a. Unter­liegt die gegen den Haft­pflicht­ver­si­che­rer gerich­te­te Scha­dens­er­satz­kla­ge im Ver­kehrs­un­fall­pro­zess des­halb der Abwei­sung, weil der Klä­ger den ihm oblie­gen­den Beweis für das streit­ge­gen­ständ­li­che Unfall­ge­sche­hen nicht füh­ren kann, so steht auf­grund

 

1. Die Beru­fung des Klä­gers gegen das Urteil des Land­ge­richts Saar­brü­cken vom 1. April 2009 – 9 O 246/08 – wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Klä­ger trägt die Kos­ten des Beru­fungs­ver­fah­rens ein­schließ­lich der Kos­ten der Neben­in­ter­ven­ti­on.

3. Das Urteil ist vor­läu­fig voll­streck­bar.

4. Die Revi­si…

(vdvka) …on wird nicht zuge­las­sen.

Grün­de

I.

Im vor­lie­gen­den Rechts­streit nimmt der Klä­ger die Beklag­te zu 1) als Haft­pflicht­ver­si­che­rer und die Beklag­te zu 2) als Fah­re­rin des Fahr­zeugs der Mar­ke Volks­wa­gen, Golf IV mit dem amt­li­chen Kenn­zei­chen XX-…-… auf Scha­dens­er­satz in Anspruch.

Der Klä­ger hat behaup­tet, er sei Eigen­tü­mer des Fahr­zeugs Mer­ce­des-Benz E 270 CDI Avant­gar­de mit dem amt­li­chen Kenn­zei­chen AA-…-… gewe­sen. Am 29.4.2008 habe die Zeu­gin R. gegen 21:30 Uhr mit die­sem Fahr­zeug die B. Stra­ße aus Rich­tung H. in Rich­tung B. befah­ren. Die Beklag­te zu 2) sei mit dem Volks­wa­gen unter Miss­ach­tung der Vor­fahrt der Zeu­gin R. von dem Beschleu­ni­gungs­strei­fen aus Rich­tung K. kom­mend nach links in die Vor­fahrt­stra­ße ein­ge­bo­gen und gegen die rech­te Sei­te des Pkws des Klä­gers gesto­ßen. Infol­ge­des­sen sei dem Klä­ger ein Scha­den in Höhe von ins­ge­samt 11.118,24 EUR ent­stan­den, hin­sicht­lich des­sen Ein­zel­hei­ten auf die Kla­ge­schrift ver­wie­sen wird (GA I Bl. 4 ff.).

Der Klä­ger hat (zuletzt) bean­tragt, die Beklag­ten als Gesamt­schuld­ner zu ver­ur­tei­len,

1. an den Klä­ger 10.334,27 EUR nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz aus 8.596,27 EUR seit dem 21.5.2008 und aus wei­te­ren 1.738 EUR, und zwar die Beklag­te zu 1) seit dem 15.9.2008 und die Beklag­te zu 2) seit dem 13.9.2008, zu zah­len;

2. an den Sach­ver­stän­di­gen K.-H. L., , zur Gut­ach­ten­num­mer ~…1 einen Betrag von 783,97 EUR nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz seit dem 21.5.2008 zu zah­len;

3. den Klä­ger von Gebüh­ren­an­sprü­chen des Rechts­an­walts V. K. in Höhe von 837,52 EUR frei­zu­stel­len.

Die Beklag­te zu 1) hat – zugleich als Streit­hel­fe­rin der Beklag­ten zu 2) – bean­tragt, die Kla­ge abzu­wei­sen.

Die Beklag­te zu 1) hat bestrit­ten, dass es über­haupt zu dem behaup­te­ten Unfall­ge­sche­hen an Ort und Stel­le zur ange­ge­be­nen Zeit gekom­men sei. Ins­be­son­de­re hat die Beklag­te zu 1) bestrit­ten, dass der Unfall ohne bezie­hungs­wei­se gegen den Wil­len der Betei­lig­ten gesche­hen sei. Für eine Unfall­ma­ni­pu­la­ti­on spre­che ins­be­son­de­re das an bei­den Fahr­zeu­gen ent­stan­de­nen Scha­dens­bild: Unstrei­tig fan­den sich an bei­den Kraft­fahr­zeu­gen ledig­lich ober­fläch­li­che Streif­be­schä­di­gun­gen. Die­ses Scha­dens­bild habe – so die die Auf­fas­sung der Beklag­ten zu 1) – den Vor­teil, dass die Scha­dens­be­sei­ti­gung mit einem Bruch­teil des Auf­wan­des mög­lich sei, den ein Kfz-Sach­ver­stän­di­ger für eine fach­ge­rech­te Repa­ra­tur für erfor­der­lich erach­te. In Anbe­tracht der Ört­lich­keit sei es bei auch nur gerings­ter Auf­merk­sam­keit aus­ge­schlos­sen, beim Ein­bie­gen auf die bevor­rech­tig­te J. Stra­ße den vor­fahrts­be­rech­tig­ten Ver­kehr ein­fach zu über­se­hen, wie dies der Beklag­ten zu 2) angeb­lich unter­lau­fen sei. Eine Kol­li­si­on wäre ohne wei­te­res ver­meid­bar gewe­sen, wenn ent­we­der der Mer­ce­des des Klä­gers leicht nach links bezie­hungs­wei­se der Golf der Beklag­ten zu 2) leicht nach rechts gezo­gen wor­den wäre. Es spre­che alles dafür, dass sich die Betei­lig­ten vor dem Unfall­er­eig­nis bes­tens gekannt hät­ten.

Die Beklag­te zu 2) hat vor­ge­tra­gen, die Ver­mu­tung der Beklag­ten zu 1), wonach es sich um einen mani­pu­lier­ten Ver­kehrs­un­fall han­de­le, sei unzu­tref­fend. Die Unfall­be­tei­lig­ten hät­ten sich vor dem Unfall­er­eig­nis nie gese­hen. Die Beklag­te zu 2) habe aus ihrem Fahr­zeug her­aus die Situa­ti­on falsch ein­ge­schätzt und einen zum Unfall füh­ren­den Feh­ler began­gen.

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Auf den Inhalt der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung wird auch hin­sicht­lich der dar­in ent­hal­te­nen Fest­stel­lun­gen gem. § 540 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 ZPO Bezug genom­men.

Mit sei­ner hier­ge­gen gerich­te­ten Beru­fung ver­folgt der Klä­ger sein erst­in­stanz­li­ches Kla­ge­be­geh­ren in vol­lem Umfang wei­ter. Er wen­det sich gegen die Beweis­wür­di­gung des Land­ge­richts und ver­tritt die Auf­fas­sung, das Land­ge­richt sei auf­grund einer feh­ler­haf­ten Beweis­wür­di­gung zu dem Ergeb­nis gelangt, dass der Klä­ger den ihm oblie­gen­den Beweis dafür, dass sich der in der Kla­ge­schrift beschrie­be­ne Unfall tat­säch­lich ereig­net habe, nicht geführt habe. Der Auf­fas­sung des Land­ge­richts, die Aus­sa­ge der Zeu­gin R. sei nicht glaub­haft, kön­ne nicht gefolgt wer­den. Die Zeu­gin sei ita­lie­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge und spre­che kein Deutsch. Sie sei zum ers­ten Mal in einen Ver­kehrs­un­fall ver­wi­ckelt gewe­sen und habe den Unfall so geschil­dert, wie sie ihn noch in Erin­ne­rung gehabt habe. Ihre gan­ze Sor­ge habe nach dem Unfall ihren bei­den Kin­dern gegol­ten. Sowohl die Zeu­gin als auch die Beklag­te zu 2) hät­ten die Unfal­lört­lich­keit genau bezeich­net. Auf­grund der genau­en Anga­ben von Ort und Zeit bestün­den kei­ne Zwei­fel dar­an, dass sich der Unfall zu der ange­ge­be­nen Zeit tat­säch­lich ereig­net habe.

Wei­ter­hin lägen auch die Vor­aus­set­zun­gen eines sog. gestell­ten Unfal­les nicht vor. Weder ken­ne der Klä­ger die Beklag­te zu 2), noch deren Ehe­mann. Die Zeu­gin habe die Beklag­te zu 2) vor dem Unfall nie gese­hen. Es stel­le sich von daher die Fra­ge, wann der Unfall bei wel­cher Gele­gen­heit und wie ver­ab­re­det wor­den sei.

Der Klä­ger bean­tragt,

unter Abän­de­rung des Urteils des Land­ge­richts Saar­brü­cken vom 1.4.2009 – 9 O 246/08 – nach Maß­ga­be der erst­in­stanz­li­chen Anträ­ge zu ent­schei­den.

Die Beklag­te bean­tragt – zugleich als Streit­hel­fe­rin zu 2) –,

die Beru­fung des Klä­gers zurück­zu­wei­sen.

Die Beklag­te zu 1) ver­tei­digt die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung und ver­tieft sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Auch die Beklag­te zu 2) wen­det sich gegen die erst­in­stanz­li­che Beweis­wür­di­gung und bekräf­tigt ihr Vor­brin­gen, wonach der Unfall nicht abge­spro­chen gewe­sen sei. Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den Inhalt der Beru­fungs­be­grün­dung vom 14.7.2009 (GA II Bl. 188 ff.) und auf die Beru­fungs­er­wi­de­rung vom 17.8.2009 (GA II Bl. 195 ff.) Bezug genom­men. Hin­sicht­lich des Ergeb­nis­ses der münd­li­chen Ver­hand­lung wird auf das Pro­to­koll (GA II Bl. 212 ff.) ver­wie­sen.

II.

A.

Die zuläs­si­ge Beru­fung des Klä­gers ist nicht begrün­det, da die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung im Ergeb­nis nicht auf einem Rechts­feh­ler beruht, noch die nach § 529 ZPO zugrun­de zu legen­den Tat­sa­chen eine ande­re Ent­schei­dung recht­fer­ti­gen (§ 513 Abs. 1 ZPO).

Die gegen die Beklag­te zu 1) gerich­te­te Kla­ge unter­liegt des­halb der Abwei­sung, weil das Land­ge­richt in rechts- und ver­fah­rens­feh­ler­frei­er Wei­se, mit­hin gem. § 529 ZPO für den Senat bin­dend, fest­ge­stellt hat, dass der Klä­ger den ihm oblie­gen­den vol­len Beweis dafür, dass sich der Unfall auf die von ihm geschil­der­te, im Tat­be­stand beschrie­be­ne Wei­se, zur ange­ge­be­nen Uhr­zeit und Ört­lich­keit ereig­ne­te, nicht erbracht hat (1.). Auf­grund Rechts­kraf­ter­stre­ckung muss­te mit der sogleich ein­tre­ten­den Rechts­kraft der im Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Klä­ger und der Beklag­ten zu 1) ergan­ge­nen Ent­schei­dung auch die gegen die Beklag­te zu 2) gerich­te­te Kla­ge der Abwei­sung unter­lie­gen (2.).

1. Zum Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen Klä­ger und der Beklag­ten zu 1)

Die Beru­fung des Klä­gers bleibt ohne Erfolg, soweit das Land­ge­richt die gegen die Beklag­te zu 1) gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen hat. Mit zutref­fen­den Erwä­gun­gen hat das Land­ge­richt der Kla­ge des­halb den Erfolg ver­sagt, weil der Klä­ger den ihm oblie­gen­den Beweis dafür, dass sich der in der Kla­ge­schrift beschrie­be­ne Unfall tat­säch­lich ereig­ne­te, nicht geführt hat.

a) Das Pro­zess­pro­gramm des Zivil­pro­zes­ses wird durch den Streit­ge­gen­stand defi­niert, indem der Klä­ger die von ihm in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge aus einem tat­säch­li­chen Gesche­hen, dem sog. Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund), her­lei­tet, des­sen Ele­men­te auf der Ebe­ne des Rechts die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der anspruchs­be­grün­den­den Norm aus­fül­len (zum zwei­glied­ri­gen Streit­ge­gen­stands­be­griff vgl. BGHZ 154, 342, 348; 153, 173, 175; 117, 1, 5; BGH, Urt. v. 7.12.2000 – I ZR 146/98, GRUR 2001, 755, 756 – Tele­fon­kar­te; Prütting/Gehrlein/Prütting, ZPO, Ein­lei­tung Rdnr. 17 ff.). Nur der vom Klä­ger vor­ge­tra­ge­ne Lebens­sach­ver­halt bil­det den Streit­ge­gen­stand der Kla­ge, des­sen tat­säch­li­ches Vor­lie­gen der Klä­ger auch im Anwen­dungs­be­reich des § 7 StVG mit dem vol­len Beweis­maß des § 286 ZPO bewei­sen muss.

Gemäß § 286 Abs. 1 ZPO hat das Gericht unter Berück­sich­ti­gung des gesam­ten Inhalts der Ver­hand­lun­gen und des Ergeb­nis­ses einer etwai­gen Beweis­auf­nah­me nach frei­er Über­zeu­gung zu ent­schei­den, ob eine tat­säch­li­che Behaup­tung für wahr oder nicht für wahr zu erach­ten ist. Die­ses Beweis­maß ist nicht bereits dann erreicht, wenn die zu bewei­sen­de Tat­sa­che hin­rei­chend plau­si­bel oder gar in einem natur­wis­sen­schaft­lich-mathe­ma­ti­schen Sinn „mit an Sicher­heit gren­zend“ über­wie­gend wahr­schein­lich ist. Viel­mehr muss der Rich­ter die vol­le Über­zeu­gung von der Wahr­heit der zu bewei­sen­den Tat­sa­che gewin­nen. Ande­rer­seits darf der Rich­ter nicht die abso­lu­te Wahr­heit zur Vor­aus­set­zung sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung machen (vgl. Kat­zen­mei­er ZZP 117, 195 f., 201 f.). Ent­schei­dend ist viel­mehr die sub­jek­ti­ve Über­zeu­gung des Rich­ters, die kei­ne abso­lu­te, über jeden denk­ba­ren Zwei­fel erha­be­ne Gewiss­heit ver­langt. Der Rich­ter darf und muss sich in tat­säch­lich zwei­fel­haf­ten Fäl­len mit einem für das prak­ti­sche Leben brauch­ba­ren Grad von Gewiss­heit begnü­gen, der den Zwei­feln Schwei­gen gebie­tet, ohne sie völ­lig aus­zu­schlie­ßen (BGHZ 53, 254, 256; 61, 165, 169 f.; Zöller/Greger, ZPO, 27. Aufl., § 286 Rdnr. 19; Prütting/Gehrlein/Prütting, aaO, § 286 Rdnr. 21).

Ange­wandt auf die im vor­lie­gen­den Rechts­streit maß­geb­li­che Beweis­si­tua­ti­on eines strei­ti­gen Unfall­ge­sche­hens genügt der aus dem Unfall­ge­sche­hen Ansprü­che gel­tend machen­de Geschä­dig­te sei­ner Beweis­last noch nicht, wenn sich nach Durch­füh­rung der Beweis­auf­nah­me zwar Zwei­fel an Ort und Zeit des tat­säch­li­chen Gesche­hens erge­ben, gleich­zei­tig aller­dings Anhalts­punk­te dafür vor­han­den sein mögen, dass bei­de Fahr­zeu­ge even­tu­ell an ande­rer Stel­le unter nicht dar­ge­leg­ten Umstän­den mit­ein­an­der zusam­men­ge­sto­ßen sind. Die pro­zes­sua­le Dar­stel­lung des Lebens­sach­ver­halts darf sich nicht auf die iso­lier­te Beschrei­bung des Scha­dens­er­fol­ges beschrän­ken, solan­ge die wei­te­ren tat­säch­li­chen Umstän­de in ört­li­cher und zeit­li­cher Hin­sicht nicht inso­weit deter­mi­niert sind, dass alle zur Aus­fül­lung der Haf­tungs­norm rele­van­ten Tat­be­stands­merk­ma­le der Tat­sa­chen­grund­la­ge ein­deu­tig zuge­ord­net wer­den kön­nen (Senat, OLGR 2007, 351). Mit­hin ist auch der Beweis für das den Anspruch begrün­den­de Scha­dens­er­eig­nis erst dann erbracht, wenn das Gericht die vol­le Über­zeu­gung gewon­nen hat, dass sich der Unfall in der vom Klä­ger nach Ort und Zeit beschrie­be­nen Wei­se tat­säch­lich zutrug (Senat, OLGR 2009, 394).

b) Aus­ge­hend von die­sen Rechts­grund­sät­zen ist das Land­ge­richt nach Durch­füh­rung der Beweis­auf­nah­me zu dem Ergeb­nis gelangt, dass nicht hint­an­zu­stel­len­de Zwei­fel an der Schil­de­rung des Klä­ger­vor­trags ver­blei­ben. An die­se tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen ist der Senat im Rah­men des ein­ge­schränk­ten Prü­fungs­maß­sta­bes des § 529 ZPO gebun­den, da die Tat­sa­chen­fest­stel­lung des Land­ge­richts frei von Ver­fah­rens­feh­lern getrof­fen wor­den ist und kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Tat­sa­chen­fest­stel­lung wecken.

aa) Die Zwei­fel an der Glaub­haf­tig­keit der Aus­sa­ge der Zeu­gin R. und der Anga­ben der Beklag­ten zu 2) resul­tie­ren zunächst dar­aus, dass die Unfall­schil­de­run­gen bei­der Per­so­nen letzt­lich nicht plau­si­bel sind: Zwar erscheint es nicht erfah­rungs­wid­rig, dass die Beklag­te zu 2) ein seit­lich neben ihr fah­ren­des Fahr­zeug über­se­hen haben mag, wenn sie die Ein­fä­del­spur befuhr und vor dem Ein­ord­nen in die Vor­fahrt­stra­ße ledig­lich in den Rück­spie­gel blick­te. In einer sol­chen Unfall­si­tua­ti­on ist es jeden­falls an der vom Klä­ger benann­ten Unfal­lört­lich­keit (goog­le Bild­auf­nah­me GA I Bl. 106) dann aber schlech­ter­dings unver­ständ­lich, dass auch der auf der Vor­fahrt­stra­ße fah­ren­de Fah­rer das sich ein­fä­deln­de Fahr­zeug über­se­hen kann. Gera­de in die­sem Sin­ne hat sich jedoch die Zeu­gin R. geäu­ßert, die aus­ge­sagt hat, sie habe das ande­re Fahr­zeug über­haupt nicht kom­men sehen; sie habe viel­mehr plötz­lich einen „Knall“ gehört (des­sen Ent­ste­hung – wor­auf das Land­ge­richt mit Recht anmerkt – mit Blick auf die ein­ge­tre­te­nen Beschä­di­gung nicht plau­si­bel erscheint).

bb) Kaum glaub­haft ist wei­ter­hin die Aus­sa­ge der Zeu­gin R., bei­de Fahr­zeu­ge wären nach dem Zusam­men­stoß an Ort und Stel­le ver­blie­ben: Die Beklag­te zu 2) habe rechts auf dem Beschleu­ni­gungs­strei­fen gestan­den; sie selbst habe auf dem rech­ten Fahr­strei­fen gestan­den. So sei­en die Fahr­zeu­ge bis zum Ein­tref­fen des Klä­gers ver­blie­ben. Ein sol­ches Ver­hal­ten hät­te den dort herr­schen­den, nicht uner­heb­li­chen Ver­kehr stark behin­dert. Den­noch will die Zeu­gin von einer Ver­kehrs­be­hin­de­rung nichts bemerkt haben. Hin­zu­kom­men die vom Land­ge­richt zutref­fend her­aus­ge­ar­bei­te­ten Unge­reimt­hei­ten hin­sicht­lich der von der Zeu­gin R. beschrie­be­nen Unfal­lend­stel­lun­gen bei­der Fahr­zeu­ge, die die Zeu­gin dazu ver­an­lass­ten, ihre Aus­sa­ge dahin­ge­hend anzu­pas­sen, die Beklag­te zu 2) habe das Fahr­zeug auf der Bei­fah­rer­sei­te ver­las­sen.

cc) Die Glaub­haf­tig­keit wird auch dadurch her­ab­ge­setzt, dass die Unfall­be­tei­lig­ten kei­ner­lei Anstal­ten unter­nah­men, um die Unfall­si­tua­ti­on zu doku­men­tie­ren. Bei­de Frau­en hat­ten nach ihren Ein­las­sun­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt (GA I Bl. 88 ff.) Han­dys dabei, um ihre Ehe­män­ner zu infor­mie­ren. Den­noch wur­den an der Unfall­stel­le offen­sicht­lich kei­ner­lei Fotos von der Unfall­si­tua­ti­on gefer­tigt.

dd) Soweit die Zeu­gin R. aus­ge­sagt hat, sie selbst habe der Beklag­ten zu 2) alle Anga­ben gemacht, erscheint auch die­se Aus­sa­ge ange­sichts der Sprach­schwie­rig­kei­ten nicht glaub­haft: Die Beklag­te zu 2) spricht nach ihrer eige­nen Aus­sa­ge kein Ita­lie­nisch; die Zeu­gin R. nach ihrer eige­nen Aus­sa­ge nicht rich­tig Deutsch. Des­sen unge­ach­tet will die Zeu­gin eine Ver­stän­di­gung über die Ver­si­che­rungs­num­mer her­bei­ge­führt haben und die Umstän­de erfah­ren haben, die eine Hin­zu­zie­hung der Poli­zei als nicht sach­dien­lich erschei­nen lie­ßen. Hin­zu­kommt, dass die Zeu­gin nach ihrer eige­nen Aus­sa­ge nicht etwa die Ver­si­che­rungs­num­mer der Beklag­ten zu 2) als eigent­li­che Unfall­ver­ur­sa­che­rin erfah­ren habe, son­dern sie ihrer­seits der Dame „alle Anga­ben, also Ver­si­che­rungs­num­mer usw.“ gemacht haben will.

ee) Zwar ist der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Senat den aus der Zeu­gen­aus­sa­ge resul­tie­ren­den Beden­ken gegen die Glaub­wür­dig­keit der Aus­sa­ge mit der Behaup­tung ent­ge­gen­ge­tre­ten, die erfor­der­li­chen Anga­ben sei­en dem an die Unfall­stel­le gekom­me­nen Ehe­mann der Zeu­gin, dem Klä­ger, erteilt wor­den. Jedoch steht die­ser Vor­trag mit der pro­to­kol­lier­ten Aus­sa­ge der Zeu­gin R. nicht in Ein­klang: Die Zeu­gin hat in ihrer Ver­neh­mung aus­ge­sagt, sie selbst habe der Dame alle Anga­ben gemacht. Auch auf das Pro­blem der Sprach­schwie­rig­kei­ten ist die Zeu­gin ein­ge­gan­gen: Die Zeu­gin hat im sel­ben Aus­sa­ge­zu­sam­men­hang (GA I Bl. 95) ange­ge­ben, dass eine rich­ti­ge Ver­stän­di­gung mit der Dame nicht mög­lich gewe­sen sei, da sie selbst, die Zeu­gin R., nicht rich­tig Deutsch spre­che. Die­se Aus­sa­ge steht zum Vor­trag des Klä­ger­ver­tre­ters, wonach der Klä­ger die Scha­dens­ab­wick­lung an Ort und Stel­le vor­ge­nom­men habe, in offe­nem, unver­ein­ba­rem Wider­spruch, der nicht leicht­hin mit dem Hin­weis auf­ge­löst wer­den kann, die Zeu­gin sei ein­fach struk­tu­riert und habe noch nie vor einem Gericht gestan­den.

ff) Eben­so wenig kön­nen die Zwei­fel an der Wahr­haf­tig­keit der klä­ge­ri­schen Unfall­schil­de­rung mit der Wer­tung aus­ge­räumt wer­den, dass kei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Mut­ter ihre klei­nen Kin­der vor­sätz­lich einer Gefahr aus­set­zen wür­de. Denn die­ses Argu­ment über­zeugt nur dann, wenn die Rich­tig­keit des klä­ge­ri­schen Sach­vor­trags zu den Umstän­den und dem Ablauf des Unfall­er­eig­nis­ses fest­stün­de. Davon kann indes nicht aus­ge­gan­gen wer­den.

Zusam­men­fas­send ver­blei­ben vali­de Zwei­fel an der Unfall­schil­de­rung des Klä­gers: Da es mit Aus­nah­me der Unfall­schil­de­run­gen der Zeu­gin R. und den Anga­ben der Beklag­ten zu 2) kei­ner­lei objek­ti­ve, neu­tra­le Beweis­mit­tel gibt, die das behaup­te­te Unfall­ge­sche­hen bele­gen, sah sich das Land­ge­richt, ohne die Beweis­an­for­de­run­gen des § 286 Abs. 1 ZPO zu über­span­nen, auf­grund der auf­ge­zeig­ten Glaub­wür­dig­keits­de­fi­zi­te der Zeu­gen­aus­sa­ge dazu außer­stan­de, die vol­le Über­zeu­gung von der Wahr­haf­tig­keit der Unfall­schil­de­rung zu gewin­nen. Der Senat teilt die­se Ein­schät­zung.

2. Zum Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen Klä­ger und der Beklag­ten zu 2)

a) Die Beklag­te zu 2) hat das Unfall­er­eig­nis zuge­stan­den. Haft­pflicht­ver­si­che­rer und Ver­si­che­rungs­neh­mer sind als ein­fa­che Streit­ge­nos­sen zu betrach­ten, mit der Fol­ge, dass das Ver­fah­ren eines jeden Streit­ge­nos­sen getrennt zu beur­tei­len ist (BGHZ 63, 51, 53; Senat OLGR 2007, 351; Zöller/Vollkommer, ZPO, 27. Aufl., § 62 Rdnr. 8a mit wei­te­rem Nach­weis). Da die Pro­zess­füh­rung des einen Streit­ge­nos­sen durch die Pro­zess­füh­rung des ande­ren weder beein­träch­tigt noch begüns­tigt wer­den darf, ent­fie­le die Bin­dungs­wir­kung eines Geständ­nis­ses im Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Klä­ger und dem Zuge­ste­hen­den nur bei offen­kun­di­ger Unwahr­heit des Geständ­nis­ses sowie dann, wenn der Zuge­ste­hen­de betrü­ge­risch zum Nach­teil eines Drit­ten, im kon­kre­ten Fall: der Ver­si­che­rung, zusam­men­wirkt (OLGR Saar­brü­cken 2007, 351; Zöller/Greger, aaO., § 288 Rdnr. 7; Prütting/Gehrlein/Laumen, aaO, § 288 Rdnr. 8).

Soweit das Land­ge­richt unter Anwen­dung die­ser Rechts­grund­sät­ze den Nach­weis für ein mani­pu­lier­tes Unfall­ge­sche­hen als geführt erach­tet hat, ver­mag die Ent­schei­dung nicht zu über­zeu­gen: Es erscheint beden­kens­wert, ob das Land­ge­richt hin­sicht­lich des mit dem Beweis­maß des § 286 Abs. 1 ZPO zu erbrin­gen­den, vol­len Nach­wei­ses des Mani­pu­la­ti­ons­vor­wur­fes ein zu gerin­ges Beweis­maß zugrun­de gelegt hat:

aa) Von den für den Mani­pu­la­ti­ons­vor­wurf aner­kann­ten Indi­zi­en (aus der Rspr. vgl. nur Senat OLGR 2009, 394; 2007, 310; OLGR Cel­le 2007, 468; 2006, 273; KG OLGR 2008, 137; 2007, 265, 304; 2006, 526, 425) ist zum einen nach­ge­wie­sen, dass das Fahr­zeug des Klä­gers und die Art der Scha­dens­ab­rech­nung in das Mani­pu­la­ti­ons­sche­ma pas­sen: Das Fahr­zeug war rela­tiv kost­spie­lig und über­stieg jeden­falls die im Pro­zess offen­ge­leg­ten finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se des Klä­gers. Das Fahr­zeug war finan­ziert. Die Abrech­nung auf Gut­ach­ter­ba­sis ver­setz­te den Klä­ger dazu in die Lage, den noch nicht abge­zahl­ten Kre­dit zu til­gen. Über­dies weist der Beklag­ten­ver­tre­ter mit Recht dar­auf hin, dass trotz der hohen Repa­ra­tur­kos­ten kei­ne nen­nens­wer­te Sub­stanz­schä­di­gung am PKW des Klä­gers ein­ge­tre­ten war. Der Senat teilt die Auf­fas­sung der Beklag­ten zu 1), dass eine in tech­ni­scher Hin­sicht gleich­wer­ti­ge und in opti­scher Hin­sicht annehm­ba­re Repa­ra­tur der ent­stan­de­nen Schä­den durch­aus mit einem wesent­lich gerin­ge­ren Kos­ten­auf­wand mög­lich gewe­sen wäre. Auch die zeit­na­he Wei­ter­ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs wird in der Recht­spre­chung als Beweis­an­zei­chen für einen Mani­pu­la­ti­ons­vor­wurf gewer­tet. Aller­dings ist die Aus­sa­ge­kraft der Abrech­nung auf Gut­ach­ter­ba­sis und die Wei­ter­ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs nicht all­zu stark.

bb) Die Unfall­be­tei­lig­ten ver­an­lass­ten kei­ne poli­zei­li­che Unfall­auf­nah­me: Zwar lag in Anbe­tracht der rela­tiv gering­fü­gi­gen Beschä­di­gun­gen und des Umstan­des, dass kei­ne Per­so­nen ver­letzt wur­den, die Benach­rich­ti­gung der Poli­zei im vor­lie­gen­den Fall nicht nahe. Auf­fal­lend ist jedoch, dass die Unfall­be­tei­lig­ten Per­so­nen auch sonst kei­ne Anstal­ten tra­fen, um den Unfall als sol­chen an der Unfall­stel­le zu doku­men­tie­ren.

cc) Als wei­te­re Indi­zi­en sind die Glaub­wür­dig­keits­de­fi­zi­te bei der Unfall­schil­de­rung ein­zu­be­zie­hen.

dd) Dem­ge­gen­über ist nicht posi­tiv bewie­sen, dass sich die Unfall­be­tei­lig­ten kann­ten: Die Zeu­gin B. hat eine enge Bekannt­schaft zwi­schen den Unfall­be­tei­lig­ten nicht bestä­tigt. Auch ist nicht vor­ge­tra­gen, dass die Unfall­be­tei­lig­ten oder ihre Ehe­män­ner vor dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Unfall in ver­gleich­ba­re Unfäl­le ver­strickt waren. Fer­ner waren am Kfz des Klä­gers kei­ne nach­ge­wie­se­nen Vor­schä­den vor­han­den. Schließ­lich ist nicht nach­ge­wie­sen, dass das behaup­te­te Scha­dens­bild am klä­ge­ri­schen Fahr­zeug nur durch eine bewuss­te Lenk­be­we­gung zum „Unfall­op­fer“ hin ent­ste­hen konn­te.

b) Im Ergeb­nis kann die abschlie­ßen­de Bewer­tung des Beweis­er­geb­nis­ses zum Mani­pu­la­ti­ons­ein­wand unter­blei­ben, da bereits die Rechts­kraf­ter­stre­ckung des § 3 Nr. 8 PflVG in der bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung bzw. der inhalts­glei­chen Vor­schrift des § 124 Abs. 1 VVG eine Kla­ge­ab­wei­sung ver­langt. Dem Sach­ver­halt ist nicht zu ent­neh­men, wann der Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­ver­trag hin­sicht­lich des Beklag­ten­fahr­zeugs abge­schlos­sen wur­de. Folg­lich bleibt offen, ob der Scha­dens­fall nach Art. 1 Abs. 1 EGVVG nach neu­em oder altem Recht zu beur­tei­len ist. Da im hier inter­es­sie­ren­den Rege­lungs­zu­sam­men­hang mit der Reform des VVG kei­ne Ände­rung des mate­ri­el­len Rechts ein­her­ge­gan­gen ist, besitzt die Fra­ge nach der rich­ti­gen „Haus­num­mer“ der die Rechts­kraf­ter­stre­ckung regeln­den Norm kei­ne Rele­vanz.

aa) Mit der die Kla­ge abwei­sen­den Ent­schei­dung im Ver­hält­nis zur Beklag­ten zu 1) wird zugleich fest­ge­stellt, dass dem Klä­ger gegen die Beklag­te zu 1) kein Ersatz­an­spruch zusteht. Die­se Fest­stel­lung, die in der Ter­mi­no­lo­gie des § 3 Nr. 8 PflVG a.F. /§ 124 Abs. 1 VVG zwi­schen dem Drit­ten, dem Geschä­dig­ten, und dem Ver­si­che­rer ergeht, wirkt nicht nur zuguns­ten des Ver­si­che­rungs­neh­mers. Denn die Bin­dungs­wir­kung des § 3 Nr. 8 PflVG a.F./§ 124 Abs. 1 VVG gilt über ihren Wort­laut hin­aus auch im Ver­hält­nis des mit­ver­si­cher­ten Fah­rers zum Ver­si­che­rer und umge­kehrt (BGHZ 96, 18, 22; aus der neue­ren Rspr.: OLGR Bran­den­burg 2009, 646; Prölss/Martin/Knappmann, VVG, 27. Aufl., § 3 Nr. 8 PflVG Rdnr. 1; Schwintowski/Brömmelmeyer, Pra­xis­kom­men­tar zum VVG, § 124 VVG Rdnr. 28; Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, Ver­si­che­rungs­hand­buch, 2. Aufl., § 24 Rdnr. 181; Feyock/Jacobsen/Lemor, Kfz-Ver­si­che­rung, 3. Aufl., § 124 VVG Rdnr. 2; Römer/Langheid, VVG, 2. Aufl., § 3 PflVG Rdnr. 31). Zwar wird in der Lit. die Auf­fas­sung ver­tre­ten, zu einer Rechts­kraf­ter­stre­ckung kom­me es nicht, wenn der Geschä­dig­te in der Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung zunächst nur den Len­ker – und dazu die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung, nicht aber den Hal­ter belan­ge (Schwintowski/Brömmelmeyer, aaO., Rdnr. 29).

bb) Aller­dings ist die­se Rechts­mei­nung nicht dahin zu ver­ste­hen, dass ein kla­ge­wei­sen­des Urteil gegen den Ver­si­che­rer kei­ne Rechts­kraft im Ver­hält­nis zum Mit­ver­si­cher­ten ent­fal­ten kann. Viel­mehr will die Aus­sa­ge zur feh­len­den Rechts­kraf­ter­stre­ckung einer nicht gegen­über allen Soli­dar­schuld­nern ergan­ge­nen Ent­schei­dung ledig­lich ver­deut­li­chen, dass der Geschä­dig­te nicht dar­an gehin­dert ist, etwa nach rechts­kräf­ti­ger Abwei­sung sei­ner Kla­ge gegen den Hal­ter in einem neu­en Pro­zess nun­mehr den Fah­rer und – wegen des­sen Haf­tung – auch den Haft­pflicht­ver­si­che­rer in Anspruch zu neh­men (BGHZ 96, 18, 22; Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, aaO., § 24 Rdnr. 181; Feyock/Jacobsen/Lemor, aaO., § 124 VVG Rdnr. 4; Römer/Langheid, aaO, Rdnr. 32). Die­se Ein­schrän­kung kor­re­liert unmit­tel­bar mit all­ge­mei­nen Grund­sät­zen zum Umfang der mate­ri­el­len Rechts­kraft: Wird eine gegen den Hal­ter gerich­te­te Kla­ge in wirk­sa­mer Beschrän­kung des Streit­ge­gen­stan­des nur auf die Haf­tungs­tat­be­stän­de der Gefähr­dungs­haf­tung gestützt, so wäre der Geschä­dig­te nicht gehin­dert, nach einem kla­ge­ab­wei­sen­den Urteil den Hal­ter ohne Bin­dung an die mate­ri­el­le Rechts­kraft in einem neu­en Pro­zess unter Dar­le­gung eines auf die delik­ti­sche Haf­tung gestütz­ten Lebens­sach­ver­halts zu ver­kla­gen. Die­se Opti­on muss dem Geschä­dig­ten erst recht erhal­ten blei­ben, wenn die Haf­tungs­sys­te­me die Inan­spruch­nah­me per­so­nen­ver­schie­de­ner Schä­di­ger erlau­ben. Hier darf dem Geschä­dig­ten die Mög­lich­keit, etwa den Hal­ter des Fahr­zeugs auf Scha­dens­er­satz in Anspruch zu neh­men, nicht mit dem Hin­weis auf die Rechts­kraf­ter­stre­ckung eines gegen­über dem Fah­rer ergan­ge­nen kla­ge­ab­wei­sen­den Urteils abge­schnit­ten wer­den.

Eben­so tritt eine Rechts­kraf­ter­stre­ckung nicht ein, wenn der Geschä­dig­te den Anspruch gegen einen Streit­ge­nos­sen auf eine Anspruchs­grund­la­ge stützt, die den Ver­si­che­rer nicht bin­det. Para­dig­ma­tisch ist an den Fall zu den­ken, dass ein Unfall­be­tei­lig­ter ein Schuld­an­er­kennt­nis abgibt, das kei­ne mate­ri­ell­recht­li­che Wir­kung hin­sicht­lich des Direkt­an­spruchs gegen­über dem Ver­si­che­rer ent­fal­tet. Hier wäre es dem Geschä­dig­ten nicht ver­wehrt, den Ver­si­cher­ten oder den Ver­si­che­rungs­neh­mer auch nach der rechts­kräf­ti­gen Abwei­sung des Direkt­an­spruchs aus dem Schuld­an­er­kennt­nis in Anspruch zu neh­men (OLGR Bran­den­burg 2009, 646).

cc) Dem­ge­gen­über ste­hen die­se Rechts­grund­sät­ze einer aus § 3 Nr. 8 PflVG a.F./§ 124 Abs. 1 VVG her­zu­lei­ten­den Rechts­kraf­ter­stre­ckung eines gegen­über der Ver­si­che­rung ergan­ge­nen kla­ge­ab­wei­sen­den Urteils auf die Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen dem Geschä­dig­ten den dem Haf­tungs­sys­tem des StVG unter­lie­gen­den, ver­si­cher­ten Per­so­nen nicht ent­ge­gen: Hier ver­langt § 3 Nr. 8 PflVG a.F./§ 124 Abs. 1 VVG eine Rechts­kraf­ter­stre­ckung eines gegen­über der Ver­si­che­rung erstrit­te­nen Urteils gegen die wei­te­ren Scha­dens­er­satz­schuld­ner jeden­falls dann, wenn der Geschä­dig­te alle in Betracht kom­men­den Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen gegen den Ver­si­che­rer gel­tend gemacht hat (nach Prölss/Martin/Knappmann, aaO, Rdnr. 5 ist die umfas­sen­de Rechts­kraf­ter­stre­ckung die Regel). Hat der Geschä­dig­te den Ver­si­che­rer aller­dings nur wegen sei­ner gegen den Ver­si­cher­ten gerich­te­ten Ansprü­che im Wege des Direkt­an­spruchs ver­klagt, mag es ihm unbe­nom­men sein, in einem Fol­ge­pro­zess den Ver­si­che­rungs­neh­mer zu ver­kla­gen (Johann­sen, in: Bruck/Möller/Sieg, VVG, 8. Aufl., B 38).

Stützt der Geschä­dig­te dem­ge­mäß sei­ne Direkt­kla­ge auf die Haf­tung des Ver­si­cher­ten, so tritt gegen­über dem Ver­si­cher­ten die Rechts­kraft­wir­kung des § 3 Nr. 8 PflVG a.F. /§ 124 Abs. 1 VVG ein (vgl. OLG Karls­ru­he, VersR 1991, 539). Nur das hier ver­tre­te­ne Ergeb­nis wird der gesetz­ge­be­ri­schen Inten­ti­on gerecht, die dar­in besteht, eine dop­pel­te Befas­sung der Gerich­te mit dem­sel­ben Haft­pflicht­an­spruch zu ver­mei­den (Schwintowski/Brömmelmeyer, aaO, § 124 Rdnr. 3). Dar­über hin­aus dient die Vor­schrift dem Schutz des Ver­si­che­rers, der nicht Gefahr lau­fen soll, trotz des für ihn güns­ti­gen Urteils im Fall der Ver­ur­tei­lung sei­nes Ver­si­che­rungs­neh­mers auf­grund sei­ner Zah­lungs­pflicht aus dem Deckungs­ver­hält­nis doch noch in Anspruch genom­men zu wer­den (BGH, Urt. v. 15.1.2008 – VI ZR 131/07, MDR 2008, 485).

dd) Unter Beach­tung die­ser Rechts­grund­sät­ze lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer wirk­sa­men Rechts­kraf­ter­stre­ckung im vor­lie­gend zu ent­schei­den­den Rechts­streit vor: Der Klä­ger nimmt die Beklag­te zu 1) im Wege des Direkt­an­spruchs ersicht­lich unter allen denk­ba­ren recht­li­chen Aspek­ten auf Scha­dens­er­satz in Anspruch. Für eine Beschrän­kung des Kla­ge­grun­des bie­tet der Pro­zess­vor­trag kei­nen Anhalt. Eben­so wenig ist ersicht­lich, dass der Klä­ger die gegen die Beklag­te zu 2) gerich­te­te Kla­ge auf einen selbst­stän­di­gen recht­li­chen Aspekt stützt, der nur im Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zur Beklag­ten zu 2) eine mate­ri­ell­recht­li­che Wir­kung ent­fal­ten wür­de.

ff) Schließ­lich steht es der Rechts­kraf­ter­stre­ckung nicht ent­ge­gen, dass der Haft­pflicht­ver­si­che­rer und die mit­ver­si­cher­te Fah­re­rin im vor­lie­gen­den Rechts­streit gleich­zei­tig in Anspruch genom­men wor­den sind und zum Zeit­punkt des Schlus­ses der münd­li­chen Ver­hand­lung eine rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung gegen­über der Beklag­ten zu 1) noch nicht vor­lag: Ist ein Rechts­mit­tel näm­lich nicht gege­ben (im zur Ent­schei­dung ste­hen­den Sach­ver­halt ist die Erwach­sen­heits­sum­me für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de nicht erreicht, die Revi­si­on war man­gels Vor­lie­gen der gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht zuzu­las­sen), kann auch sofort eine Kla­ge­ab­wei­sung gegen alle Gesamt­schuld­ner erfol­gen (vgl. BGHZ 71, 339; MDR 2008, 448; OLG Karls­ru­he, VersR 1991, 539; Prölss/Martin/Knappmann, aaO, Rdnr. 4; Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, aaO., § 24 Rdnr. 183; Schwintowski/Brömmelmeyer, aaO., § 124 Rdnr. 33).

B.

Die Kos­ten­ent­schei­dung beruht auf § 97 Abs. 1, § 101 Abs. 1 ZPO. Die Ent­schei­dung über die vor­läu­fi­ge Voll­streck­bar­keit folgt aus § 708 Nr. 10, § 713 ZPO. Die Revi­si­on war nicht zuzu­las­sen, da die Rechts­sa­che kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung besitzt und weder die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung noch die Fort­bil­dung des Rechts eine Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts erfor­dern (§ 543 Abs. 2 ZPO).

OLG Saar­brü­cken Urteil vom 17.11.2009, 4 U 244/09 — 68

Infor­ma­tio­nen:

     
     
     
     

    a. Unter­liegt die gegen den Haft­pflicht­ver­si­che­rer gerich­te­te Scha­dens­er­satz­kla­ge im Ver­kehrs­un­fall­pro­zess des­halb der Abwei­sung, weil der Klä­ger den ihm oblie­gen­den Beweis für das streit­ge­gen­ständ­li­che Unfall­ge­sche­hen nicht füh­ren kann, so steht auf­grund

     

    1. Die Beru­fung des Klä­gers gegen das Urteil des Land­ge­richts Saar­brü­cken vom 1. April 2009 – 9 O 246/08 – wird zurück­ge­wie­sen.

    2. Der Klä­ger trägt die Kos­ten des Beru­fungs­ver­fah­rens ein­schließ­lich der Kos­ten der Neben­in­ter­ven­ti­on.

    3. Das Urteil ist vor­läu­fig voll­streck­bar.

    4. Die Revi­si…

    (vdvka) …on wird nicht zuge­las­sen.

    Grün­de

    I.

    Im vor­lie­gen­den Rechts­streit nimmt der Klä­ger die Beklag­te zu 1) als Haft­pflicht­ver­si­che­rer und die Beklag­te zu 2) als Fah­re­rin des Fahr­zeugs der Mar­ke Volks­wa­gen, Golf IV mit dem amt­li­chen Kenn­zei­chen XX-…-… auf Scha­dens­er­satz in Anspruch.

    Der Klä­ger hat behaup­tet, er sei Eigen­tü­mer des Fahr­zeugs Mer­ce­des-Benz E 270 CDI Avant­gar­de mit dem amt­li­chen Kenn­zei­chen AA-…-… gewe­sen. Am 29.4.2008 habe die Zeu­gin R. gegen 21:30 Uhr mit die­sem Fahr­zeug die B. Stra­ße aus Rich­tung H. in Rich­tung B. befah­ren. Die Beklag­te zu 2) sei mit dem Volks­wa­gen unter Miss­ach­tung der Vor­fahrt der Zeu­gin R. von dem Beschleu­ni­gungs­strei­fen aus Rich­tung K. kom­mend nach links in die Vor­fahrt­stra­ße ein­ge­bo­gen und gegen die rech­te Sei­te des Pkws des Klä­gers gesto­ßen. Infol­ge­des­sen sei dem Klä­ger ein Scha­den in Höhe von ins­ge­samt 11.118,24 EUR ent­stan­den, hin­sicht­lich des­sen Ein­zel­hei­ten auf die Kla­ge­schrift ver­wie­sen wird (GA I Bl. 4 ff.).

    Der Klä­ger hat (zuletzt) bean­tragt, die Beklag­ten als Gesamt­schuld­ner zu ver­ur­tei­len,

    1. an den Klä­ger 10.334,27 EUR nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz aus 8.596,27 EUR seit dem 21.5.2008 und aus wei­te­ren 1.738 EUR, und zwar die Beklag­te zu 1) seit dem 15.9.2008 und die Beklag­te zu 2) seit dem 13.9.2008, zu zah­len;

    2. an den Sach­ver­stän­di­gen K.-H. L., , zur Gut­ach­ten­num­mer ~…1 einen Betrag von 783,97 EUR nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz seit dem 21.5.2008 zu zah­len;

    3. den Klä­ger von Gebüh­ren­an­sprü­chen des Rechts­an­walts V. K. in Höhe von 837,52 EUR frei­zu­stel­len.

    Die Beklag­te zu 1) hat – zugleich als Streit­hel­fe­rin der Beklag­ten zu 2) – bean­tragt, die Kla­ge abzu­wei­sen.

    Die Beklag­te zu 1) hat bestrit­ten, dass es über­haupt zu dem behaup­te­ten Unfall­ge­sche­hen an Ort und Stel­le zur ange­ge­be­nen Zeit gekom­men sei. Ins­be­son­de­re hat die Beklag­te zu 1) bestrit­ten, dass der Unfall ohne bezie­hungs­wei­se gegen den Wil­len der Betei­lig­ten gesche­hen sei. Für eine Unfall­ma­ni­pu­la­ti­on spre­che ins­be­son­de­re das an bei­den Fahr­zeu­gen ent­stan­de­nen Scha­dens­bild: Unstrei­tig fan­den sich an bei­den Kraft­fahr­zeu­gen ledig­lich ober­fläch­li­che Streif­be­schä­di­gun­gen. Die­ses Scha­dens­bild habe – so die die Auf­fas­sung der Beklag­ten zu 1) – den Vor­teil, dass die Scha­dens­be­sei­ti­gung mit einem Bruch­teil des Auf­wan­des mög­lich sei, den ein Kfz-Sach­ver­stän­di­ger für eine fach­ge­rech­te Repa­ra­tur für erfor­der­lich erach­te. In Anbe­tracht der Ört­lich­keit sei es bei auch nur gerings­ter Auf­merk­sam­keit aus­ge­schlos­sen, beim Ein­bie­gen auf die bevor­rech­tig­te J. Stra­ße den vor­fahrts­be­rech­tig­ten Ver­kehr ein­fach zu über­se­hen, wie dies der Beklag­ten zu 2) angeb­lich unter­lau­fen sei. Eine Kol­li­si­on wäre ohne wei­te­res ver­meid­bar gewe­sen, wenn ent­we­der der Mer­ce­des des Klä­gers leicht nach links bezie­hungs­wei­se der Golf der Beklag­ten zu 2) leicht nach rechts gezo­gen wor­den wäre. Es spre­che alles dafür, dass sich die Betei­lig­ten vor dem Unfall­er­eig­nis bes­tens gekannt hät­ten.

    Die Beklag­te zu 2) hat vor­ge­tra­gen, die Ver­mu­tung der Beklag­ten zu 1), wonach es sich um einen mani­pu­lier­ten Ver­kehrs­un­fall han­de­le, sei unzu­tref­fend. Die Unfall­be­tei­lig­ten hät­ten sich vor dem Unfall­er­eig­nis nie gese­hen. Die Beklag­te zu 2) habe aus ihrem Fahr­zeug her­aus die Situa­ti­on falsch ein­ge­schätzt und einen zum Unfall füh­ren­den Feh­ler began­gen.

    Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Auf den Inhalt der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung wird auch hin­sicht­lich der dar­in ent­hal­te­nen Fest­stel­lun­gen gem. § 540 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 ZPO Bezug genom­men.

    Mit sei­ner hier­ge­gen gerich­te­ten Beru­fung ver­folgt der Klä­ger sein erst­in­stanz­li­ches Kla­ge­be­geh­ren in vol­lem Umfang wei­ter. Er wen­det sich gegen die Beweis­wür­di­gung des Land­ge­richts und ver­tritt die Auf­fas­sung, das Land­ge­richt sei auf­grund einer feh­ler­haf­ten Beweis­wür­di­gung zu dem Ergeb­nis gelangt, dass der Klä­ger den ihm oblie­gen­den Beweis dafür, dass sich der in der Kla­ge­schrift beschrie­be­ne Unfall tat­säch­lich ereig­net habe, nicht geführt habe. Der Auf­fas­sung des Land­ge­richts, die Aus­sa­ge der Zeu­gin R. sei nicht glaub­haft, kön­ne nicht gefolgt wer­den. Die Zeu­gin sei ita­lie­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge und spre­che kein Deutsch. Sie sei zum ers­ten Mal in einen Ver­kehrs­un­fall ver­wi­ckelt gewe­sen und habe den Unfall so geschil­dert, wie sie ihn noch in Erin­ne­rung gehabt habe. Ihre gan­ze Sor­ge habe nach dem Unfall ihren bei­den Kin­dern gegol­ten. Sowohl die Zeu­gin als auch die Beklag­te zu 2) hät­ten die Unfal­lört­lich­keit genau bezeich­net. Auf­grund der genau­en Anga­ben von Ort und Zeit bestün­den kei­ne Zwei­fel dar­an, dass sich der Unfall zu der ange­ge­be­nen Zeit tat­säch­lich ereig­net habe.

    Wei­ter­hin lägen auch die Vor­aus­set­zun­gen eines sog. gestell­ten Unfal­les nicht vor. Weder ken­ne der Klä­ger die Beklag­te zu 2), noch deren Ehe­mann. Die Zeu­gin habe die Beklag­te zu 2) vor dem Unfall nie gese­hen. Es stel­le sich von daher die Fra­ge, wann der Unfall bei wel­cher Gele­gen­heit und wie ver­ab­re­det wor­den sei.

    Der Klä­ger bean­tragt,

    unter Abän­de­rung des Urteils des Land­ge­richts Saar­brü­cken vom 1.4.2009 – 9 O 246/08 – nach Maß­ga­be der erst­in­stanz­li­chen Anträ­ge zu ent­schei­den.

    Die Beklag­te bean­tragt – zugleich als Streit­hel­fe­rin zu 2) –,

    die Beru­fung des Klä­gers zurück­zu­wei­sen.

    Die Beklag­te zu 1) ver­tei­digt die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung und ver­tieft sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Auch die Beklag­te zu 2) wen­det sich gegen die erst­in­stanz­li­che Beweis­wür­di­gung und bekräf­tigt ihr Vor­brin­gen, wonach der Unfall nicht abge­spro­chen gewe­sen sei. Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den Inhalt der Beru­fungs­be­grün­dung vom 14.7.2009 (GA II Bl. 188 ff.) und auf die Beru­fungs­er­wi­de­rung vom 17.8.2009 (GA II Bl. 195 ff.) Bezug genom­men. Hin­sicht­lich des Ergeb­nis­ses der münd­li­chen Ver­hand­lung wird auf das Pro­to­koll (GA II Bl. 212 ff.) ver­wie­sen.

    II.

    A.

    Die zuläs­si­ge Beru­fung des Klä­gers ist nicht begrün­det, da die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung im Ergeb­nis nicht auf einem Rechts­feh­ler beruht, noch die nach § 529 ZPO zugrun­de zu legen­den Tat­sa­chen eine ande­re Ent­schei­dung recht­fer­ti­gen (§ 513 Abs. 1 ZPO).

    Die gegen die Beklag­te zu 1) gerich­te­te Kla­ge unter­liegt des­halb der Abwei­sung, weil das Land­ge­richt in rechts- und ver­fah­rens­feh­ler­frei­er Wei­se, mit­hin gem. § 529 ZPO für den Senat bin­dend, fest­ge­stellt hat, dass der Klä­ger den ihm oblie­gen­den vol­len Beweis dafür, dass sich der Unfall auf die von ihm geschil­der­te, im Tat­be­stand beschrie­be­ne Wei­se, zur ange­ge­be­nen Uhr­zeit und Ört­lich­keit ereig­ne­te, nicht erbracht hat (1.). Auf­grund Rechts­kraf­ter­stre­ckung muss­te mit der sogleich ein­tre­ten­den Rechts­kraft der im Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Klä­ger und der Beklag­ten zu 1) ergan­ge­nen Ent­schei­dung auch die gegen die Beklag­te zu 2) gerich­te­te Kla­ge der Abwei­sung unter­lie­gen (2.).

    1. Zum Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen Klä­ger und der Beklag­ten zu 1)

    Die Beru­fung des Klä­gers bleibt ohne Erfolg, soweit das Land­ge­richt die gegen die Beklag­te zu 1) gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen hat. Mit zutref­fen­den Erwä­gun­gen hat das Land­ge­richt der Kla­ge des­halb den Erfolg ver­sagt, weil der Klä­ger den ihm oblie­gen­den Beweis dafür, dass sich der in der Kla­ge­schrift beschrie­be­ne Unfall tat­säch­lich ereig­ne­te, nicht geführt hat.

    a) Das Pro­zess­pro­gramm des Zivil­pro­zes­ses wird durch den Streit­ge­gen­stand defi­niert, indem der Klä­ger die von ihm in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge aus einem tat­säch­li­chen Gesche­hen, dem sog. Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund), her­lei­tet, des­sen Ele­men­te auf der Ebe­ne des Rechts die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der anspruchs­be­grün­den­den Norm aus­fül­len (zum zwei­glied­ri­gen Streit­ge­gen­stands­be­griff vgl. BGHZ 154, 342, 348; 153, 173, 175; 117, 1, 5; BGH, Urt. v. 7.12.2000 – I ZR 146/98, GRUR 2001, 755, 756 – Tele­fon­kar­te; Prütting/Gehrlein/Prütting, ZPO, Ein­lei­tung Rdnr. 17 ff.). Nur der vom Klä­ger vor­ge­tra­ge­ne Lebens­sach­ver­halt bil­det den Streit­ge­gen­stand der Kla­ge, des­sen tat­säch­li­ches Vor­lie­gen der Klä­ger auch im Anwen­dungs­be­reich des § 7 StVG mit dem vol­len Beweis­maß des § 286 ZPO bewei­sen muss.

    Gemäß § 286 Abs. 1 ZPO hat das Gericht unter Berück­sich­ti­gung des gesam­ten Inhalts der Ver­hand­lun­gen und des Ergeb­nis­ses einer etwai­gen Beweis­auf­nah­me nach frei­er Über­zeu­gung zu ent­schei­den, ob eine tat­säch­li­che Behaup­tung für wahr oder nicht für wahr zu erach­ten ist. Die­ses Beweis­maß ist nicht bereits dann erreicht, wenn die zu bewei­sen­de Tat­sa­che hin­rei­chend plau­si­bel oder gar in einem natur­wis­sen­schaft­lich-mathe­ma­ti­schen Sinn „mit an Sicher­heit gren­zend“ über­wie­gend wahr­schein­lich ist. Viel­mehr muss der Rich­ter die vol­le Über­zeu­gung von der Wahr­heit der zu bewei­sen­den Tat­sa­che gewin­nen. Ande­rer­seits darf der Rich­ter nicht die abso­lu­te Wahr­heit zur Vor­aus­set­zung sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung machen (vgl. Kat­zen­mei­er ZZP 117, 195 f., 201 f.). Ent­schei­dend ist viel­mehr die sub­jek­ti­ve Über­zeu­gung des Rich­ters, die kei­ne abso­lu­te, über jeden denk­ba­ren Zwei­fel erha­be­ne Gewiss­heit ver­langt. Der Rich­ter darf und muss sich in tat­säch­lich zwei­fel­haf­ten Fäl­len mit einem für das prak­ti­sche Leben brauch­ba­ren Grad von Gewiss­heit begnü­gen, der den Zwei­feln Schwei­gen gebie­tet, ohne sie völ­lig aus­zu­schlie­ßen (BGHZ 53, 254, 256; 61, 165, 169 f.; Zöller/Greger, ZPO, 27. Aufl., § 286 Rdnr. 19; Prütting/Gehrlein/Prütting, aaO, § 286 Rdnr. 21).

    Ange­wandt auf die im vor­lie­gen­den Rechts­streit maß­geb­li­che Beweis­si­tua­ti­on eines strei­ti­gen Unfall­ge­sche­hens genügt der aus dem Unfall­ge­sche­hen Ansprü­che gel­tend machen­de Geschä­dig­te sei­ner Beweis­last noch nicht, wenn sich nach Durch­füh­rung der Beweis­auf­nah­me zwar Zwei­fel an Ort und Zeit des tat­säch­li­chen Gesche­hens erge­ben, gleich­zei­tig aller­dings Anhalts­punk­te dafür vor­han­den sein mögen, dass bei­de Fahr­zeu­ge even­tu­ell an ande­rer Stel­le unter nicht dar­ge­leg­ten Umstän­den mit­ein­an­der zusam­men­ge­sto­ßen sind. Die pro­zes­sua­le Dar­stel­lung des Lebens­sach­ver­halts darf sich nicht auf die iso­lier­te Beschrei­bung des Scha­dens­er­fol­ges beschrän­ken, solan­ge die wei­te­ren tat­säch­li­chen Umstän­de in ört­li­cher und zeit­li­cher Hin­sicht nicht inso­weit deter­mi­niert sind, dass alle zur Aus­fül­lung der Haf­tungs­norm rele­van­ten Tat­be­stands­merk­ma­le der Tat­sa­chen­grund­la­ge ein­deu­tig zuge­ord­net wer­den kön­nen (Senat, OLGR 2007, 351). Mit­hin ist auch der Beweis für das den Anspruch begrün­den­de Scha­dens­er­eig­nis erst dann erbracht, wenn das Gericht die vol­le Über­zeu­gung gewon­nen hat, dass sich der Unfall in der vom Klä­ger nach Ort und Zeit beschrie­be­nen Wei­se tat­säch­lich zutrug (Senat, OLGR 2009, 394).

    b) Aus­ge­hend von die­sen Rechts­grund­sät­zen ist das Land­ge­richt nach Durch­füh­rung der Beweis­auf­nah­me zu dem Ergeb­nis gelangt, dass nicht hint­an­zu­stel­len­de Zwei­fel an der Schil­de­rung des Klä­ger­vor­trags ver­blei­ben. An die­se tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen ist der Senat im Rah­men des ein­ge­schränk­ten Prü­fungs­maß­sta­bes des § 529 ZPO gebun­den, da die Tat­sa­chen­fest­stel­lung des Land­ge­richts frei von Ver­fah­rens­feh­lern getrof­fen wor­den ist und kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Tat­sa­chen­fest­stel­lung wecken.

    aa) Die Zwei­fel an der Glaub­haf­tig­keit der Aus­sa­ge der Zeu­gin R. und der Anga­ben der Beklag­ten zu 2) resul­tie­ren zunächst dar­aus, dass die Unfall­schil­de­run­gen bei­der Per­so­nen letzt­lich nicht plau­si­bel sind: Zwar erscheint es nicht erfah­rungs­wid­rig, dass die Beklag­te zu 2) ein seit­lich neben ihr fah­ren­des Fahr­zeug über­se­hen haben mag, wenn sie die Ein­fä­del­spur befuhr und vor dem Ein­ord­nen in die Vor­fahrt­stra­ße ledig­lich in den Rück­spie­gel blick­te. In einer sol­chen Unfall­si­tua­ti­on ist es jeden­falls an der vom Klä­ger benann­ten Unfal­lört­lich­keit (goog­le Bild­auf­nah­me GA I Bl. 106) dann aber schlech­ter­dings unver­ständ­lich, dass auch der auf der Vor­fahrt­stra­ße fah­ren­de Fah­rer das sich ein­fä­deln­de Fahr­zeug über­se­hen kann. Gera­de in die­sem Sin­ne hat sich jedoch die Zeu­gin R. geäu­ßert, die aus­ge­sagt hat, sie habe das ande­re Fahr­zeug über­haupt nicht kom­men sehen; sie habe viel­mehr plötz­lich einen „Knall“ gehört (des­sen Ent­ste­hung – wor­auf das Land­ge­richt mit Recht anmerkt – mit Blick auf die ein­ge­tre­te­nen Beschä­di­gung nicht plau­si­bel erscheint).

    bb) Kaum glaub­haft ist wei­ter­hin die Aus­sa­ge der Zeu­gin R., bei­de Fahr­zeu­ge wären nach dem Zusam­men­stoß an Ort und Stel­le ver­blie­ben: Die Beklag­te zu 2) habe rechts auf dem Beschleu­ni­gungs­strei­fen gestan­den; sie selbst habe auf dem rech­ten Fahr­strei­fen gestan­den. So sei­en die Fahr­zeu­ge bis zum Ein­tref­fen des Klä­gers ver­blie­ben. Ein sol­ches Ver­hal­ten hät­te den dort herr­schen­den, nicht uner­heb­li­chen Ver­kehr stark behin­dert. Den­noch will die Zeu­gin von einer Ver­kehrs­be­hin­de­rung nichts bemerkt haben. Hin­zu­kom­men die vom Land­ge­richt zutref­fend her­aus­ge­ar­bei­te­ten Unge­reimt­hei­ten hin­sicht­lich der von der Zeu­gin R. beschrie­be­nen Unfal­lend­stel­lun­gen bei­der Fahr­zeu­ge, die die Zeu­gin dazu ver­an­lass­ten, ihre Aus­sa­ge dahin­ge­hend anzu­pas­sen, die Beklag­te zu 2) habe das Fahr­zeug auf der Bei­fah­rer­sei­te ver­las­sen.

    cc) Die Glaub­haf­tig­keit wird auch dadurch her­ab­ge­setzt, dass die Unfall­be­tei­lig­ten kei­ner­lei Anstal­ten unter­nah­men, um die Unfall­si­tua­ti­on zu doku­men­tie­ren. Bei­de Frau­en hat­ten nach ihren Ein­las­sun­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt (GA I Bl. 88 ff.) Han­dys dabei, um ihre Ehe­män­ner zu infor­mie­ren. Den­noch wur­den an der Unfall­stel­le offen­sicht­lich kei­ner­lei Fotos von der Unfall­si­tua­ti­on gefer­tigt.

    dd) Soweit die Zeu­gin R. aus­ge­sagt hat, sie selbst habe der Beklag­ten zu 2) alle Anga­ben gemacht, erscheint auch die­se Aus­sa­ge ange­sichts der Sprach­schwie­rig­kei­ten nicht glaub­haft: Die Beklag­te zu 2) spricht nach ihrer eige­nen Aus­sa­ge kein Ita­lie­nisch; die Zeu­gin R. nach ihrer eige­nen Aus­sa­ge nicht rich­tig Deutsch. Des­sen unge­ach­tet will die Zeu­gin eine Ver­stän­di­gung über die Ver­si­che­rungs­num­mer her­bei­ge­führt haben und die Umstän­de erfah­ren haben, die eine Hin­zu­zie­hung der Poli­zei als nicht sach­dien­lich erschei­nen lie­ßen. Hin­zu­kommt, dass die Zeu­gin nach ihrer eige­nen Aus­sa­ge nicht etwa die Ver­si­che­rungs­num­mer der Beklag­ten zu 2) als eigent­li­che Unfall­ver­ur­sa­che­rin erfah­ren habe, son­dern sie ihrer­seits der Dame „alle Anga­ben, also Ver­si­che­rungs­num­mer usw.“ gemacht haben will.

    ee) Zwar ist der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Senat den aus der Zeu­gen­aus­sa­ge resul­tie­ren­den Beden­ken gegen die Glaub­wür­dig­keit der Aus­sa­ge mit der Behaup­tung ent­ge­gen­ge­tre­ten, die erfor­der­li­chen Anga­ben sei­en dem an die Unfall­stel­le gekom­me­nen Ehe­mann der Zeu­gin, dem Klä­ger, erteilt wor­den. Jedoch steht die­ser Vor­trag mit der pro­to­kol­lier­ten Aus­sa­ge der Zeu­gin R. nicht in Ein­klang: Die Zeu­gin hat in ihrer Ver­neh­mung aus­ge­sagt, sie selbst habe der Dame alle Anga­ben gemacht. Auch auf das Pro­blem der Sprach­schwie­rig­kei­ten ist die Zeu­gin ein­ge­gan­gen: Die Zeu­gin hat im sel­ben Aus­sa­ge­zu­sam­men­hang (GA I Bl. 95) ange­ge­ben, dass eine rich­ti­ge Ver­stän­di­gung mit der Dame nicht mög­lich gewe­sen sei, da sie selbst, die Zeu­gin R., nicht rich­tig Deutsch spre­che. Die­se Aus­sa­ge steht zum Vor­trag des Klä­ger­ver­tre­ters, wonach der Klä­ger die Scha­dens­ab­wick­lung an Ort und Stel­le vor­ge­nom­men habe, in offe­nem, unver­ein­ba­rem Wider­spruch, der nicht leicht­hin mit dem Hin­weis auf­ge­löst wer­den kann, die Zeu­gin sei ein­fach struk­tu­riert und habe noch nie vor einem Gericht gestan­den.

    ff) Eben­so wenig kön­nen die Zwei­fel an der Wahr­haf­tig­keit der klä­ge­ri­schen Unfall­schil­de­rung mit der Wer­tung aus­ge­räumt wer­den, dass kei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Mut­ter ihre klei­nen Kin­der vor­sätz­lich einer Gefahr aus­set­zen wür­de. Denn die­ses Argu­ment über­zeugt nur dann, wenn die Rich­tig­keit des klä­ge­ri­schen Sach­vor­trags zu den Umstän­den und dem Ablauf des Unfall­er­eig­nis­ses fest­stün­de. Davon kann indes nicht aus­ge­gan­gen wer­den.

    Zusam­men­fas­send ver­blei­ben vali­de Zwei­fel an der Unfall­schil­de­rung des Klä­gers: Da es mit Aus­nah­me der Unfall­schil­de­run­gen der Zeu­gin R. und den Anga­ben der Beklag­ten zu 2) kei­ner­lei objek­ti­ve, neu­tra­le Beweis­mit­tel gibt, die das behaup­te­te Unfall­ge­sche­hen bele­gen, sah sich das Land­ge­richt, ohne die Beweis­an­for­de­run­gen des § 286 Abs. 1 ZPO zu über­span­nen, auf­grund der auf­ge­zeig­ten Glaub­wür­dig­keits­de­fi­zi­te der Zeu­gen­aus­sa­ge dazu außer­stan­de, die vol­le Über­zeu­gung von der Wahr­haf­tig­keit der Unfall­schil­de­rung zu gewin­nen. Der Senat teilt die­se Ein­schät­zung.

    2. Zum Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen Klä­ger und der Beklag­ten zu 2)

    a) Die Beklag­te zu 2) hat das Unfall­er­eig­nis zuge­stan­den. Haft­pflicht­ver­si­che­rer und Ver­si­che­rungs­neh­mer sind als ein­fa­che Streit­ge­nos­sen zu betrach­ten, mit der Fol­ge, dass das Ver­fah­ren eines jeden Streit­ge­nos­sen getrennt zu beur­tei­len ist (BGHZ 63, 51, 53; Senat OLGR 2007, 351; Zöller/Vollkommer, ZPO, 27. Aufl., § 62 Rdnr. 8a mit wei­te­rem Nach­weis). Da die Pro­zess­füh­rung des einen Streit­ge­nos­sen durch die Pro­zess­füh­rung des ande­ren weder beein­träch­tigt noch begüns­tigt wer­den darf, ent­fie­le die Bin­dungs­wir­kung eines Geständ­nis­ses im Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Klä­ger und dem Zuge­ste­hen­den nur bei offen­kun­di­ger Unwahr­heit des Geständ­nis­ses sowie dann, wenn der Zuge­ste­hen­de betrü­ge­risch zum Nach­teil eines Drit­ten, im kon­kre­ten Fall: der Ver­si­che­rung, zusam­men­wirkt (OLGR Saar­brü­cken 2007, 351; Zöller/Greger, aaO., § 288 Rdnr. 7; Prütting/Gehrlein/Laumen, aaO, § 288 Rdnr. 8).

    Soweit das Land­ge­richt unter Anwen­dung die­ser Rechts­grund­sät­ze den Nach­weis für ein mani­pu­lier­tes Unfall­ge­sche­hen als geführt erach­tet hat, ver­mag die Ent­schei­dung nicht zu über­zeu­gen: Es erscheint beden­kens­wert, ob das Land­ge­richt hin­sicht­lich des mit dem Beweis­maß des § 286 Abs. 1 ZPO zu erbrin­gen­den, vol­len Nach­wei­ses des Mani­pu­la­ti­ons­vor­wur­fes ein zu gerin­ges Beweis­maß zugrun­de gelegt hat:

    aa) Von den für den Mani­pu­la­ti­ons­vor­wurf aner­kann­ten Indi­zi­en (aus der Rspr. vgl. nur Senat OLGR 2009, 394; 2007, 310; OLGR Cel­le 2007, 468; 2006, 273; KG OLGR 2008, 137; 2007, 265, 304; 2006, 526, 425) ist zum einen nach­ge­wie­sen, dass das Fahr­zeug des Klä­gers und die Art der Scha­dens­ab­rech­nung in das Mani­pu­la­ti­ons­sche­ma pas­sen: Das Fahr­zeug war rela­tiv kost­spie­lig und über­stieg jeden­falls die im Pro­zess offen­ge­leg­ten finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se des Klä­gers. Das Fahr­zeug war finan­ziert. Die Abrech­nung auf Gut­ach­ter­ba­sis ver­setz­te den Klä­ger dazu in die Lage, den noch nicht abge­zahl­ten Kre­dit zu til­gen. Über­dies weist der Beklag­ten­ver­tre­ter mit Recht dar­auf hin, dass trotz der hohen Repa­ra­tur­kos­ten kei­ne nen­nens­wer­te Sub­stanz­schä­di­gung am PKW des Klä­gers ein­ge­tre­ten war. Der Senat teilt die Auf­fas­sung der Beklag­ten zu 1), dass eine in tech­ni­scher Hin­sicht gleich­wer­ti­ge und in opti­scher Hin­sicht annehm­ba­re Repa­ra­tur der ent­stan­de­nen Schä­den durch­aus mit einem wesent­lich gerin­ge­ren Kos­ten­auf­wand mög­lich gewe­sen wäre. Auch die zeit­na­he Wei­ter­ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs wird in der Recht­spre­chung als Beweis­an­zei­chen für einen Mani­pu­la­ti­ons­vor­wurf gewer­tet. Aller­dings ist die Aus­sa­ge­kraft der Abrech­nung auf Gut­ach­ter­ba­sis und die Wei­ter­ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs nicht all­zu stark.

    bb) Die Unfall­be­tei­lig­ten ver­an­lass­ten kei­ne poli­zei­li­che Unfall­auf­nah­me: Zwar lag in Anbe­tracht der rela­tiv gering­fü­gi­gen Beschä­di­gun­gen und des Umstan­des, dass kei­ne Per­so­nen ver­letzt wur­den, die Benach­rich­ti­gung der Poli­zei im vor­lie­gen­den Fall nicht nahe. Auf­fal­lend ist jedoch, dass die Unfall­be­tei­lig­ten Per­so­nen auch sonst kei­ne Anstal­ten tra­fen, um den Unfall als sol­chen an der Unfall­stel­le zu doku­men­tie­ren.

    cc) Als wei­te­re Indi­zi­en sind die Glaub­wür­dig­keits­de­fi­zi­te bei der Unfall­schil­de­rung ein­zu­be­zie­hen.

    dd) Dem­ge­gen­über ist nicht posi­tiv bewie­sen, dass sich die Unfall­be­tei­lig­ten kann­ten: Die Zeu­gin B. hat eine enge Bekannt­schaft zwi­schen den Unfall­be­tei­lig­ten nicht bestä­tigt. Auch ist nicht vor­ge­tra­gen, dass die Unfall­be­tei­lig­ten oder ihre Ehe­män­ner vor dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Unfall in ver­gleich­ba­re Unfäl­le ver­strickt waren. Fer­ner waren am Kfz des Klä­gers kei­ne nach­ge­wie­se­nen Vor­schä­den vor­han­den. Schließ­lich ist nicht nach­ge­wie­sen, dass das behaup­te­te Scha­dens­bild am klä­ge­ri­schen Fahr­zeug nur durch eine bewuss­te Lenk­be­we­gung zum „Unfall­op­fer“ hin ent­ste­hen konn­te.

    b) Im Ergeb­nis kann die abschlie­ßen­de Bewer­tung des Beweis­er­geb­nis­ses zum Mani­pu­la­ti­ons­ein­wand unter­blei­ben, da bereits die Rechts­kraf­ter­stre­ckung des § 3 Nr. 8 PflVG in der bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung bzw. der inhalts­glei­chen Vor­schrift des § 124 Abs. 1 VVG eine Kla­ge­ab­wei­sung ver­langt. Dem Sach­ver­halt ist nicht zu ent­neh­men, wann der Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­ver­trag hin­sicht­lich des Beklag­ten­fahr­zeugs abge­schlos­sen wur­de. Folg­lich bleibt offen, ob der Scha­dens­fall nach Art. 1 Abs. 1 EGVVG nach neu­em oder altem Recht zu beur­tei­len ist. Da im hier inter­es­sie­ren­den Rege­lungs­zu­sam­men­hang mit der Reform des VVG kei­ne Ände­rung des mate­ri­el­len Rechts ein­her­ge­gan­gen ist, besitzt die Fra­ge nach der rich­ti­gen „Haus­num­mer“ der die Rechts­kraf­ter­stre­ckung regeln­den Norm kei­ne Rele­vanz.

    aa) Mit der die Kla­ge abwei­sen­den Ent­schei­dung im Ver­hält­nis zur Beklag­ten zu 1) wird zugleich fest­ge­stellt, dass dem Klä­ger gegen die Beklag­te zu 1) kein Ersatz­an­spruch zusteht. Die­se Fest­stel­lung, die in der Ter­mi­no­lo­gie des § 3 Nr. 8 PflVG a.F. /§ 124 Abs. 1 VVG zwi­schen dem Drit­ten, dem Geschä­dig­ten, und dem Ver­si­che­rer ergeht, wirkt nicht nur zuguns­ten des Ver­si­che­rungs­neh­mers. Denn die Bin­dungs­wir­kung des § 3 Nr. 8 PflVG a.F./§ 124 Abs. 1 VVG gilt über ihren Wort­laut hin­aus auch im Ver­hält­nis des mit­ver­si­cher­ten Fah­rers zum Ver­si­che­rer und umge­kehrt (BGHZ 96, 18, 22; aus der neue­ren Rspr.: OLGR Bran­den­burg 2009, 646; Prölss/Martin/Knappmann, VVG, 27. Aufl., § 3 Nr. 8 PflVG Rdnr. 1; Schwintowski/Brömmelmeyer, Pra­xis­kom­men­tar zum VVG, § 124 VVG Rdnr. 28; Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, Ver­si­che­rungs­hand­buch, 2. Aufl., § 24 Rdnr. 181; Feyock/Jacobsen/Lemor, Kfz-Ver­si­che­rung, 3. Aufl., § 124 VVG Rdnr. 2; Römer/Langheid, VVG, 2. Aufl., § 3 PflVG Rdnr. 31). Zwar wird in der Lit. die Auf­fas­sung ver­tre­ten, zu einer Rechts­kraf­ter­stre­ckung kom­me es nicht, wenn der Geschä­dig­te in der Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung zunächst nur den Len­ker – und dazu die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung, nicht aber den Hal­ter belan­ge (Schwintowski/Brömmelmeyer, aaO., Rdnr. 29).

    bb) Aller­dings ist die­se Rechts­mei­nung nicht dahin zu ver­ste­hen, dass ein kla­ge­wei­sen­des Urteil gegen den Ver­si­che­rer kei­ne Rechts­kraft im Ver­hält­nis zum Mit­ver­si­cher­ten ent­fal­ten kann. Viel­mehr will die Aus­sa­ge zur feh­len­den Rechts­kraf­ter­stre­ckung einer nicht gegen­über allen Soli­dar­schuld­nern ergan­ge­nen Ent­schei­dung ledig­lich ver­deut­li­chen, dass der Geschä­dig­te nicht dar­an gehin­dert ist, etwa nach rechts­kräf­ti­ger Abwei­sung sei­ner Kla­ge gegen den Hal­ter in einem neu­en Pro­zess nun­mehr den Fah­rer und – wegen des­sen Haf­tung – auch den Haft­pflicht­ver­si­che­rer in Anspruch zu neh­men (BGHZ 96, 18, 22; Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, aaO., § 24 Rdnr. 181; Feyock/Jacobsen/Lemor, aaO., § 124 VVG Rdnr. 4; Römer/Langheid, aaO, Rdnr. 32). Die­se Ein­schrän­kung kor­re­liert unmit­tel­bar mit all­ge­mei­nen Grund­sät­zen zum Umfang der mate­ri­el­len Rechts­kraft: Wird eine gegen den Hal­ter gerich­te­te Kla­ge in wirk­sa­mer Beschrän­kung des Streit­ge­gen­stan­des nur auf die Haf­tungs­tat­be­stän­de der Gefähr­dungs­haf­tung gestützt, so wäre der Geschä­dig­te nicht gehin­dert, nach einem kla­ge­ab­wei­sen­den Urteil den Hal­ter ohne Bin­dung an die mate­ri­el­le Rechts­kraft in einem neu­en Pro­zess unter Dar­le­gung eines auf die delik­ti­sche Haf­tung gestütz­ten Lebens­sach­ver­halts zu ver­kla­gen. Die­se Opti­on muss dem Geschä­dig­ten erst recht erhal­ten blei­ben, wenn die Haf­tungs­sys­te­me die Inan­spruch­nah­me per­so­nen­ver­schie­de­ner Schä­di­ger erlau­ben. Hier darf dem Geschä­dig­ten die Mög­lich­keit, etwa den Hal­ter des Fahr­zeugs auf Scha­dens­er­satz in Anspruch zu neh­men, nicht mit dem Hin­weis auf die Rechts­kraf­ter­stre­ckung eines gegen­über dem Fah­rer ergan­ge­nen kla­ge­ab­wei­sen­den Urteils abge­schnit­ten wer­den.

    Eben­so tritt eine Rechts­kraf­ter­stre­ckung nicht ein, wenn der Geschä­dig­te den Anspruch gegen einen Streit­ge­nos­sen auf eine Anspruchs­grund­la­ge stützt, die den Ver­si­che­rer nicht bin­det. Para­dig­ma­tisch ist an den Fall zu den­ken, dass ein Unfall­be­tei­lig­ter ein Schuld­an­er­kennt­nis abgibt, das kei­ne mate­ri­ell­recht­li­che Wir­kung hin­sicht­lich des Direkt­an­spruchs gegen­über dem Ver­si­che­rer ent­fal­tet. Hier wäre es dem Geschä­dig­ten nicht ver­wehrt, den Ver­si­cher­ten oder den Ver­si­che­rungs­neh­mer auch nach der rechts­kräf­ti­gen Abwei­sung des Direkt­an­spruchs aus dem Schuld­an­er­kennt­nis in Anspruch zu neh­men (OLGR Bran­den­burg 2009, 646).

    cc) Dem­ge­gen­über ste­hen die­se Rechts­grund­sät­ze einer aus § 3 Nr. 8 PflVG a.F./§ 124 Abs. 1 VVG her­zu­lei­ten­den Rechts­kraf­ter­stre­ckung eines gegen­über der Ver­si­che­rung ergan­ge­nen kla­ge­ab­wei­sen­den Urteils auf die Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen dem Geschä­dig­ten den dem Haf­tungs­sys­tem des StVG unter­lie­gen­den, ver­si­cher­ten Per­so­nen nicht ent­ge­gen: Hier ver­langt § 3 Nr. 8 PflVG a.F./§ 124 Abs. 1 VVG eine Rechts­kraf­ter­stre­ckung eines gegen­über der Ver­si­che­rung erstrit­te­nen Urteils gegen die wei­te­ren Scha­dens­er­satz­schuld­ner jeden­falls dann, wenn der Geschä­dig­te alle in Betracht kom­men­den Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen gegen den Ver­si­che­rer gel­tend gemacht hat (nach Prölss/Martin/Knappmann, aaO, Rdnr. 5 ist die umfas­sen­de Rechts­kraf­ter­stre­ckung die Regel). Hat der Geschä­dig­te den Ver­si­che­rer aller­dings nur wegen sei­ner gegen den Ver­si­cher­ten gerich­te­ten Ansprü­che im Wege des Direkt­an­spruchs ver­klagt, mag es ihm unbe­nom­men sein, in einem Fol­ge­pro­zess den Ver­si­che­rungs­neh­mer zu ver­kla­gen (Johann­sen, in: Bruck/Möller/Sieg, VVG, 8. Aufl., B 38).

    Stützt der Geschä­dig­te dem­ge­mäß sei­ne Direkt­kla­ge auf die Haf­tung des Ver­si­cher­ten, so tritt gegen­über dem Ver­si­cher­ten die Rechts­kraft­wir­kung des § 3 Nr. 8 PflVG a.F. /§ 124 Abs. 1 VVG ein (vgl. OLG Karls­ru­he, VersR 1991, 539). Nur das hier ver­tre­te­ne Ergeb­nis wird der gesetz­ge­be­ri­schen Inten­ti­on gerecht, die dar­in besteht, eine dop­pel­te Befas­sung der Gerich­te mit dem­sel­ben Haft­pflicht­an­spruch zu ver­mei­den (Schwintowski/Brömmelmeyer, aaO, § 124 Rdnr. 3). Dar­über hin­aus dient die Vor­schrift dem Schutz des Ver­si­che­rers, der nicht Gefahr lau­fen soll, trotz des für ihn güns­ti­gen Urteils im Fall der Ver­ur­tei­lung sei­nes Ver­si­che­rungs­neh­mers auf­grund sei­ner Zah­lungs­pflicht aus dem Deckungs­ver­hält­nis doch noch in Anspruch genom­men zu wer­den (BGH, Urt. v. 15.1.2008 – VI ZR 131/07, MDR 2008, 485).

    dd) Unter Beach­tung die­ser Rechts­grund­sät­ze lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer wirk­sa­men Rechts­kraf­ter­stre­ckung im vor­lie­gend zu ent­schei­den­den Rechts­streit vor: Der Klä­ger nimmt die Beklag­te zu 1) im Wege des Direkt­an­spruchs ersicht­lich unter allen denk­ba­ren recht­li­chen Aspek­ten auf Scha­dens­er­satz in Anspruch. Für eine Beschrän­kung des Kla­ge­grun­des bie­tet der Pro­zess­vor­trag kei­nen Anhalt. Eben­so wenig ist ersicht­lich, dass der Klä­ger die gegen die Beklag­te zu 2) gerich­te­te Kla­ge auf einen selbst­stän­di­gen recht­li­chen Aspekt stützt, der nur im Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zur Beklag­ten zu 2) eine mate­ri­ell­recht­li­che Wir­kung ent­fal­ten wür­de.

    ff) Schließ­lich steht es der Rechts­kraf­ter­stre­ckung nicht ent­ge­gen, dass der Haft­pflicht­ver­si­che­rer und die mit­ver­si­cher­te Fah­re­rin im vor­lie­gen­den Rechts­streit gleich­zei­tig in Anspruch genom­men wor­den sind und zum Zeit­punkt des Schlus­ses der münd­li­chen Ver­hand­lung eine rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung gegen­über der Beklag­ten zu 1) noch nicht vor­lag: Ist ein Rechts­mit­tel näm­lich nicht gege­ben (im zur Ent­schei­dung ste­hen­den Sach­ver­halt ist die Erwach­sen­heits­sum­me für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de nicht erreicht, die Revi­si­on war man­gels Vor­lie­gen der gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht zuzu­las­sen), kann auch sofort eine Kla­ge­ab­wei­sung gegen alle Gesamt­schuld­ner erfol­gen (vgl. BGHZ 71, 339; MDR 2008, 448; OLG Karls­ru­he, VersR 1991, 539; Prölss/Martin/Knappmann, aaO, Rdnr. 4; Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, aaO., § 24 Rdnr. 183; Schwintowski/Brömmelmeyer, aaO., § 124 Rdnr. 33).

    B.

    Die Kos­ten­ent­schei­dung beruht auf § 97 Abs. 1, § 101 Abs. 1 ZPO. Die Ent­schei­dung über die vor­läu­fi­ge Voll­streck­bar­keit folgt aus § 708 Nr. 10, § 713 ZPO. Die Revi­si­on war nicht zuzu­las­sen, da die Rechts­sa­che kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung besitzt und weder die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung noch die Fort­bil­dung des Rechts eine Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts erfor­dern (§ 543 Abs. 2 ZPO).

    OLG Saar­brü­cken Urteil vom 17.11.2009, 4 U 244/09 — 68

    Infor­ma­tio­nen:

       
       
       
       

      a. Unter­liegt die gegen den Haft­pflicht­ver­si­che­rer gerich­te­te Scha­dens­er­satz­kla­ge im Ver­kehrs­un­fall­pro­zess des­halb der Abwei­sung, weil der Klä­ger den ihm oblie­gen­den Beweis für das streit­ge­gen­ständ­li­che Unfall­ge­sche­hen nicht füh­ren kann, so steht auf­grund

       

      1 …

      (vdvka)  1. Die Beru­fung des Klä­gers gegen das Urteil des Land­ge­richts Saar­brü­cken vom 1. April 2009 ? 9 O 246/08 ? wird zurück­ge­wie­sen.

      2. Der Klä­ger trägt die Kos­ten des Beru­fungs­ver­fah­rens ein­schließ­lich der Kos­ten der Neben­in­ter­ven­ti­on.

      3. Das Urteil ist vor­läu­fig voll­streck­bar.

      4. Die Revi­si­on wird nicht zuge­las­sen.

      Grün­de

      I.

      Im vor­lie­gen­den Rechts­streit nimmt der Klä­ger die Beklag­te zu 1) als Haft­pflicht­ver­si­che­rer und die Beklag­te zu 2) als Fah­re­rin des Fahr­zeugs der Mar­ke Volks­wa­gen, Golf IV mit dem amt­li­chen Kenn­zei­chen XX-…-… auf Scha­dens­er­satz in Anspruch.

      Der Klä­ger hat behaup­tet, er sei Eigen­tü­mer des Fahr­zeugs Mer­ce­des-Benz E 270 CDI Avant­gar­de mit dem amt­li­chen Kenn­zei­chen AA-?-? gewe­sen. Am 29.4.2008 habe die Zeu­gin R. gegen 21:30 Uhr mit die­sem Fahr­zeug die B. Stra­ße aus Rich­tung H. in Rich­tung B. befah­ren. Die Beklag­te zu 2) sei mit dem Volks­wa­gen unter Miss­ach­tung der Vor­fahrt der Zeu­gin R. von dem Beschleu­ni­gungs­strei­fen aus Rich­tung K. kom­mend nach links in die Vor­fahrt­stra­ße ein­ge­bo­gen und gegen die rech­te Sei­te des Pkws des Klä­gers gesto­ßen. Infol­ge­des­sen sei dem Klä­ger ein Scha­den in Höhe von ins­ge­samt 11.118,24 EUR ent­stan­den, hin­sicht­lich des­sen Ein­zel­hei­ten auf die Kla­ge­schrift ver­wie­sen wird (GA I Bl. 4 ff.).

      Der Klä­ger hat (zuletzt) bean­tragt, die Beklag­ten als Gesamt­schuld­ner zu ver­ur­tei­len,

      1. an den Klä­ger 10.334,27 EUR nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz aus 8.596,27 EUR seit dem 21.5.2008 und aus wei­te­ren 1.738 EUR, und zwar die Beklag­te zu 1) seit dem 15.9.2008 und die Beklag­te zu 2) seit dem 13.9.2008, zu zah­len;

      2. an den Sach­ver­stän­di­gen K.-H. L., , zur Gut­ach­ten­num­mer ~…1 einen Betrag von 783,97 EUR nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz seit dem 21.5.2008 zu zah­len;

      3. den Klä­ger von Gebüh­ren­an­sprü­chen des Rechts­an­walts V. K. in Höhe von 837,52 EUR frei­zu­stel­len.

      Die Beklag­te zu 1) hat ? zugleich als Streit­hel­fe­rin der Beklag­ten zu 2) ? bean­tragt, die Kla­ge abzu­wei­sen.

      Die Beklag­te zu 1) hat bestrit­ten, dass es über­haupt zu dem behaup­te­ten Unfall­ge­sche­hen an Ort und Stel­le zur ange­ge­be­nen Zeit gekom­men sei. Ins­be­son­de­re hat die Beklag­te zu 1) bestrit­ten, dass der Unfall ohne bezie­hungs­wei­se gegen den Wil­len der Betei­lig­ten gesche­hen sei. Für eine Unfall­ma­ni­pu­la­ti­on spre­che ins­be­son­de­re das an bei­den Fahr­zeu­gen ent­stan­de­nen Scha­dens­bild: Unstrei­tig fan­den sich an bei­den Kraft­fahr­zeu­gen ledig­lich ober­fläch­li­che Streif­be­schä­di­gun­gen. Die­ses Scha­dens­bild habe ? so die die Auf­fas­sung der Beklag­ten zu 1) ? den Vor­teil, dass die Scha­dens­be­sei­ti­gung mit einem Bruch­teil des Auf­wan­des mög­lich sei, den ein Kfz-Sach­ver­stän­di­ger für eine fach­ge­rech­te Repa­ra­tur für erfor­der­lich erach­te. In Anbe­tracht der Ört­lich­keit sei es bei auch nur gerings­ter Auf­merk­sam­keit aus­ge­schlos­sen, beim Ein­bie­gen auf die bevor­rech­tig­te J. Stra­ße den vor­fahrts­be­rech­tig­ten Ver­kehr ein­fach zu über­se­hen, wie dies der Beklag­ten zu 2) angeb­lich unter­lau­fen sei. Eine Kol­li­si­on wäre ohne wei­te­res ver­meid­bar gewe­sen, wenn ent­we­der der Mer­ce­des des Klä­gers leicht nach links bezie­hungs­wei­se der Golf der Beklag­ten zu 2) leicht nach rechts gezo­gen wor­den wäre. Es spre­che alles dafür, dass sich die Betei­lig­ten vor dem Unfall­er­eig­nis bes­tens gekannt hät­ten.

      Die Beklag­te zu 2) hat vor­ge­tra­gen, die Ver­mu­tung der Beklag­ten zu 1), wonach es sich um einen mani­pu­lier­ten Ver­kehrs­un­fall han­de­le, sei unzu­tref­fend. Die Unfall­be­tei­lig­ten hät­ten sich vor dem Unfall­er­eig­nis nie gese­hen. Die Beklag­te zu 2) habe aus ihrem Fahr­zeug her­aus die Situa­ti­on falsch ein­ge­schätzt und einen zum Unfall füh­ren­den Feh­ler began­gen.

      Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Auf den Inhalt der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung wird auch hin­sicht­lich der dar­in ent­hal­te­nen Fest­stel­lun­gen gem. § 540 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 ZPO Bezug genom­men.

      Mit sei­ner hier­ge­gen gerich­te­ten Beru­fung ver­folgt der Klä­ger sein erst­in­stanz­li­ches Kla­ge­be­geh­ren in vol­lem Umfang wei­ter. Er wen­det sich gegen die Beweis­wür­di­gung des Land­ge­richts und ver­tritt die Auf­fas­sung, das Land­ge­richt sei auf­grund einer feh­ler­haf­ten Beweis­wür­di­gung zu dem Ergeb­nis gelangt, dass der Klä­ger den ihm oblie­gen­den Beweis dafür, dass sich der in der Kla­ge­schrift beschrie­be­ne Unfall tat­säch­lich ereig­net habe, nicht geführt habe. Der Auf­fas­sung des Land­ge­richts, die Aus­sa­ge der Zeu­gin R. sei nicht glaub­haft, kön­ne nicht gefolgt wer­den. Die Zeu­gin sei ita­lie­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge und spre­che kein Deutsch. Sie sei zum ers­ten Mal in einen Ver­kehrs­un­fall ver­wi­ckelt gewe­sen und habe den Unfall so geschil­dert, wie sie ihn noch in Erin­ne­rung gehabt habe. Ihre gan­ze Sor­ge habe nach dem Unfall ihren bei­den Kin­dern gegol­ten. Sowohl die Zeu­gin als auch die Beklag­te zu 2) hät­ten die Unfal­lört­lich­keit genau bezeich­net. Auf­grund der genau­en Anga­ben von Ort und Zeit bestün­den kei­ne Zwei­fel dar­an, dass sich der Unfall zu der ange­ge­be­nen Zeit tat­säch­lich ereig­net habe.

      Wei­ter­hin lägen auch die Vor­aus­set­zun­gen eines sog. gestell­ten Unfal­les nicht vor. Weder ken­ne der Klä­ger die Beklag­te zu 2), noch deren Ehe­mann. Die Zeu­gin habe die Beklag­te zu 2) vor dem Unfall nie gese­hen. Es stel­le sich von daher die Fra­ge, wann der Unfall bei wel­cher Gele­gen­heit und wie ver­ab­re­det wor­den sei.

      Der Klä­ger bean­tragt,

      unter Abän­de­rung des Urteils des Land­ge­richts Saar­brü­cken vom 1.4.2009 ? 9 O 246/08 ? nach Maß­ga­be der erst­in­stanz­li­chen Anträ­ge zu ent­schei­den.

      Die Beklag­te bean­tragt ? zugleich als Streit­hel­fe­rin zu 2) ?,

      die Beru­fung des Klä­gers zurück­zu­wei­sen.

      Die Beklag­te zu 1) ver­tei­digt die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung und ver­tieft sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Auch die Beklag­te zu 2) wen­det sich gegen die erst­in­stanz­li­che Beweis­wür­di­gung und bekräf­tigt ihr Vor­brin­gen, wonach der Unfall nicht abge­spro­chen gewe­sen sei. Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den Inhalt der Beru­fungs­be­grün­dung vom 14.7.2009 (GA II Bl. 188 ff.) und auf die Beru­fungs­er­wi­de­rung vom 17.8.2009 (GA II Bl. 195 ff.) Bezug genom­men. Hin­sicht­lich des Ergeb­nis­ses der münd­li­chen Ver­hand­lung wird auf das Pro­to­koll (GA II Bl. 212 ff.) ver­wie­sen.

      II.

      A.

      Die zuläs­si­ge Beru­fung des Klä­gers ist nicht begrün­det, da die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung im Ergeb­nis nicht auf einem Rechts­feh­ler beruht, noch die nach § 529 ZPO zugrun­de zu legen­den Tat­sa­chen eine ande­re Ent­schei­dung recht­fer­ti­gen (§ 513 Abs. 1 ZPO).

      Die gegen die Beklag­te zu 1) gerich­te­te Kla­ge unter­liegt des­halb der Abwei­sung, weil das Land­ge­richt in rechts- und ver­fah­rens­feh­ler­frei­er Wei­se, mit­hin gem. § 529 ZPO für den Senat bin­dend, fest­ge­stellt hat, dass der Klä­ger den ihm oblie­gen­den vol­len Beweis dafür, dass sich der Unfall auf die von ihm geschil­der­te, im Tat­be­stand beschrie­be­ne Wei­se, zur ange­ge­be­nen Uhr­zeit und Ört­lich­keit ereig­ne­te, nicht erbracht hat (1.). Auf­grund Rechts­kraf­ter­stre­ckung muss­te mit der sogleich ein­tre­ten­den Rechts­kraft der im Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Klä­ger und der Beklag­ten zu 1) ergan­ge­nen Ent­schei­dung auch die gegen die Beklag­te zu 2) gerich­te­te Kla­ge der Abwei­sung unter­lie­gen (2.).

      1. Zum Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen Klä­ger und der Beklag­ten zu 1)

      Die Beru­fung des Klä­gers bleibt ohne Erfolg, soweit das Land­ge­richt die gegen die Beklag­te zu 1) gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen hat. Mit zutref­fen­den Erwä­gun­gen hat das Land­ge­richt der Kla­ge des­halb den Erfolg ver­sagt, weil der Klä­ger den ihm oblie­gen­den Beweis dafür, dass sich der in der Kla­ge­schrift beschrie­be­ne Unfall tat­säch­lich ereig­ne­te, nicht geführt hat.

      a) Das Pro­zess­pro­gramm des Zivil­pro­zes­ses wird durch den Streit­ge­gen­stand defi­niert, indem der Klä­ger die von ihm in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge aus einem tat­säch­li­chen Gesche­hen, dem sog. Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund), her­lei­tet, des­sen Ele­men­te auf der Ebe­ne des Rechts die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der anspruchs­be­grün­den­den Norm aus­fül­len (zum zwei­glied­ri­gen Streit­ge­gen­stands­be­griff vgl. BGHZ 154, 342, 348; 153, 173, 175; 117, 1, 5; BGH, Urt. v. 7.12.2000 ? I ZR 146/98, GRUR 2001, 755, 756 ? Tele­fon­kar­te; Prütting/Gehrlein/Prütting, ZPO, Ein­lei­tung Rdnr. 17 ff.). Nur der vom Klä­ger vor­ge­tra­ge­ne Lebens­sach­ver­halt bil­det den Streit­ge­gen­stand der Kla­ge, des­sen tat­säch­li­ches Vor­lie­gen der Klä­ger auch im Anwen­dungs­be­reich des § 7 StVG mit dem vol­len Beweis­maß des § 286 ZPO bewei­sen muss.

      Gemäß § 286 Abs. 1 ZPO hat das Gericht unter Berück­sich­ti­gung des gesam­ten Inhalts der Ver­hand­lun­gen und des Ergeb­nis­ses einer etwai­gen Beweis­auf­nah­me nach frei­er Über­zeu­gung zu ent­schei­den, ob eine tat­säch­li­che Behaup­tung für wahr oder nicht für wahr zu erach­ten ist. Die­ses Beweis­maß ist nicht bereits dann erreicht, wenn die zu bewei­sen­de Tat­sa­che hin­rei­chend plau­si­bel oder gar in einem natur­wis­sen­schaft­lich-mathe­ma­ti­schen Sinn ?mit an Sicher­heit gren­zend? über­wie­gend wahr­schein­lich ist. Viel­mehr muss der Rich­ter die vol­le Über­zeu­gung von der Wahr­heit der zu bewei­sen­den Tat­sa­che gewin­nen. Ande­rer­seits darf der Rich­ter nicht die abso­lu­te Wahr­heit zur Vor­aus­set­zung sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung machen (vgl. Kat­zen­mei­er ZZP 117, 195 f., 201 f.). Ent­schei­dend ist viel­mehr die sub­jek­ti­ve Über­zeu­gung des Rich­ters, die kei­ne abso­lu­te, über jeden denk­ba­ren Zwei­fel erha­be­ne Gewiss­heit ver­langt. Der Rich­ter darf und muss sich in tat­säch­lich zwei­fel­haf­ten Fäl­len mit einem für das prak­ti­sche Leben brauch­ba­ren Grad von Gewiss­heit begnü­gen, der den Zwei­feln Schwei­gen gebie­tet, ohne sie völ­lig aus­zu­schlie­ßen (BGHZ 53, 254, 256; 61, 165, 169 f.; Zöller/Greger, ZPO, 27. Aufl., § 286 Rdnr. 19; Prütting/Gehrlein/Prütting, aaO, § 286 Rdnr. 21).

      Ange­wandt auf die im vor­lie­gen­den Rechts­streit maß­geb­li­che Beweis­si­tua­ti­on eines strei­ti­gen Unfall­ge­sche­hens genügt der aus dem Unfall­ge­sche­hen Ansprü­che gel­tend machen­de Geschä­dig­te sei­ner Beweis­last noch nicht, wenn sich nach Durch­füh­rung der Beweis­auf­nah­me zwar Zwei­fel an Ort und Zeit des tat­säch­li­chen Gesche­hens erge­ben, gleich­zei­tig aller­dings Anhalts­punk­te dafür vor­han­den sein mögen, dass bei­de Fahr­zeu­ge even­tu­ell an ande­rer Stel­le unter nicht dar­ge­leg­ten Umstän­den mit­ein­an­der zusam­men­ge­sto­ßen sind. Die pro­zes­sua­le Dar­stel­lung des Lebens­sach­ver­halts darf sich nicht auf die iso­lier­te Beschrei­bung des Scha­dens­er­fol­ges beschrän­ken, solan­ge die wei­te­ren tat­säch­li­chen Umstän­de in ört­li­cher und zeit­li­cher Hin­sicht nicht inso­weit deter­mi­niert sind, dass alle zur Aus­fül­lung der Haf­tungs­norm rele­van­ten Tat­be­stands­merk­ma­le der Tat­sa­chen­grund­la­ge ein­deu­tig zuge­ord­net wer­den kön­nen (Senat, OLGR 2007, 351). Mit­hin ist auch der Beweis für das den Anspruch begrün­den­de Scha­dens­er­eig­nis erst dann erbracht, wenn das Gericht die vol­le Über­zeu­gung gewon­nen hat, dass sich der Unfall in der vom Klä­ger nach Ort und Zeit beschrie­be­nen Wei­se tat­säch­lich zutrug (Senat, OLGR 2009, 394).

      b) Aus­ge­hend von die­sen Rechts­grund­sät­zen ist das Land­ge­richt nach Durch­füh­rung der Beweis­auf­nah­me zu dem Ergeb­nis gelangt, dass nicht hint­an­zu­stel­len­de Zwei­fel an der Schil­de­rung des Klä­ger­vor­trags ver­blei­ben. An die­se tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen ist der Senat im Rah­men des ein­ge­schränk­ten Prü­fungs­maß­sta­bes des § 529 ZPO gebun­den, da die Tat­sa­chen­fest­stel­lung des Land­ge­richts frei von Ver­fah­rens­feh­lern getrof­fen wor­den ist und kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Tat­sa­chen­fest­stel­lung wecken.

      aa) Die Zwei­fel an der Glaub­haf­tig­keit der Aus­sa­ge der Zeu­gin R. und der Anga­ben der Beklag­ten zu 2) resul­tie­ren zunächst dar­aus, dass die Unfall­schil­de­run­gen bei­der Per­so­nen letzt­lich nicht plau­si­bel sind: Zwar erscheint es nicht erfah­rungs­wid­rig, dass die Beklag­te zu 2) ein seit­lich neben ihr fah­ren­des Fahr­zeug über­se­hen haben mag, wenn sie die Ein­fä­del­spur befuhr und vor dem Ein­ord­nen in die Vor­fahrt­stra­ße ledig­lich in den Rück­spie­gel blick­te. In einer sol­chen Unfall­si­tua­ti­on ist es jeden­falls an der vom Klä­ger benann­ten Unfal­lört­lich­keit (goog­le Bild­auf­nah­me GA I Bl. 106) dann aber schlech­ter­dings unver­ständ­lich, dass auch der auf der Vor­fahrt­stra­ße fah­ren­de Fah­rer das sich ein­fä­deln­de Fahr­zeug über­se­hen kann. Gera­de in die­sem Sin­ne hat sich jedoch die Zeu­gin R. geäu­ßert, die aus­ge­sagt hat, sie habe das ande­re Fahr­zeug über­haupt nicht kom­men sehen; sie habe viel­mehr plötz­lich einen ?Knall? gehört (des­sen Ent­ste­hung ? wor­auf das Land­ge­richt mit Recht anmerkt ? mit Blick auf die ein­ge­tre­te­nen Beschä­di­gung nicht plau­si­bel erscheint).

      bb) Kaum glaub­haft ist wei­ter­hin die Aus­sa­ge der Zeu­gin R., bei­de Fahr­zeu­ge wären nach dem Zusam­men­stoß an Ort und Stel­le ver­blie­ben: Die Beklag­te zu 2) habe rechts auf dem Beschleu­ni­gungs­strei­fen gestan­den; sie selbst habe auf dem rech­ten Fahr­strei­fen gestan­den. So sei­en die Fahr­zeu­ge bis zum Ein­tref­fen des Klä­gers ver­blie­ben. Ein sol­ches Ver­hal­ten hät­te den dort herr­schen­den, nicht uner­heb­li­chen Ver­kehr stark behin­dert. Den­noch will die Zeu­gin von einer Ver­kehrs­be­hin­de­rung nichts bemerkt haben. Hin­zu­kom­men die vom Land­ge­richt zutref­fend her­aus­ge­ar­bei­te­ten Unge­reimt­hei­ten hin­sicht­lich der von der Zeu­gin R. beschrie­be­nen Unfal­lend­stel­lun­gen bei­der Fahr­zeu­ge, die die Zeu­gin dazu ver­an­lass­ten, ihre Aus­sa­ge dahin­ge­hend anzu­pas­sen, die Beklag­te zu 2) habe das Fahr­zeug auf der Bei­fah­rer­sei­te ver­las­sen.

      cc) Die Glaub­haf­tig­keit wird auch dadurch her­ab­ge­setzt, dass die Unfall­be­tei­lig­ten kei­ner­lei Anstal­ten unter­nah­men, um die Unfall­si­tua­ti­on zu doku­men­tie­ren. Bei­de Frau­en hat­ten nach ihren Ein­las­sun­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt (GA I Bl. 88 ff.) Han­dys dabei, um ihre Ehe­män­ner zu infor­mie­ren. Den­noch wur­den an der Unfall­stel­le offen­sicht­lich kei­ner­lei Fotos von der Unfall­si­tua­ti­on gefer­tigt.

      dd) Soweit die Zeu­gin R. aus­ge­sagt hat, sie selbst habe der Beklag­ten zu 2) alle Anga­ben gemacht, erscheint auch die­se Aus­sa­ge ange­sichts der Sprach­schwie­rig­kei­ten nicht glaub­haft: Die Beklag­te zu 2) spricht nach ihrer eige­nen Aus­sa­ge kein Ita­lie­nisch; die Zeu­gin R. nach ihrer eige­nen Aus­sa­ge nicht rich­tig Deutsch. Des­sen unge­ach­tet will die Zeu­gin eine Ver­stän­di­gung über die Ver­si­che­rungs­num­mer her­bei­ge­führt haben und die Umstän­de erfah­ren haben, die eine Hin­zu­zie­hung der Poli­zei als nicht sach­dien­lich erschei­nen lie­ßen. Hin­zu­kommt, dass die Zeu­gin nach ihrer eige­nen Aus­sa­ge nicht etwa die Ver­si­che­rungs­num­mer der Beklag­ten zu 2) als eigent­li­che Unfall­ver­ur­sa­che­rin erfah­ren habe, son­dern sie ihrer­seits der Dame ?alle Anga­ben, also Ver­si­che­rungs­num­mer usw.? gemacht haben will.

      ee) Zwar ist der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Senat den aus der Zeu­gen­aus­sa­ge resul­tie­ren­den Beden­ken gegen die Glaub­wür­dig­keit der Aus­sa­ge mit der Behaup­tung ent­ge­gen­ge­tre­ten, die erfor­der­li­chen Anga­ben sei­en dem an die Unfall­stel­le gekom­me­nen Ehe­mann der Zeu­gin, dem Klä­ger, erteilt wor­den. Jedoch steht die­ser Vor­trag mit der pro­to­kol­lier­ten Aus­sa­ge der Zeu­gin R. nicht in Ein­klang: Die Zeu­gin hat in ihrer Ver­neh­mung aus­ge­sagt, sie selbst habe der Dame alle Anga­ben gemacht. Auch auf das Pro­blem der Sprach­schwie­rig­kei­ten ist die Zeu­gin ein­ge­gan­gen: Die Zeu­gin hat im sel­ben Aus­sa­ge­zu­sam­men­hang (GA I Bl. 95) ange­ge­ben, dass eine rich­ti­ge Ver­stän­di­gung mit der Dame nicht mög­lich gewe­sen sei, da sie selbst, die Zeu­gin R., nicht rich­tig Deutsch spre­che. Die­se Aus­sa­ge steht zum Vor­trag des Klä­ger­ver­tre­ters, wonach der Klä­ger die Scha­dens­ab­wick­lung an Ort und Stel­le vor­ge­nom­men habe, in offe­nem, unver­ein­ba­rem Wider­spruch, der nicht leicht­hin mit dem Hin­weis auf­ge­löst wer­den kann, die Zeu­gin sei ein­fach struk­tu­riert und habe noch nie vor einem Gericht gestan­den.

      ff) Eben­so wenig kön­nen die Zwei­fel an der Wahr­haf­tig­keit der klä­ge­ri­schen Unfall­schil­de­rung mit der Wer­tung aus­ge­räumt wer­den, dass kei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Mut­ter ihre klei­nen Kin­der vor­sätz­lich einer Gefahr aus­set­zen wür­de. Denn die­ses Argu­ment über­zeugt nur dann, wenn die Rich­tig­keit des klä­ge­ri­schen Sach­vor­trags zu den Umstän­den und dem Ablauf des Unfall­er­eig­nis­ses fest­stün­de. Davon kann indes nicht aus­ge­gan­gen wer­den.

      Zusam­men­fas­send ver­blei­ben vali­de Zwei­fel an der Unfall­schil­de­rung des Klä­gers: Da es mit Aus­nah­me der Unfall­schil­de­run­gen der Zeu­gin R. und den Anga­ben der Beklag­ten zu 2) kei­ner­lei objek­ti­ve, neu­tra­le Beweis­mit­tel gibt, die das behaup­te­te Unfall­ge­sche­hen bele­gen, sah sich das Land­ge­richt, ohne die Beweis­an­for­de­run­gen des § 286 Abs. 1 ZPO zu über­span­nen, auf­grund der auf­ge­zeig­ten Glaub­wür­dig­keits­de­fi­zi­te der Zeu­gen­aus­sa­ge dazu außer­stan­de, die vol­le Über­zeu­gung von der Wahr­haf­tig­keit der Unfall­schil­de­rung zu gewin­nen. Der Senat teilt die­se Ein­schät­zung.

      2. Zum Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen Klä­ger und der Beklag­ten zu 2)

      a) Die Beklag­te zu 2) hat das Unfall­er­eig­nis zuge­stan­den. Haft­pflicht­ver­si­che­rer und Ver­si­che­rungs­neh­mer sind als ein­fa­che Streit­ge­nos­sen zu betrach­ten, mit der Fol­ge, dass das Ver­fah­ren eines jeden Streit­ge­nos­sen getrennt zu beur­tei­len ist (BGHZ 63, 51, 53; Senat OLGR 2007, 351; Zöller/Vollkommer, ZPO, 27. Aufl., § 62 Rdnr. 8a mit wei­te­rem Nach­weis). Da die Pro­zess­füh­rung des einen Streit­ge­nos­sen durch die Pro­zess­füh­rung des ande­ren weder beein­träch­tigt noch begüns­tigt wer­den darf, ent­fie­le die Bin­dungs­wir­kung eines Geständ­nis­ses im Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Klä­ger und dem Zuge­ste­hen­den nur bei offen­kun­di­ger Unwahr­heit des Geständ­nis­ses sowie dann, wenn der Zuge­ste­hen­de betrü­ge­risch zum Nach­teil eines Drit­ten, im kon­kre­ten Fall: der Ver­si­che­rung, zusam­men­wirkt (OLGR Saar­brü­cken 2007, 351; Zöller/Greger, aaO., § 288 Rdnr. 7; Prütting/Gehrlein/Laumen, aaO, § 288 Rdnr. 8).

      Soweit das Land­ge­richt unter Anwen­dung die­ser Rechts­grund­sät­ze den Nach­weis für ein mani­pu­lier­tes Unfall­ge­sche­hen als geführt erach­tet hat, ver­mag die Ent­schei­dung nicht zu über­zeu­gen: Es erscheint beden­kens­wert, ob das Land­ge­richt hin­sicht­lich des mit dem Beweis­maß des § 286 Abs. 1 ZPO zu erbrin­gen­den, vol­len Nach­wei­ses des Mani­pu­la­ti­ons­vor­wur­fes ein zu gerin­ges Beweis­maß zugrun­de gelegt hat:

      aa) Von den für den Mani­pu­la­ti­ons­vor­wurf aner­kann­ten Indi­zi­en (aus der Rspr. vgl. nur Senat OLGR 2009, 394; 2007, 310; OLGR Cel­le 2007, 468; 2006, 273; KG OLGR 2008, 137; 2007, 265, 304; 2006, 526, 425) ist zum einen nach­ge­wie­sen, dass das Fahr­zeug des Klä­gers und die Art der Scha­dens­ab­rech­nung in das Mani­pu­la­ti­ons­sche­ma pas­sen: Das Fahr­zeug war rela­tiv kost­spie­lig und über­stieg jeden­falls die im Pro­zess offen­ge­leg­ten finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se des Klä­gers. Das Fahr­zeug war finan­ziert. Die Abrech­nung auf Gut­ach­ter­ba­sis ver­setz­te den Klä­ger dazu in die Lage, den noch nicht abge­zahl­ten Kre­dit zu til­gen. Über­dies weist der Beklag­ten­ver­tre­ter mit Recht dar­auf hin, dass trotz der hohen Repa­ra­tur­kos­ten kei­ne nen­nens­wer­te Sub­stanz­schä­di­gung am PKW des Klä­gers ein­ge­tre­ten war. Der Senat teilt die Auf­fas­sung der Beklag­ten zu 1), dass eine in tech­ni­scher Hin­sicht gleich­wer­ti­ge und in opti­scher Hin­sicht annehm­ba­re Repa­ra­tur der ent­stan­de­nen Schä­den durch­aus mit einem wesent­lich gerin­ge­ren Kos­ten­auf­wand mög­lich gewe­sen wäre. Auch die zeit­na­he Wei­ter­ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs wird in der Recht­spre­chung als Beweis­an­zei­chen für einen Mani­pu­la­ti­ons­vor­wurf gewer­tet. Aller­dings ist die Aus­sa­ge­kraft der Abrech­nung auf Gut­ach­ter­ba­sis und die Wei­ter­ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs nicht all­zu stark.

      bb) Die Unfall­be­tei­lig­ten ver­an­lass­ten kei­ne poli­zei­li­che Unfall­auf­nah­me: Zwar lag in Anbe­tracht der rela­tiv gering­fü­gi­gen Beschä­di­gun­gen und des Umstan­des, dass kei­ne Per­so­nen ver­letzt wur­den, die Benach­rich­ti­gung der Poli­zei im vor­lie­gen­den Fall nicht nahe. Auf­fal­lend ist jedoch, dass die Unfall­be­tei­lig­ten Per­so­nen auch sonst kei­ne Anstal­ten tra­fen, um den Unfall als sol­chen an der Unfall­stel­le zu doku­men­tie­ren.

      cc) Als wei­te­re Indi­zi­en sind die Glaub­wür­dig­keits­de­fi­zi­te bei der Unfall­schil­de­rung ein­zu­be­zie­hen.

      dd) Dem­ge­gen­über ist nicht posi­tiv bewie­sen, dass sich die Unfall­be­tei­lig­ten kann­ten: Die Zeu­gin B. hat eine enge Bekannt­schaft zwi­schen den Unfall­be­tei­lig­ten nicht bestä­tigt. Auch ist nicht vor­ge­tra­gen, dass die Unfall­be­tei­lig­ten oder ihre Ehe­män­ner vor dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Unfall in ver­gleich­ba­re Unfäl­le ver­strickt waren. Fer­ner waren am Kfz des Klä­gers kei­ne nach­ge­wie­se­nen Vor­schä­den vor­han­den. Schließ­lich ist nicht nach­ge­wie­sen, dass das behaup­te­te Scha­dens­bild am klä­ge­ri­schen Fahr­zeug nur durch eine bewuss­te Lenk­be­we­gung zum ?Unfall­op­fer? hin ent­ste­hen konn­te.

      b) Im Ergeb­nis kann die abschlie­ßen­de Bewer­tung des Beweis­er­geb­nis­ses zum Mani­pu­la­ti­ons­ein­wand unter­blei­ben, da bereits die Rechts­kraf­ter­stre­ckung des § 3 Nr. 8 PflVG in der bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung bzw. der inhalts­glei­chen Vor­schrift des § 124 Abs. 1 VVG eine Kla­ge­ab­wei­sung ver­langt. Dem Sach­ver­halt ist nicht zu ent­neh­men, wann der Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­ver­trag hin­sicht­lich des Beklag­ten­fahr­zeugs abge­schlos­sen wur­de. Folg­lich bleibt offen, ob der Scha­dens­fall nach Art. 1 Abs. 1 EGVVG nach neu­em oder altem Recht zu beur­tei­len ist. Da im hier inter­es­sie­ren­den Rege­lungs­zu­sam­men­hang mit der Reform des VVG kei­ne Ände­rung des mate­ri­el­len Rechts ein­her­ge­gan­gen ist, besitzt die Fra­ge nach der rich­ti­gen ?Haus­num­mer? der die Rechts­kraf­ter­stre­ckung regeln­den Norm kei­ne Rele­vanz.

      aa) Mit der die Kla­ge abwei­sen­den Ent­schei­dung im Ver­hält­nis zur Beklag­ten zu 1) wird zugleich fest­ge­stellt, dass dem Klä­ger gegen die Beklag­te zu 1) kein Ersatz­an­spruch zusteht. Die­se Fest­stel­lung, die in der Ter­mi­no­lo­gie des § 3 Nr. 8 PflVG a.F. /§ 124 Abs. 1 VVG zwi­schen dem Drit­ten, dem Geschä­dig­ten, und dem Ver­si­che­rer ergeht, wirkt nicht nur zuguns­ten des Ver­si­che­rungs­neh­mers. Denn die Bin­dungs­wir­kung des § 3 Nr. 8 PflVG a.F./§ 124 Abs. 1 VVG gilt über ihren Wort­laut hin­aus auch im Ver­hält­nis des mit­ver­si­cher­ten Fah­rers zum Ver­si­che­rer und umge­kehrt (BGHZ 96, 18, 22; aus der neue­ren Rspr.: OLGR Bran­den­burg 2009, 646; Prölss/Martin/Knappmann, VVG, 27. Aufl., § 3 Nr. 8 PflVG Rdnr. 1; Schwintowski/Brömmelmeyer, Pra­xis­kom­men­tar zum VVG, § 124 VVG Rdnr. 28; Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, Ver­si­che­rungs­hand­buch, 2. Aufl., § 24 Rdnr. 181; Feyock/Jacobsen/Lemor, Kfz-Ver­si­che­rung, 3. Aufl., § 124 VVG Rdnr. 2; Römer/Langheid, VVG, 2. Aufl., § 3 PflVG Rdnr. 31). Zwar wird in der Lit. die Auf­fas­sung ver­tre­ten, zu einer Rechts­kraf­ter­stre­ckung kom­me es nicht, wenn der Geschä­dig­te in der Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung zunächst nur den Len­ker ? und dazu die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung, nicht aber den Hal­ter belan­ge (Schwintowski/Brömmelmeyer, aaO., Rdnr. 29).

      bb) Aller­dings ist die­se Rechts­mei­nung nicht dahin zu ver­ste­hen, dass ein kla­ge­wei­sen­des Urteil gegen den Ver­si­che­rer kei­ne Rechts­kraft im Ver­hält­nis zum Mit­ver­si­cher­ten ent­fal­ten kann. Viel­mehr will die Aus­sa­ge zur feh­len­den Rechts­kraf­ter­stre­ckung einer nicht gegen­über allen Soli­dar­schuld­nern ergan­ge­nen Ent­schei­dung ledig­lich ver­deut­li­chen, dass der Geschä­dig­te nicht dar­an gehin­dert ist, etwa nach rechts­kräf­ti­ger Abwei­sung sei­ner Kla­ge gegen den Hal­ter in einem neu­en Pro­zess nun­mehr den Fah­rer und ? wegen des­sen Haf­tung ? auch den Haft­pflicht­ver­si­che­rer in Anspruch zu neh­men (BGHZ 96, 18, 22; Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, aaO., § 24 Rdnr. 181; Feyock/Jacobsen/Lemor, aaO., § 124 VVG Rdnr. 4; Römer/Langheid, aaO, Rdnr. 32). Die­se Ein­schrän­kung kor­re­liert unmit­tel­bar mit all­ge­mei­nen Grund­sät­zen zum Umfang der mate­ri­el­len Rechts­kraft: Wird eine gegen den Hal­ter gerich­te­te Kla­ge in wirk­sa­mer Beschrän­kung des Streit­ge­gen­stan­des nur auf die Haf­tungs­tat­be­stän­de der Gefähr­dungs­haf­tung gestützt, so wäre der Geschä­dig­te nicht gehin­dert, nach einem kla­ge­ab­wei­sen­den Urteil den Hal­ter ohne Bin­dung an die mate­ri­el­le Rechts­kraft in einem neu­en Pro­zess unter Dar­le­gung eines auf die delik­ti­sche Haf­tung gestütz­ten Lebens­sach­ver­halts zu ver­kla­gen. Die­se Opti­on muss dem Geschä­dig­ten erst recht erhal­ten blei­ben, wenn die Haf­tungs­sys­te­me die Inan­spruch­nah­me per­so­nen­ver­schie­de­ner Schä­di­ger erlau­ben. Hier darf dem Geschä­dig­ten die Mög­lich­keit, etwa den Hal­ter des Fahr­zeugs auf Scha­dens­er­satz in Anspruch zu neh­men, nicht mit dem Hin­weis auf die Rechts­kraf­ter­stre­ckung eines gegen­über dem Fah­rer ergan­ge­nen kla­ge­ab­wei­sen­den Urteils abge­schnit­ten wer­den.

      Eben­so tritt eine Rechts­kraf­ter­stre­ckung nicht ein, wenn der Geschä­dig­te den Anspruch gegen einen Streit­ge­nos­sen auf eine Anspruchs­grund­la­ge stützt, die den Ver­si­che­rer nicht bin­det. Para­dig­ma­tisch ist an den Fall zu den­ken, dass ein Unfall­be­tei­lig­ter ein Schuld­an­er­kennt­nis abgibt, das kei­ne mate­ri­ell­recht­li­che Wir­kung hin­sicht­lich des Direkt­an­spruchs gegen­über dem Ver­si­che­rer ent­fal­tet. Hier wäre es dem Geschä­dig­ten nicht ver­wehrt, den Ver­si­cher­ten oder den Ver­si­che­rungs­neh­mer auch nach der rechts­kräf­ti­gen Abwei­sung des Direkt­an­spruchs aus dem Schuld­an­er­kennt­nis in Anspruch zu neh­men (OLGR Bran­den­burg 2009, 646).

      cc) Dem­ge­gen­über ste­hen die­se Rechts­grund­sät­ze einer aus § 3 Nr. 8 PflVG a.F./§ 124 Abs. 1 VVG her­zu­lei­ten­den Rechts­kraf­ter­stre­ckung eines gegen­über der Ver­si­che­rung ergan­ge­nen kla­ge­ab­wei­sen­den Urteils auf die Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen dem Geschä­dig­ten den dem Haf­tungs­sys­tem des StVG unter­lie­gen­den, ver­si­cher­ten Per­so­nen nicht ent­ge­gen: Hier ver­langt § 3 Nr. 8 PflVG a.F./§ 124 Abs. 1 VVG eine Rechts­kraf­ter­stre­ckung eines gegen­über der Ver­si­che­rung erstrit­te­nen Urteils gegen die wei­te­ren Scha­dens­er­satz­schuld­ner jeden­falls dann, wenn der Geschä­dig­te alle in Betracht kom­men­den Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen gegen den Ver­si­che­rer gel­tend gemacht hat (nach Prölss/Martin/Knappmann, aaO, Rdnr. 5 ist die umfas­sen­de Rechts­kraf­ter­stre­ckung die Regel). Hat der Geschä­dig­te den Ver­si­che­rer aller­dings nur wegen sei­ner gegen den Ver­si­cher­ten gerich­te­ten Ansprü­che im Wege des Direkt­an­spruchs ver­klagt, mag es ihm unbe­nom­men sein, in einem Fol­ge­pro­zess den Ver­si­che­rungs­neh­mer zu ver­kla­gen (Johann­sen, in: Bruck/Möller/Sieg, VVG, 8. Aufl., B 38).

      Stützt der Geschä­dig­te dem­ge­mäß sei­ne Direkt­kla­ge auf die Haf­tung des Ver­si­cher­ten, so tritt gegen­über dem Ver­si­cher­ten die Rechts­kraft­wir­kung des § 3 Nr. 8 PflVG a.F. /§ 124 Abs. 1 VVG ein (vgl. OLG Karls­ru­he, VersR 1991, 539). Nur das hier ver­tre­te­ne Ergeb­nis wird der gesetz­ge­be­ri­schen Inten­ti­on gerecht, die dar­in besteht, eine dop­pel­te Befas­sung der Gerich­te mit dem­sel­ben Haft­pflicht­an­spruch zu ver­mei­den (Schwintowski/Brömmelmeyer, aaO, § 124 Rdnr. 3). Dar­über hin­aus dient die Vor­schrift dem Schutz des Ver­si­che­rers, der nicht Gefahr lau­fen soll, trotz des für ihn güns­ti­gen Urteils im Fall der Ver­ur­tei­lung sei­nes Ver­si­che­rungs­neh­mers auf­grund sei­ner Zah­lungs­pflicht aus dem Deckungs­ver­hält­nis doch noch in Anspruch genom­men zu wer­den (BGH, Urt. v. 15.1.2008 ? VI ZR 131/07, MDR 2008, 485).

      dd) Unter Beach­tung die­ser Rechts­grund­sät­ze lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer wirk­sa­men Rechts­kraf­ter­stre­ckung im vor­lie­gend zu ent­schei­den­den Rechts­streit vor: Der Klä­ger nimmt die Beklag­te zu 1) im Wege des Direkt­an­spruchs ersicht­lich unter allen denk­ba­ren recht­li­chen Aspek­ten auf Scha­dens­er­satz in Anspruch. Für eine Beschrän­kung des Kla­ge­grun­des bie­tet der Pro­zess­vor­trag kei­nen Anhalt. Eben­so wenig ist ersicht­lich, dass der Klä­ger die gegen die Beklag­te zu 2) gerich­te­te Kla­ge auf einen selbst­stän­di­gen recht­li­chen Aspekt stützt, der nur im Pro­zess­rechts­ver­hält­nis zur Beklag­ten zu 2) eine mate­ri­ell­recht­li­che Wir­kung ent­fal­ten wür­de.

      ff) Schließ­lich steht es der Rechts­kraf­ter­stre­ckung nicht ent­ge­gen, dass der Haft­pflicht­ver­si­che­rer und die mit­ver­si­cher­te Fah­re­rin im vor­lie­gen­den Rechts­streit gleich­zei­tig in Anspruch genom­men wor­den sind und zum Zeit­punkt des Schlus­ses der münd­li­chen Ver­hand­lung eine rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung gegen­über der Beklag­ten zu 1) noch nicht vor­lag: Ist ein Rechts­mit­tel näm­lich nicht gege­ben (im zur Ent­schei­dung ste­hen­den Sach­ver­halt ist die Erwach­sen­heits­sum­me für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de nicht erreicht, die Revi­si­on war man­gels Vor­lie­gen der gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht zuzu­las­sen), kann auch sofort eine Kla­ge­ab­wei­sung gegen alle Gesamt­schuld­ner erfol­gen (vgl. BGHZ 71, 339; MDR 2008, 448; OLG Karls­ru­he, VersR 1991, 539; Prölss/Martin/Knappmann, aaO, Rdnr. 4; Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, aaO., § 24 Rdnr. 183; Schwintowski/Brömmelmeyer, aaO., § 124 Rdnr. 33).

      B.

      Die Kos­ten­ent­schei­dung beruht auf § 97 Abs. 1, § 101 Abs. 1 ZPO. Die Ent­schei­dung über die vor­läu­fi­ge Voll­streck­bar­keit folgt aus § 708 Nr. 10, § 713 ZPO. Die Revi­si­on war nicht zuzu­las­sen, da die Rechts­sa­che kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung besitzt und weder die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung noch die Fort­bil­dung des Rechts eine Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts erfor­dern (§ 543 Abs. 2 ZPO).

      OLG Saar­brü­cken Urteil vom 17.11.2009, 4 U 244/09 — 68