das die Ver­wer­tung eines allein von einem — und ohne Kon­trol­le durch einen wei­te­ren — Poli­zei­be­am­ten fest­ge­stell­ten Mess­wer­tes unter­sa­ge. Wegen des Grund­sat­zes der frei­en Beweis­wür­di­gung gebe es auch es kei­ne Beweis­re­gel, die ein der­ar­ti­ges „Vier-Augen-Prin­zip” als Vor­aus­set­zung für gericht­li­che Fest­stel­lun­gen vor­schrei­be.

Schmidt-Strunk emp­fahl, dies beach­ten und in der­ar­ti­gen Fäl­len unbe­dingt recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf den VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­an­wäl­te e. V. — www.vdvka.de — ver­wies.

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