(Kiel) Wer eine rote Ampel über einen nicht durch die Licht­zei­chen­an­la­ge geschütz­ten Bereich – hier ein Tank­stel­len­ge­län­de – umfährt, begeht kei­nen Rot­licht­ver­stoß.

Dar­auf ver­weist der Lim­bur­ger Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht Klaus Schmidt-Strunk, Vize­prä­si­dent des VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm­zu sei­nem Beschluss vom 02.07.2013, Az. 1 RBs 98/13.

Einem 52jährigen Zahn­arzt aus Dort­mund wur­de ein am 20.09.2012 in Dort­mund began­ge­ner Rot­licht­ver­stoß zur Last gelegt. Der Betrof­fe­ne woll­te vom Bra­cke­ler Hell­weg nach links in die Oes­ter­stra­ße abbie­gen. Da die Licht­zei­chen­an­la­ge an der Kreu­zung für ihn Rot­licht zeig­te, bog er vor der Kreu­zung nach links auf das Gelän­de einer im Eck­be­reich der bei­den Stra­ßen lie­gen­den Tank­stel­le ab, über­quer­te das Tank­stel­len­ge­län­de und ver­ließ dies an der Aus­fahrt zur Oes­ter­stra­ße, in die er nach links ein­bog.

Der 1. Senat für Buß­geld­sa­chen des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat den Betrof­fe­nen frei­ge­spro­chen, so Schmidt-Strunk.

Das Umfah­ren einer Licht­zei­chen­an­la­ge kön­ne zwar einen Rot­licht­ver­stoß dar­stel­len. Das Rot­licht ver­bie­te aber nicht, vor der Ampel­an­la­ge abzu­bie­gen und über eine regu­lä­re Zufahrt einen nicht durch die Licht­zei­chen­an­la­ge geschütz­ten Bereich zu befah­ren, etwa auf einen Park­platz oder ein Tank­stel­len­ge­län­de ein­zu­fah­ren. Von die­sem Bereich dür­fe man dann auch auf den hin­ter der Licht­zei­chen­an­la­ge gele­ge­nen Ver­kehrs­raum ein­fah­ren. Auch wenn die­ser noch durch die Anla­ge geschützt sei, lie­ge kein Rot­licht­ver­stoß des Betrof­fe­nen vor, weil das Rot­licht nur für den Ver­kehrs­teil­neh­mer gel­te, der es — in sei­ner Fahrt­rich­tung gese­hen — vor sich habe.

• Anmer­kung:

Der 1. Senat für Buß­geld­sa­chen des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat den von ihm zu beur­tei­len­den Fall von den Fäl­len abge­grenzt, in denen das Umfah­ren einer Licht­zei­chen­an­la­ge als Rot­licht­ver­stoß zu ahn­den ist, und hier­zu aus­ge­führt:

Das Rot­licht einer Ampel­an­la­ge ord­ne ein Hal­ten vor der Kreu­zung oder Ein­mün­dung an. Es schüt­ze den Quer- oder Ein­mün­dungs­ver­kehr, der sich auf­grund des für ihn ange­zeig­ten Grün­lichts dar­auf ver­las­sen kön­nen müs­se, dass aus der gesperr­ten Fahrt­rich­tung kei­ne Fahr­zeu­ge in den Kreu­zungs- oder Ein­mün­dungs­be­reich hin­ein­fah­ren. Zu dem durch die Licht­zei­chen­an­la­ge geschütz­ten Bereich gehö­re des­we­gen der gesam­te Kreu­zungs- und Ein­mün­dungs­be­reich, außer der Fahr­bahn auch par­al­lel ver­lau­fen­de Rand­strei­fen, Park­strei­fen, Rad­we­ge oder Fuß­we­ge. Geschützt sei die­ser Bereich nicht nur vor son­dern auch ca. 10–15m hin­ter der Licht­zei­chen­an­la­ge. Des­we­gen bege­he einen Rot­licht­ver­stoß, wer vor einer roten Ampel die Fahr­bahn ver­las­se und die Licht­zei­chen­an­la­ge dann über einen Geh­weg, Rand­strei­fen, Park­strei­fen, Rad­weg oder Bus­spur umfah­re; eben­so der­je­ni­ge, der auf einer durch Grün­licht frei­ge­ge­be­nen Gera­de­aus­spur in den Kreu­zungs­be­reich ein­fah­re und dann nach der Halt­li­nie auf einen durch Rot­licht gesperr­ten Fahr­strei­fen wech­se­le.

Schmidt-Strunk emp­fahl, dies beach­ten und in der­ar­ti­gen Fäl­len unbe­dingt recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf den VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­an­wäl­te e. V. – www.vdvka.de — ver­wies.

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