Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich heu­te in zwei Ent­schei­dun­gen mit der Wirk­sam­keit von Rest­wert­klau­seln, die in Lea­sing­ver­trä­gen gegen­über Ver­brau­chern ver­wen­det wur­den, sowie mit der Umsatz­steu­er­pflicht der zum Aus­gleich des Rest­wer­tes…

erfol­gen­den Zah­lung des Kun­den befasst. In dem Ver­fah­ren VIII ZR 179/13 schloss das kla­gen­de Lea­sing­un­ter­neh­men mit der Beklag­ten einen “Pri­vat-Lea­sing-Ver­trag” über einen Pkw. In der dem Ver­trag zugrun­de lie­gen­den “Pri­vat­Lea­sing-Bestel­lung” der Beklag­ten fin­det sich in der Mit­te des von der Klä­ge­rin ver­wen­de­ten For­mu­lars unter der Über­schrift “Ver­ein­ba­run­gen (Ver­trags­ab­rech­nung, Indi­vi­du­alab­re­de)” fol­gen­de Rege­lung: “Nach Zah­lung sämt­li­cher Lea­sing­ra­ten und einer even­tu­el­len Son­der­zah­lung ver­bleibt zum Ver­trags­en­de ein Betrag von EUR 19.455,48 (einschl. USt), der durch die Fahr­zeug­ver­wer­tung zu til­gen ist (Rest­wert). Reicht dazu der vom Lea­sing-Geber beim Kfz-Han­del tat­säch­lich erziel­te Gebraucht­wa­gen­er­lös nicht aus, garan­tiert der Lea­sing­neh­mer dem Lea­sing-Geber den Aus­gleich des Dif­fe­renz­be­tra­ges (einschl. USt.). […] Die Kal­ku­la­ti­on erfolgt auf Basis einer jähr­li­chen Fahr­leis­tung vom 15.000 km. Die Gebraucht­wa­gen­ab­rech­nung erfolgt unab­hän­gig von den gefah­re­nen Kilo­me­tern.” Nach Ablauf der Lea­sing­zeit gab die Beklag­te das Fahr­zeug an die Klä­ge­rin zurück, die es zum Preis von 12.047,89 € brut­to ver­wer­te­te. Den Rest­be­trag von 7.305,48 € brut­to (6.139,06 € zzgl. 1.166,42 € USt) bean­sprucht die Klä­ge­rin aus der genann­ten Rest­wert­ga­ran­tie. Die auf Zah­lung die­ses Rest­be­tra­ges gerich­te­te Kla­ge hat in den Vor­in­stan­zen nur hin­sicht­lich des dar­in ent­hal­te­nen Net­to­be­tra­ges vom 6.139,06 € Erfolg gehabt. Die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te Erfolg. Dem Ver­fah­ren VIII ZR 241/13 liegt eben­falls ein zwi­schen der kla­gen­den Lea­sing­ge­sell­schaft und der dor­ti­gen Beklag­ten unter Ver­wen­dung des glei­chen Ver­trags­for­mu­lars “Pri­vat­Lea­sing-Bestel­lung” abge­schlos­se­ner Lea­sing­ver­trag über einen Pkw zu Grun­de. Der am Ver­trags­en­de zu til­gen­de Betrag (Rest­wert­ga­ran­tie) war hier mit 44.694,71 ein­schließ­lich der Mehr­wert­steu­er bezif­fert. Nach Ablauf der Ver­trags­lauf­zeit ver­wer­te­te die Klä­ge­rin das Fahr­zeug hier für 26.210 € zuzüg­lich Umsatz­steu­er. Den Rest­be­trag vom 14.660,72 € (12.319,93 € nebst Umsatz­steu­er) bean­sprucht die Klä­ge­rin aus der Rest­wert­ga­ran­tie. Die auf Zah­lung die­ses Betra­ges gerich­te­te Kla­ge hat­te in der ers­ten Instanz mit Aus­nah­me der Umsatz­steu­er Erfolg. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat das Beru­fungs­ge­richt die Beklag­te auch zur Zah­lung der Umsatz­steu­er ver­ur­teilt; die Beru­fung der Beklag­ten hat es zurück­ge­wie­sen. Die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on hat­te kei­nen Erfolg. Der unter ande­rem für das Lea­sing­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die For­mu­lar­klau­sel über die Rest­wert­ga­ran­tie wirk­sam ist und die beklag­ten Lea­sing­neh­me­rin­nen des­halb zum Rest­wert­aus­gleich sowie zur Ent­rich­tung von Umsatz­steu­er auf den Dif­fe­renz­be­trag zwi­schen dem kal­ku­lier­ten Rest­wert und dem erziel­ten Ver­wer­tungs­er­lös ver­pflich­tet sind. Eine Ver­pflich­tung des Lea­sing­neh­mers zum soge­nann­ten Rest­wert­aus­gleich ist wegen des — einem Finan­zie­rungs­lea­sing­ver­trag tra­gend zugrun­de lie­gen­den — Voll­amor­ti­sa­ti­ons­prin­zips (Ersatz aller Auf­wen­dun­gen des Lea­sing­ge­bers ein­schließ­lich eines kal­ku­lier­ten Gewinns) auch in der hier ver­ein­bar­ten Form einer Rest­wert­ga­ran­tie lea­sing­ty­pisch und als sol­che recht­lich unbe­denk­lich. Auch ein juris­tisch nicht vor­ge­bil­de­ter Durch­schnitts­kun­de kann nach dem Text der Klau­sel nicht davon aus­ge­hen, dass der Auf­wand der Klä­ge­rin, den sie sich vom Lea­sing­neh­mer ver­gü­ten lässt, durch die Zah­lung der Lea­sing­ra­ten abge­gol­ten ist und er dar­über hin­aus kei­ne Leis­tun­gen erbrin­gen muss. Bereits im Ein­gangs­satz der Klau­sel wird viel­mehr deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass der Klä­ge­rin neben der Zah­lung der Lea­sing­ra­ten und einer etwai­gen Son­der­zah­lung auch noch der bezif­fer­te Rest­wert zusteht, der mög­lichst — wenn auch nicht not­wen­di­ger­wei­se und auch nicht regel­mä­ßig — durch die Fahr­zeug­ver­wer­tung gedeckt wer­den sol­le, im Übri­gen aber vom Lea­sing­kun­den zu zah­len ist. Aus dem zwei­ten Satz der Klau­sel ergibt sich, dass eine voll­stän­di­ge Abde­ckung des kal­ku­lier­ten Rest­werts durch die vor­ge­se­he­ne Fahr­zeug­ver­wer­tung unge­wiss ist. Mit der wei­te­ren For­mu­lie­rung, dass der Lea­sing­neh­mer den Aus­gleich des Dif­fe­renz­be­tra­ges “garan­tiert”, wenn der Erlös aus der Fahr­zeug­ver­wer­tung den als Rest­wert genann­ten Betrag nicht erreicht, wird dem Lea­sing­neh­mer die ein­ge­gan­ge­ne Ver­pflich­tung unmiss­ver­ständ­lich vor Augen geführt. Der Lea­sing­kun­de kann des­halb gera­de nicht davon aus­ge­hen, dass es sich bei dem als Rest­wert genann­ten Betrag um den Fahr­zeu­ger­lös han­delt, der nach dem gewöhn­li­chen Ver­lauf der Din­ge am Ende der Lea­sing­zeit zu erwar­ten ist. Die Klau­sel ist in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len weder über­ra­schend im Sin­ne von § 305c Abs. 1 BGB* noch ist sie gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BGB** wegen eines Ver­sto­ßes gegen das Trans­pa­renz­ge­bots unwirk­sam. Weil es sich bei der Rest­wert-Aus­gleichs­zah­lung um einen Teil des Ent­gelts für die Gebrauchs­über­las­sung des Fahr­zeugs und damit der Haupt­leis­tungs­pflicht han­delt, fin­det eine Inhalts­kon­trol­le der Klau­sel (§ 307 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2, §§ 308, 309 BGB) im Übri­gen nicht statt. Als Teil des Ent­gelts für die Gebrauchs­über­las­sung unter­liegt die Aus­gleichs­zah­lung gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1, § 10 Abs. 1 Satz 2 UStG*** der Umsatz­steu­er­pflicht.

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