1. Die Abgren­zung zwi­schen einem ande­ren Stra­ßen­teil im Sin­ne des § 10 StVO und einer Ein­mün­dung im Sin­ne des § 8 StVO ist für einen Ver­kehrs­teil­neh­mer anhand der fol­gen­den äußer­lich erkenn­ba­ren Merk­ma­le vor­zu­neh­men:

— Gleich- bzw. Anders­ar­tig­keit der Ober­flä­chen­be­schaf­fen­heit bzw. des St…

(vdvka) …raßen­be­la­ges der ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che im Ver­hält­nis zur kreu­zen­den Haupt­ver­kehrs­stra­ße,

— Fort­füh­rung des Stra­ßen­be­gren­zungs­strei­fens der Haupt­ver­kehrs­stra­ße über die ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che hin­weg,

— Ein­frie­dung der ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che durch ein Tor,

— Brei­te und Erkenn­bar­keit der ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che,

-Vor­han­den­sein eines Stra­ßen­na­mens und Stra­ßen­schil­des für die ein­zu­ord­nen­de Ver­kehrs­flä­che,

— Beschilderung/Verkehrszeichen sowie

— das (Nicht-)Vorliegen eines Höhen­un­ter­schie­des im Über­gangs­be­reich der ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che zur Haupt­ver­kehrs­stra­ße, z.B. durch einen Bord­stein (BGH, NJW-RR 1987, S. 1237; OLG Hamm, VersR 1985, S. 1052; OLG Hamm, VersR 1985, S. 1095; OLG Karls­ru­he, NZV 1989, S. 117; OLG Naum­burg, SVR 2007, S. 61 ff.; Bur­mann, in: Janiszewski/Jagow/Burmann, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 19. Auf­la­ge 2006, § 10 Rdnr. 4).

2. Ist auf einer Haupt­ver­kehrs­stra­ße ein beson­de­rer Links­ab­bie­ger­strei­fen vor­ge­se­hen, so spricht dies für eine grö­ße­re Ver­kehrs­be­deu­tung der ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che und damit für das Vor­lie­gen einer Ein­mün­dung im Sin­ne des § 8 StVO.

Tenor

Die Beru­fung der Beklag­ten gegen das Urteil des Amts­ge­richts Plön vom 01.11.2006 (AZ: 1 C 533/05) wird auf ihre Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Das Urteil ist vor­läu­fig voll­streck­bar.

Tat­be­stand

1

Von der Dar­stel­lung des Tat­be­stan­des wur­de gemäß § 540 Abs. 2 i.V.m. § 313 a ZPO abge­se­hen.

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Ent­schei­dungs­grün­de

2

Die Beru­fung ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt sowie begrün­det wor­den, in der Sache hat sie jedoch kei­nen Erfolg.

3

Auf­grund des Ver­sto­ßes der Beklag­ten zu 3. gegen die §§ 8, 9 Abs. 3 StVO hat das Amts­ge­richt zu Recht den Scha­dens­er­satz­an­spruch des Klä­gers gegen die Beklag­ten gemäß §§ 7, 17 StVG, 3 PflVersG in Höhe von 80% des ent­stan­de­nen Scha­dens bejaht. Ein Ver­stoß des Klä­gers gegen § 10 StVO liegt dem­ge­gen­über nicht vor.

4

Aus dem Gesamt­bild der äußer­lich erkenn­ba­ren Merk­ma­le ergibt sich näm­lich, dass es sich bei dem vom Klä­ger kurz vor dem Unfall befah­re­nen K.Weg nicht um einen ande­ren Stra­ßen­teil im Sin­ne des § 10 StVO, son­dern um eine Ein­mün­dung im Sin­ne des § 8 StVO han­delt. Die Abgren­zung zwi­schen einem ande­ren Stra­ßen­teil im Sin­ne des § 10 StVO und einer Ein­mün­dung im Sin­ne des § 8 StVO ist für einen Ver­kehrs­teil­neh­mer anhand der äußer­lich erkenn­ba­ren Merk­ma­le vor­zu­neh­men (BGH, NJW-RR 1987, S. 1237; KG Ber­lin, Ver­k­Mitt 1983, S. 53; OLG Hamm, VersR 1985, S. 1095; OLG Karls­ru­he, NZV 1989, S. 116; OLG Naum­burg, SVR 2007, S. 61 ff.; AG Gel­dern, Scha­den-Pra­xis 2004, S. 260; Bur­mann, in: Janiszewski/Jagow/Burmann, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 19. Auf­la­ge, § 10 Rdnr. 4).

5

Die erfor­der­li­che Zuord­nung geschieht auf­grund fol­gen­der Merk­ma­le: Gleich- bzw. Anders­ar­tig­keit der Ober­flä­chen­be­schaf­fen­heit bzw. des Stra­ßen­be­la­ges der ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che im Ver­hält­nis zur kreu­zen­den Haupt­ver­kehrs­stra­ße (vgl. OLG Hamm, VersR 1985, S. 1095; OLG Naum­burg, SVR 2007, S. 61 ff.; Bur­mann, in: Janiszewski/Jagow/Burmann, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 19. Auf­la­ge 2006, § 10 Rdnr. 4), Fort­füh­rung des Stra­ßen­be­gren­zungs­strei­fens der Haupt­ver­kehrs­stra­ße über die ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che hin­weg (BGH, NJW-RR 1987, S. 1237; OLG Naum­burg, SVR 2007, S. 61 ff.), Ein­frie­dung der ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che durch ein Tor (BGH, NJW-RR 1987, S. 1237), Brei­te und Erkenn­bar­keit der ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che (BGH, NJW-RR 1987, S. 1237; OLG Karls­ru­he, NZV 1989, S. 117), Vor­han­den­sein eines Stra­ßen­na­mens und Stra­ßen­schil­des für die ein­zu­ord­nen­de Ver­kehrs­flä­che, Beschilderung/Verkehrszeichen (OLG Karls­ru­he, NZV 1989, S. 117) sowie das (Nicht-)Vorliegen eines Höhen­un­ter­schie­des im Über­gangs­be­reich der ein­zu­ord­nen­den Ver­kehrs­flä­che zur Haupt­ver­kehrs­stra­ße, z.B. durch einen Bord­stein (BGH, NJW-RR 1987, S. 1237; OLG Hamm, VersR 1985, S. 1052; OLG Hamm, VersR 1985, S. 1095; OLG Naum­burg, SVR 2007, S. 61 ff.; Bur­mann, in: Janiszewski/Jagow/Burmann, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 19. Auf­la­ge 2006, § 10 Rdnr. 4).

6

Für einen ande­ren Stra­ßen­teil spricht im vor­lie­gen­den Fall allein, dass es sich bei der streit­ge­gen­ständ­li­chen Ein­mün­dung nicht um eine beson­ders brei­te Zufahrt han­delt, die auch nicht direkt gegen­über der von der Beklag­ten zu 3. befah­re­nen Stra­ße L. liegt. Sämt­li­che wei­te­ren äuße­ren Merk­ma­le spre­chen jedoch nach Auf­fas­sung der Kam­mer dafür, dass es sich bei der Aus­fahrt aus dem K.Weg um eine Ein­mün­dung im Sin­ne des § 8 StVO han­delt. So sind die Ober­flä­chen­be­schaf­fen­heit bzw. der Stra­ßen­be­lag des K.Wegs und der B 430 ähn­lich (vgl. die Fotos auf Bl. 74 d. A.). Zudem wird an die­ser Ein­mün­dung der Stra­ßen­be­gren­zungs­strei­fen der B 430 nicht über den kreu­zen­den Fahr­strei­fen hin­weg­ge­führt. Der Fahr­strei­fen ist an die­ser Stel­le nur gestri­chelt. Außer­dem ist für den K.Weg auf der B 430 ein beson­de­rer Links­ab­bie­ger­strei­fen vor­ge­se­hen, der für eine grö­ße­re Ver­kehrs­be­deu­tung des K.Wegs spricht. Des Wei­te­ren sind beim K.Weg sowohl ein Stra­ßen­na­me als auch ein Stra­ßen­schild vor­han­den. Dane­ben ist unstrei­tig an der Aus­fahrt des K.Wegs ein Zei­chen 205 „Vor­fahrt gewäh­ren“ ange­bracht. Nach dem Wort­laut des § 41 Abs. 2 Ziff. 1 b) StVO steht ein sol­ches Schild unmit­tel­bar vor einer Ein­mün­dung. Schließ­lich ist auch kein Höhen­un­ter­schied zwi­schen dem K.Weg und der B 430 vor­han­den.

7

Zudem ent­spricht die im vor­lie­gen­den Fall zu beur­tei­len­de Ver­kehrs­si­tua­ti­on auch nicht dem Sinn und Zweck des § 10 StVO. Denn die dor­ti­ge Rege­lung berück­sich­tigt das Zusam­men­tref­fen eines Anfah­ren­den mit dem in der Regel wesent­lich schnel­le­ren flie­ßen­den Ver­kehr und den dar­aus resul­tie­ren­den erheb­li­chen Risi­ken, die zwar regel­mä­ßig den Anfah­ren­den, nicht hin­ge­gen die Teil­neh­mer des flie­ßen­den Ver­kehrs beein­flus­sen kön­nen (vgl. OLG Karls­ru­he, NZV 1989, S. 116; LG Sta­de, Urteil vom 05.01.2004, Az: 4 O 330/03, zit. n. juris). Die Beklag­te zu 3. aber befand sich nicht im flie­ßen­den Ver­kehr auf der B 430, son­dern sie bog selbst von der Stra­ßen L. aus nach links auf die B 430 ab. Bei dem K.Weg han­delt es sich auch weder nur um die Aus­fahrt von einer Park­platz­an­la­ge (OLG Karls­ru­he, NZV 1989, S. 116; OLG Naum­burg, SVR 2007, S. 61 ff.; AG Gel­dern, Scha­den-Pra­xis 2004, S. 260) noch allein um den Zugang zu eini­gen Grund­stü­cken (BayOLG, DAR 1983, S. 298 ff.; OLG Hamm, VersR 1985, S. 1095). Sogar für den Fall, dass bei der Beklag­ten zu 3. man­gels ein­deu­ti­ger Kri­te­ri­en Zwei­fel auf­ge­kom­men muss­ten, ob der K.Weg zu der von ihr befah­re­nen Stra­ße als vor­fahrts­be­rech­tig­te Stra­ßen­ein­mün­dung oder als unter­ge­ord­ne­te Grund­stücks­aus­fahrt ein­zu­ord­nen sei, wür­de sie in einer sol­chen Ver­kehrs­si­tua­ti­on eine gestei­ger­te Sorg­falts­pflicht tref­fen (BGH, NJW-RR 1987, S. 1237). Schließ­lich ist es gerichts­be­kannt, dass die Nut­zung der Zufahrt zu den am K.Weg vor­han­de­nen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen und der dort vor­han­de­nen Park­plät­ze sich nicht nur auf Hoch­zeits­wa­gen, Lei­chen­wa­gen u. ä. beschränkt. Kurz vor dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Unfall hat der Klä­ger z. B. unstrei­tig sein Kind von der dor­ti­gen Pfad­fin­der­grup­pe abge­holt.

8

Zur Haf­tungs­ver­tei­lung nimmt die Kam­mer abschlie­ßend auf eine aktu­el­le BGH-Ent­schei­dung (Urteil vom 13.02.2007, Az: VI ZR 58/06) Bezug, nach der beim Zusam­men­stoß zwi­schen einem nach links abbie­gen­den und einem in Gegen­rich­tung gera­de­aus fah­ren­den Kraft­fahr­zeug für das Ver­schul­den des Abbie­gen­den, d.h. der Beklag­ten zu 3., der Anscheins­be­weis spricht. Auch nach der Anhö­rung der Par­tei­en in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 19.04.2007 steht es für die Kam­mer fest, dass auf Sei­ten der Beklag­ten zu 3. ein schwer­wie­gen­der Ver­kehrs­ver­stoß vor­liegt, da sie nach ihren eige­nen Erklä­run­gen das klä­ge­ri­sche Fahr­zeug erst zum Zeit­punkt der Kol­li­si­on wahr­ge­nom­men hat.

9

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO, die vor­läu­fi­ge Voll­streck­bar­keit beruht auf § 708 Nr. 10 ZPO.

Infor­ma­tio­nen:

  • Gericht/Herausgeber: LG Kiel 7. Zivil­kam­mer