Die Antrag­stel­le­rin ist Hal­te­rin des Kraft­fahr­zeugs mit dem amt­li­chen Kenn­zei­chen D.. Mit dem Fahr­zeug soll am 3. April 2009 in Gan­der­ke­see auf der Bun­des­au­to­bahn A 28 bei einer Geschwin­dig­keit…

(vdvka)  Die Antrag­stel­le­rin ist Hal­te­rin des Kraft­fahr­zeugs mit dem amt­li­chen Kenn­zei­chen D.. Mit dem Fahr­zeug soll am 3. April 2009 in Gan­der­ke­see auf der Bun­des­au­to­bahn A 28 bei einer Geschwin­dig­keit von 121 km/h der erfor­der­li­che Abstand von 60,5 m zum vor­aus­fah­ren­den Fahr­zeug nicht ein­ge­hal­ten wor­den sein. Nach Aus­wer­tung des von dem Auto­bahn­po­li­zei­kom­mis­sa­ri­at E. ein­ge­setz­ten Ver­kehrs­kon­troll­sys­tems VKS 3.0 der Fir­ma V. soll der Abstand (nach Tole­ranz­ab­zug) 25 m und damit weni­ger als 5/10 des hal­ben Tachow­er­tes betra­gen haben. Mit Ver­fü­gung vom 9. Dezem­ber 2009 ord­ne­te die Antrags­geg­ne­rin nach Anhö­rung der Antrag­stel­le­rin für das betrof­fe­ne Fahr­zeug oder ein dafür ein­ge­setz­tes Ersatz- oder Nach­fol­ge­fahr­zeug für die Dau­er von sechs Mona­ten das Füh­ren eines Fahr­ten­bu­ches und zudem die sofor­ti­ge Voll­zie­hung die­ser Maß­nah­me an, weil der ver­ant­wort­li­che Fahr­zeug­füh­rer bei dem Ver­kehrs­ver­stoß nicht habe ermit­telt wer­den kön­nen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die auf­schie­ben­de Wir­kung der gegen den Bescheid erho­be­nen Anfech­tungs­kla­ge der Antrag­stel­le­rin wie­der­her­ge­stellt und zur Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung aus­ge­führt: Die im Ver­fah­ren gemäß § 80 Abs. 5 VwGO vor­zu­neh­men­de Inter­es­sen­ab­wä­gung fal­le zu Las­ten der Antrags­geg­ne­rin aus, weil die ange­grif­fe­ne Ver­fü­gung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor­aus­sicht­lich kei­nen Bestand haben wer­de. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 31a StVZO für die Anord­nung der Füh­rung eines Fahr­ten­bu­ches sei­en nicht erfüllt. Eine Zuwi­der­hand­lung im Sin­ne der Vor­schrift sei nicht erwie­sen. Die Metho­de, mit der die in Rede ste­hen­de Unter­schrei­tung des Min­dest­ab­stands gemes­sen wor­den sei, sei mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit als ver­fas­sungs­wid­rig anzu­se­hen. Inso­weit hat sich das Ver­wal­tungs­ge­richt auf die Begrün­dung in dem Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg vom 27. Novem­ber 2009 (Ss Bs 186/09 -, DAR 2010, 32) bezo­gen, in dem die­ses sich mit der Fra­ge der Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit von Abstands­mes­sun­gen mit dem Ver­kehrs­kon­troll­sys­tem 3.0 der Fir­ma V. befasst hat. Selbst wenn mit dem Fahr­zeug die von der Antrags­geg­ne­rin gel­tend gemach­te Unter­schrei­tung des gebo­te­nen Min­dest­ab­stands began­gen wor­den sei, sei die Abstands­un­ter­schrei­tung wegen Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Mess­me­tho­de nicht ahn­dungs­fä­hig. Inso­weit sei die Vor­schrift des § 31a StVZO nicht anwend­bar. Im Übri­gen feh­le es jeden­falls an einem Ver­stoß, der hin­rei­chend gra­vie­rend im Sin­ne des § 31a StVZO sei. Auf­grund des eige­nen Vor­trags der Antrag­stel­le­rin kön­ne auf das Bege­hen der Zuwi­der­hand­lung nicht geschlos­sen wer­den, weil das Vor­brin­gen erst nach Ein­stel­lung des Buß­geld­ver­fah­rens und nach Ein­tritt der Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung ange­bracht wor­den sei.

Mit ihrer dage­gen erho­be­nen Beschwer­de macht die Antrags­geg­ne­rin gel­tend, die Anwend­bar­keit des § 31a Abs. 1 StVZO set­ze nicht vor­aus, dass der zugrun­de­lie­gen­de Ver­kehrs­ver­stoß in einem straf- oder ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht­li­chen Ver­fah­ren geahn­det wer­den kön­ne und der Ahn­dung ein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot nicht ent­ge­gen­ste­hen könn­te. Der Nach­weis des Ver­kehrs­ver­sto­ßes müs­se im Fahr­ten­buch­ver­fah­ren geson­dert geprüft wer­den, inso­weit sei auch die Fra­ge eines Beweis­ver­wer­tungs­ver­bo­tes eigen­stän­dig zu beur­tei­len. Die­ses kom­me hier nicht in Betracht, viel­mehr müs­se der in Rede ste­hen­de Ver­kehrs­ver­stoß im Inter­es­se der All­ge­mein­heit an einem mög­lichst siche­ren Stra­ßen­ver­kehr als began­gen zugrun­de gelegt wer­den.

II.

Auf der Grund­la­ge des Beschwer­de­vor­trags, auf des­sen Prü­fung der Senat gemäß § 146 Abs. 4 Satz 6 VwGO beschränkt ist, ist bei der im gericht­li­chen Eil­ver­fah­ren gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung der Sach- und Rechts­la­ge davon aus­zu­ge­hen, dass sich die gegen die Antrag­stel­le­rin ver­füg­te Fahr­ten­buch­auf­la­ge im Haupt­sa­che­ver­fah­ren aller Vor­aus­sicht nach als recht­mä­ßig erwei­sen wird. Des­halb muss das Inter­es­se der Antrag­stel­le­rin an einer Aus­set­zung der Voll­zie­hung des Beschei­des gegen­über dem öffent­li­chen Inter­es­se an der sofor­ti­gen Voll­zie­hung zurück­tre­ten, wel­ches die Antrags­geg­ne­rin gemäß § 80 Abs. 3 Satz 1 VwGO hin­rei­chend begrün­det hat.

Die Ver­wal­tungs­be­hör­de kann nach § 31a Abs. 1 Satz 1 StVZO gegen­über einem Fahr­zeug­hal­ter die Füh­rung eines Fahr­ten­bu­ches anord­nen, wenn die Fest­stel­lung eines Fahr­zeug­füh­rers nach einer Zuwi­der­hand­lung gegen Ver­kehrs­vor­schrif­ten nicht mög­lich war. Das ist der Fall, wenn die Behör­de nach den Umstän­den des Ein­zel­falls nicht in der Lage war, den Täter zu ermit­teln, obwohl sie alle ange­mes­se­nen und zumut­ba­ren Maß­nah­men getrof­fen hat. Art und Umfang der Ermitt­lungs­tä­tig­keit der Behör­de kön­nen sich dabei an dem Ver­hal­ten und der Erklä­rung des Fahr­zeug­hal­ters aus­rich­ten. Lehnt die­ser erkenn­bar die Mit­wir­kung an der Auf­klä­rung des Ver­kehrs­ver­sto­ßes ab, so ist es der Behör­de regel­mä­ßig nicht zuzu­mu­ten, wahl­los zeit­rau­ben­de, kaum Aus­sicht auf Erfolg bie­ten­de Ermitt­lun­gen zu betrei­ben (BVerwG, Urt. v. 17.12.1982 — 7 C 3.80 -, VRS 64, 466; Beschl. v. 21.10.1987, — 7 B 162.87 -, VRS 74, 233; eben­so st. Rspr. d. Sen.).

Nach die­sen Maß­stä­ben spricht Über­wie­gen­des dafür, dass mit dem Fahr­zeug der Antrag­stel­le­rin am 3. April 2009 die in Rede ste­hen­de Unter­schrei­tung des ein­zu­hal­ten­den Sicher­heits­ab­stan­des zum vor­aus­fah­ren­den Fahr­zeug und damit eine Zuwi­der­hand­lung gegen Ver­kehrs­vor­schrif­ten im Sin­ne des § 31a Abs. 1 Satz 1 StVZO began­gen wur­de. Der Ver­kehrs­ver­stoß wur­de mit dem Ver­kehrs­kon­troll­sys­tem VKS 3.0 der Fir­ma V. fest­ge­hal­ten und lässt sich anhand der bei­ge­zo­ge­nen Aus­zü­ge aus dem Buß­geld­vor­gang hin­rei­chend nach­voll­zie­hen. Ent­ge­gen dem Ver­wal­tungs­ge­richt steht der Zugrun­de­le­gung des Ver­kehrs­ver­sto­ßes im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot nicht ent­ge­gen. Die vom Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem vom Ver­wal­tungs­ge­richt zitier­ten Beschluss vom 27. Novem­ber 2009 ange­führ­ten Grün­de, wonach die Abstands­mes­sung man­gels gesetz­li­cher Grund­la­ge als unzu­läs­si­ger Ein­griff in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung anzu­se­hen sei und wegen der Schwe­re die­ses Ein­griffs im Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­ver­fah­ren einem Ver­wer­tungs­ver­bot unter­lie­ge, las­sen sich auf Ver­fah­ren, die wie hier aus­schließ­lich der Gefah­ren­ab­wehr die­nen, nicht ohne Wei­te­res über­tra­gen (vgl. Beschl. d. Sen. v. 15.3.2010 — 12 ME 37/10 -, NJW 2010, 1621). In dem Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg heißt es, dass die Mess­da­ten, deren Ver­wer­tung in Rede ste­he, unter Ver­stoß gegen ein Beweis­er­he­bungs­ver­bot gewon­nen wor­den sei­en. Ein sol­ches zie­he nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung im straf­pro­zes­sua­len Bereich nicht zwangs­läu­fig ein Ver­wer­tungs­ver­bot nach sich. Die­se schwer­wie­gen­de ver­fah­rens­recht­li­che Fol­ge wer­de viel­mehr nur in Aus­nah­me­fäl­len als gerecht­fer­tigt ange­se­hen. Ein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot wer­de ledig­lich aner­kannt, wenn dahin­ge­hen­de aus­drück­li­che gesetz­li­che Vor­schrif­ten bestün­den oder wich­ti­ge über­ge­ord­ne­te Grün­de dies gebö­ten. Ob letz­te­res der Fall sei, bestim­me sich jeweils nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les. In die in die­sem Zusam­men­hang vor­zu­neh­men­de Abwä­gung zwi­schen dem Inter­es­se des Staa­tes und der All­ge­mein­heit an der Ver­wer­tung aller in Betracht kom­men­den Beweis­mit­tel zum Zwe­cke der Auf­klä­rung von Straf­ta­ten und Ord­nungs­wid­rig­kei­ten einer­seits und den durch das Erhe­bungs­ver­bot geschütz­ten Indi­vi­dual­in­ter­es­sen ande­rer­seits sei­en ins­be­son­de­re die Art des Erhe­bungs­ver­bo­tes, das Gewicht des in Fra­ge ste­hen­den Ver­fah­rens­ver­sto­ßes und die Bedeu­tung der im Übri­gen betrof­fe­nen Rechts­gü­ter ein­zu­stel­len. Vor­lie­gend stel­le sich der Ver­fah­rens­ver­stoß als schwer­wie­gend dar. Wei­ter­hin heißt es, dass die Ver­kehrs­ver­stö­ße, zu deren Ahn­dung das Mess­ver­fah­ren VKS 3.0 ein­ge­setzt wer­de — so auch der in jenem Ver­fah­ren in Rede ste­hen­de Ver­stoß — in der Regel nur von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sei­en. Zwar tref­fe es zu, dass Abstands­un­ter­schrei­tun­gen, ins­be­son­de­re bei star­ker Ver­kehrs­dich­te und hohen Geschwin­dig­kei­ten, gefahr­träch­tig sei­en und nach­hal­ti­ger Ver­fol­gung bedürf­ten, doch han­de­le es sich unge­ach­tet des­sen jeden­falls im vor­lie­gen­den Fal­le um eine Ord­nungs­wid­rig­keit, wel­che dem unte­ren bis mitt­le­ren Schwe­re­grad der Ver­kehrs­ord­nungs­wid­rig­kei­ten zuzu­ord­nen sei und deren Ver­fol­gung sich im kon­kre­ten Fall nicht als der­art vor­dring­lich dar­stel­le, dass schwer­wie­gen­de Grund­rechts­ein­grif­fe hin­zu­neh­men wären. Der Senat kann dahin­ge­stellt sein las­sen, ob der Ver­fah­rens­ver­stoß — sein Vor­lie­gen unter­stellt (vgl. dem­ge­gen­über OLG Hamm, Beschl. v. 22.12.2009 — 1 Ss OWi 960/09 -, DAR 2010, 212, sowie zum sog. Brü­cken­ab­stands­mess­ver­fah­ren VAMA: OLG Bam­berg, Beschl. v. 16.11.2009 — 2 Ss OWi 1215/2009 u.a. -, NJW 2010, 100, und zum Abstands­mess­ver­fah­ren ViBrAM-BAMAS: OLG Stutt­gart, Beschl. v. 29.01.2010 — 4 Ss 1525/09 -, DAR 2010, 148) — unter den hier gege­be­nen Umstän­den im Sin­ne des Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­rechts als schwer­wie­gend anzu­se­hen ist. Selbst wenn man dies bejah­te und ein straf­pro­zes­sua­les Ver­wer­tungs­ver­bot anneh­men woll­te, bedeu­te­te das nicht, dass im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang eine ent­spre­chen­de Beur­tei­lung gebo­ten wäre. Zwar muss die Behör­de auch im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren bei ihrer Ermitt­lungs­tä­tig­keit die sich aus Geset­zen, all­ge­mei­nen Ver­fah­rens­grund­sät­zen und Grund­rech­ten erge­ben­den Gren­zen beach­ten (vgl. Bader/Ronellenfitsch, VwVfG, § 24 Rdn. 30), ein aus­drück­li­ches Ver­wer­tungs­ver­bot sieht die StVZO für rechts­wid­rig erlang­te Erkennt­nis­se über began­ge­ne Ver­kehrs­zu­wi­der­hand­lun­gen indes nicht vor. Eben­so wie im Straf­pro­zess- und Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht kann ein sol­ches Ver­bot nur unter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls unter Abwä­gung der gegen­läu­fi­gen Inter­es­sen ange­nom­men wer­den, wobei in Ver­wal­tungs­ver­fah­ren, die der Gefah­ren­ab­wehr die­nen wie etwa die Ent­zie­hung der Fahr­erlaub­nis oder hier die Anord­nung einer Auf­la­ge zum Füh­ren eines Fahr­ten­bu­ches, nicht ohne Wei­te­res die­sel­ben Maß­stä­be wie im repres­si­ven Bereich des Straf- und Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­rechts gel­ten (vgl. Beschl. d. Sen. v. 14.8.2008 — 12 ME 183/08 -, VD 2008, 242; v. 5.11.2009 — 12 ME 237/09 -; v. 19.1.2010 — 12 PA 251/09 -; v. 15.3.2010, a. a. O.). Die an den Fahr­zeug­hal­ter als den Inha­ber der Ver­fü­gungs­be­fug­nis über das Fahr­zeug gerich­te­te Anord­nung, ein Fahr­ten­buch zu füh­ren, ist eine Maß­nah­me zur Abwehr von Gefah­ren für die Sicher­heit und Ord­nung des Stra­ßen­ver­kehrs, mit der dafür Sor­ge getra­gen wer­den soll, dass künf­tig die Fest­stel­lung eines Fahr­zeug­füh­rers nach einer Zuwi­der­hand­lung gegen Ver­kehrs­vor­schrif­ten ohne Schwie­rig­kei­ten mög­lich ist (BVerwG, Beschl. v. 23.6.1989 — 7 B 90.89 -, Buch­holz 442.16 § 31a StVZO Nr. 20; Beschl. d. Sen. v. 15.10.2003 — 12 LA 416/03 -, NJW 2004, 1124). An der Abwen­dung von Gefah­ren für die Sicher­heit und Ord­nung des Stra­ßen­ver­kehrs besteht ein erheb­li­ches öffent­li­ches Inter­es­se, wel­ches es recht­fer­tigt, dass die zustän­di­ge Ver­wal­tungs­be­hör­de auch ver­fah­rens­feh­ler­haft ermit­tel­te Ver­kehrs­ver­stö­ße zur Grund­la­ge ord­nungs­recht­li­cher Anord­nun­gen machen kann. Soweit ver­fah­rens­recht­li­che Män­gel bei der Abstands­mes­sung in einem Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­ver­fah­ren zu Las­ten des staat­li­chen Ver­fol­gungs­in­ter­es­ses durch­ge­schla­gen wären, kann des­halb Glei­ches nicht für das nach­fol­gen­de Ver­fah­ren über die Anord­nung einer Fahr­ten­buch­auf­la­ge gel­ten (vgl. zum Gan­zen grund­le­gend im Zusam­men­hang mit der Ver­wer­tung von unter Ver­stoß gegen den Rich­ter­vor­be­halt nach § 81a StPO ange­ord­ne­ten Blut­ent­nah­men im Fahr­erlaub­nis­ent­zie­hungs­ver­fah­ren: Beschl. d. Sen. v. 16.12.2009 — 12 ME 234/09 -, zfs 2010, 114). Der mit dem Fahr­zeug der Antrag­stel­le­rin began­ge­ne Ver­kehrs­ver­stoß am 3. April 2009 kann des­halb als Zuwi­der­hand­lung im Sin­ne des § 31a Abs. 1 Satz 1 StVZO ange­se­hen wer­den unab­hän­gig davon, ob sei­ner Ahn­dungs­fä­hig­keit im Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­ver­fah­ren ein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot ent­ge­gen­ge­stan­den hat.

Durch­grei­fen­de Beden­ken gegen die ange­grif­fe­ne Ver­fü­gung bestehen auch im Übri­gen nicht. Der Vor­trag der Antrag­stel­le­rin, ihr Fahr­zeug sei bei dem Vor­fall am 3. April 2009 von dem vor­aus­fah­ren­den Fahr­zeug behin­dert wor­den, weil die­ses bei einer ver­gleichs­wei­se lang­sa­men Geschwin­dig­keit von etwa 120 km/h nicht von der lin­ken auf die rech­te Fahr­spur gewech­selt sei, hat die Antrags­geg­ne­rin zu Recht als unbe­acht­lich ange­se­hen. Die­ser Umstand konn­te den Ver­kehrs­ver­stoß eben­so wenig recht­fer­ti­gen wie ein etwai­ges vor­schrifts­wid­ri­ges Her­an­fah­ren des nach­fol­gen­den Ver­kehrs an das Fahr­zeug der Antrag­stel­le­rin. Dass sich der Fah­rer des Tat­fahr­zeugs zur Bege­hung des Ver­kehrs­ver­sto­ßes genö­tigt gefühlt haben soll — so der Vor­trag der Antrag­stel­le­rin -, lässt sich anhand des bei dem Ver­kehrs­ver­stoß gefer­tig­ten Bild­ma­te­ri­als nicht nach­voll­zie­hen, weil für das Fahr­zeug die Mög­lich­keit bestand, auf die rech­te Fahr­spur zu wech­seln. Davon abge­se­hen wäre der Umstand, wie die Antrag­stel­le­rin selbst vor­trägt, allen­falls rele­vant für den Schuld­vor­wurf im Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­ver­fah­ren, wäh­rend es im Rah­men des § 31a StVZO dar­auf ankommt, ob der objek­ti­ve Tat­be­stand einer Zuwi­der­hand­lung gegen Ver­kehrs­vor­schrif­ten gege­ben ist. Fest­stel­lun­gen zum Vor­satz oder zur Schuld des Fahr­zeug­füh­rers kön­nen im Zusam­men­hang mit einer Fahr­ten­buch­auf­la­ge nicht getrof­fen wer­den, weil dies die Ermitt­lung des Fahr­zeug­füh­rers vor­aus­set­zen wür­de (vgl. OVG Nord­rhein-West­fa­len, Beschl. v. 5.9.2005 — 8 A 1893/05 -, DAR 2005, 708).

Die Antrags­geg­ne­rin ist wei­ter­hin zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass die Fest­stel­lung des Fahr­zeug­füh­rers bei der Zuwi­der­hand­lung am 3. April 2009 nicht mög­lich im Sin­ne des § 31a Abs. 1 Satz 1 StVZO war. An der gebo­te­nen Mit­wir­kung des Fahr­zeug­hal­ters dar­an, den Fahr­zeug­füh­rer zu bezeich­nen, fehlt es regel­mä­ßig bereits dann, wenn der Fahr­zeug­hal­ter den Anhö­rungs­bo­gen der Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­be­hör­de nicht zurück­sen­det oder wei­te­re Anga­ben zum Per­so­nen­kreis der Fahr­zeug­be­nut­zer nicht macht. Dar­in liegt die kon­klu­den­te Erklä­rung, sich zur Sache nicht äußern zu wol­len. Der Behör­de wer­den in die­sen Fäl­len wei­te­re Ermitt­lungs­ver­su­che, die über die Anhö­rung des Fahr­zeug­hal­ters hin­aus­ge­hen, grund­sätz­lich nicht zuge­mu­tet (st. Rspr. d. Sen., vgl. nur Beschl. v. 8.11.2004 — 12 LA 72/04 -, DAR 2005, 231 und v. 31.10.2006 — 12 LA 463/05 -, Ver­k­Mitt 2007, Nr. 6). Die Antrag­stel­le­rin muss sich ein nicht hin­rei­chen­des Mit­wir­ken in die­sem Sin­ne ent­ge­gen­hal­ten las­sen. Nach­dem ihr unter dem 17. April 2009 ein Zeu­gen­fra­ge­bo­gen zu dem Ver­kehrs­ver­stoß zuge­sandt wor­den war, hat sie wei­ter­füh­ren­de Hin­wei­se dar­auf, wer der Fahr­zeug­füh­rer zum Zeit­punkt des Ver­kehrs­ver­sto­ßes war, nicht gemacht und hat auch in ihrem Schrei­ben vom 23. Juni 2009 den in Betracht kom­men­den Per­so­nen­kreis über die pau­scha­le Anga­be hin­aus, sie ver­lei­he ihren Pkw fast nur an Ver­wand­te, nicht kon­kret ein­ge­grenzt. Eine ein­deu­ti­ge Iden­ti­fi­zie­rung des Fahr­zeug­füh­rers anhand des bei dem Ver­kehrs­ver­stoß gefer­tig­ten Fah­rer­fo­tos war — auch durch Abgleich mit dem von der Mel­de­be­hör­de über­mit­tel­ten Foto des Ehe­man­nes der Antrag­stel­le­rin — eben­falls nicht mög­lich, weil auf dem gefer­tig­ten Fah­rer­fo­to das Gesicht des Fahr­zeug­füh­rers nicht voll­stän­dig abge­bil­det und außer­dem wegen des von der Son­nen­blen­de gewor­fe­nen Schat­tens nur ver­dun­kelt zu erken­nen ist. Das Schrei­ben des Ehe­man­nes der Antrag­stel­le­rin vom 3. Juli 2009, in dem die­ser erklärt hat, er glau­be nun, zu dem maß­geb­li­chen Zeit­punkt den Pkw gesteu­ert zu haben, hat die Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­be­hör­de vor Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist nach § 26 Abs. 3 StVG nicht erreicht, so dass auch damit die Fest­stel­lung des Fahr­zeug­füh­rers nicht (recht­zei­tig) ermög­licht wur­de.

Die Anord­nung einer Fahr­ten­buch­auf­la­ge setzt einen Ver­kehrs­ver­stoß von eini­gem Gewicht vor­aus, um dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zu genü­gen. Wird nur ein ein­ma­li­ger, unwe­sent­li­cher Ver­stoß fest­ge­stellt, der sich weder ver­kehrs­ge­fähr­dend aus­wir­ken kann, noch Rück­schlüs­se auf die cha­rak­ter­li­che Unzu­ver­läs­sig­keit des Kraft­fah­rers zulässt, ist die Fahr­ten­buch­auf­la­ge nicht gerecht­fer­tigt. Es kommt indes nicht dar­auf an, ob der Ver­stoß zu einer kon­kre­ten Gefähr­dung ande­rer Ver­kehrs­teil­neh­mer geführt hat. Ist der Ver­kehrs­re­gel­ver­stoß zumin­dest eine Ord­nungs­wid­rig­keit und führt er gemäß § 28 Abs. 3 Nr. 3 StVG zur Ein­tra­gung des Kraft­fah­rers in das Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter mit wenigs­tens einem Punkt, so recht­fer­tigt die­se vom Ver­ord­nungs­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Bewer­tung der Ord­nungs­wid­rig­keit es, den Ver­kehrs­re­gel­ver­stoß gene­rell als so wich­tig ein­zu­stu­fen, dass auch ohne zusätz­li­che Umstän­de die Anord­nung zur Füh­rung eines Fahr­ten­bu­ches ver­hält­nis­mä­ßig ist (vgl. BVerwG, Urt. v. 17.5.1995 — 11 C 12.94 -, BVerw­GE 98, 227; eben­so st. Rspr. d. Sen., vgl. nur Beschl. v. 8.7.2005 — 12 ME 185/05 -). Ent­ge­gen dem Ver­wal­tungs­ge­richt ist die mit dem Fahr­zeug der Antrag­stel­le­rin began­ge­ne Ver­kehrs­zu­wi­der­hand­lung danach als hin­rei­chend “gra­vie­rend” anzu­se­hen, um die ver­füg­te Fahr­ten­buch­auf­la­ge mit der vor­ge­se­he­nen Dau­er zu recht­fer­ti­gen. Für den Ver­stoß ist nach Nr. 12.5.1 des Anhangs zu Nr. 12 der Anla­ge zur BKatV als Buß­geld ein Regel­satz von 75,– Euro vor­ge­se­hen; der Ver­stoß hät­te gemäß Nr. 7 der Anla­ge 13 zur FeV auch die Ein­tra­gung eines Punkts im Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter erfor­dert.

12 ME 44/10
OVG Lüne­burg
Beschluss vom 07.06.2010

Infor­ma­tio­nen:

  • Ver­öf­fent­licht: 07.06.2010