Dies hat der 1. Straf­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he ent­schie­den und damit ein Beru­fungs­ur­teil des Land­ge­richts Karls­ru­he vom 08.12.2011 auf­ge­ho­ben, das den erst­in­stanz­li­chen Frei­spruch vom Vor­wurf der Belei­di­gung (§ 185…

StGB) bestä­tigt hatte.Dem Ange­klag­ten wird vor­ge­wor­fen, er habe im Okto­ber 2010 anläss­lich einer Zweit­li­ga-Begeg­nung des Karls­ru­her SC gegen den Vfl Bochum im Fan­block des Karls­ru­her Wild­park­sta­di­ons gemein­sam mit wei­te­ren Per­so­nen ein im gesam­ten Sta­di­on sicht­ba­res groß­flä­chi­ges Ban­ner mit der Auf­schrift “A.C.A.B.” — eine Abkür­zung für die Wor­te “all cops are bas­tards” — hoch­ge­hal­ten, um den im Sta­di­on­be­reich anwe­sen­den Poli­zei­be­am­ten gegen­über sei­ne Miss­ach­tung auszudrücken.Der 1. Straf­se­nat bean­stan­de­te, dass das Urteil des Land­ge­richts den Anfor­de­run­gen an ein frei­spre­chen­des Erkennt­nis nicht genü­ge, weil es eine in sich geschlos­se­ne Dar­stel­lung der für erwie­sen erach­te­ten Tat­sa­chen zur objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Tat­sei­te ver­mis­sen las­se und daher kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge für die revi­si­ons­ge­richt­li­che Über­prü­fung bie­te. Das Urteil des Land­ge­richts wur­de daher auf­ge­ho­ben und zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an eine ande­re Straf­kam­mer des Land­ge­richts Karls­ru­he zurückverwiesen.Für die neue Haupt­ver­hand­lung wies der Senat ins­be­son­de­re dar­auf hin, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bei der in den allei­ni­gen Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Tatrich­ters fal­len­den Prü­fung und Bewer­tung der objek­ti­ven Tat­be­stands­mä­ßig­keit einer Äuße­rung als Belei­di­gung dem Grund­recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung (Art. 5 Abs. 1 GG) Rech­nung zu tra­gen sei. Las­se eine Äuße­rung, wie dies vor­lie­gend der Fall sein kön­ne, nach Wort­sinn und bestim­men­den Begleit­um­stän­den — unmit­tel­bar zuvor wur­den auf den hef­tig kri­ti­sier­ten Poli­zei­ein­satz bei der Groß­de­mons­tra­ti­on im Zusam­men­hang mit “Stutt­gart 21” bezo­ge­ne Ban­ner ver­wen­det — meh­re­re Deu­tungs­mög­lich­kei­ten zu, sei des­halb regel­mä­ßig der­je­ni­gen der Vor­zug zu geben, wel­che die Äuße­rung als von die­sem Grund­recht gedeckt erschei­nen las­se. Dies gel­te auch für die Aus­le­gung, ob eine — wie hier — unter einer Kol­lek­tiv­be­zeich­nung erfolg­te Erklä­rung sich als gene­rel­le, wenn auch her­ab­set­zen­de, aber auf die per­sön­li­che Ehre bestimm­ter Ange­hö­ri­ger des Kol­lek­tivs nicht durch­schla­gen­de Kri­tik gegen eine grund­sätz­lich nicht belei­di­gungs­fä­hi­ge unüber­schau­ba­re Per­so­nen­mehr­heit — die “Poli­zei” im all­ge­mei­nen ist eine sol­che — bezie­he oder die Äuße­rung sich gegen eine belei­di­gungs­fä­hi­ge abgrenz­ba­re Grup­pe aus die­sem Kol­lek­tiv richte.Bei der Bewer­tung der Buch­sta­ben­kom­bi­na­ti­on “A.C.A.B.”, die nach all­ge­mei­nem Erfah­rungs­wis­sen die Abkür­zung für die eng­lisch­spra­chi­ge Paro­le “all cops are bas­tards” sei, lie­ge es wegen der dar­in lie­gen­den abwer­ten­den Kenn­zeich­nung einer Per­son als Bas­tard aller­dings nahe, der Bezeich­nung grund­sätz­lich belei­di­gen­den Cha­rak­ter im Sin­ne des § 185 StGB bei­zu­mes­sen; eben­so lie­ge es nahe, die­ses Wert­ur­teil auf die bei dem ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Spiel ein­ge­setz­ten Poli­zei­be­am­ten und damit einen umgrenz­ten, grund­sätz­lich belei­di­gungs­fä­hi­gen Per­so­nen­kreis zu bezie­hen. Zudem kön­ne bei der Beur­tei­lung, ob es sich bei der Äuße­rung “A.C.A.B.” nach Wort­sinn und bestim­men­den Begleit­um­stän­den um eine vom Grund­recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung gedeck­te und damit nicht straf­ba­re Kri­tik hand­le, berück­sich­tigt wer­den, dass die pau­schal ver­un­glimp­fen­de Bezeich­nung von Poli­zei­be­am­ten als “Bas­tar­de” ihrer sprach­li­chen Fas­sung nach — anders als etwa die Bezeich­nung von bei einer Demons­tra­ti­on ein­ge­setz­ten Poli­zei­kräf­ten als “Schlä­ger­trup­pe” oder von bei einer Ver­kehrs­kon­trol­le ein­ge­setz­ten Poli­zei­be­am­ten als “Wege­la­ge­rer” — in kei­nem auch nur ansatz­wei­se erkenn­ba­ren sach­li­chen Bezug zum Beruf des Poli­zis­ten als sol­chem, zur poli­zei­li­chen Tätig­keit im all­ge­mei­nen oder zum Ver­hal­ten von Poli­zei­kräf­ten spe­zi­ell bei Ein­sät­zen im Zusam­men­hang mit Groß­ver­an­stal­tun­gen wie Demons­tra­tio­nen oder Fuß­ball­spie­len ste­he.

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