Der IV. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nach § 124 Nr. 2, Alter­na­ti­ve 1 ZPO nach­träg­lich auf­ge­ho­ben wer­den kann, wenn der Antrag­stel­ler im Bewil­li­gungs­ver­fah­ren…

absicht­lich oder aus gro­ber Nach­läs­sig­keit unrich­ti­ge Anga­ben über sei­ne per­sön­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se gemacht hat, und dass dies auch dann gilt, wenn die fal­schen Anga­ben nicht zu einer objek­tiv unrich­ti­gen Bewil­li­gung geführt haben. Dem Beklag­ten eines Rechts­streits um die Rück­zah­lung eines Dar­le­hens war zunächst auf sei­nen Antrag hin Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wor­den. Nach­träg­lich stell­te sich her­aus, dass er bei Antrag­stel­lung eine teil­wei­se unrich­ti­ge und unvoll­stän­di­ge Erklä­rung über sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se abge­ge­ben hat­te. Nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz hat­te er absicht­lich ver­sucht, sei­ne wirt­schaft­li­che Situa­ti­on, ins­be­son­de­re in Bezug auf sei­ne Geschäfts­füh­rer­stel­lung und Betei­li­gung an einer GmbH, fer­ner die Nut­zung eines Fir­men­wa­gens, zu ver­schlei­ern. Infol­ge des­sen hob das Land­ge­richt die Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe nach § 124 Nr. 2, Alter­na­ti­ve 1 ZPO nach­träg­lich auf. Die dage­gen gerich­te­te sofor­ti­ge Beschwer­de des Beklag­ten vor dem Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he blieb erfolg­los. Auf die Rechts­be­schwer­de des Beklag­ten hat der Bun­des­ge­richts­hof die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen bestä­tigt. Der Beklag­te hat­te im Beschwer­de­ver­fah­ren die ursprüng­li­che Unrich­tig­keit sei­ner Anga­ben ein­ge­räumt, jedoch gel­tend gemacht, bis zum Zeit­punkt der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­be­wil­li­gung hät­ten sich sei­ne Ver­hält­nis­se der­art ver­än­dert gehabt, dass sei­ne Anga­ben zuletzt nicht mehr falsch gewe­sen sei­en und ihm bei objek­ti­ver Betrach­tung ein Anspruch auf Pro­zess­kos­ten­hil­fe zuge­stan­den habe. Das stütz­te sich auf eine bis­her weit ver­brei­te­te Rechts­auf­fas­sung, der zufol­ge § 124 Nr. 2 ZPO allein bezwe­cke, dem von einer Pro­zess­kos­ten­hil­fe­be­wil­li­gung Begüns­tig­ten sach­lich nicht gerecht­fer­tig­te Vor­tei­le wie­der zu ent­zie­hen und so eine objek­tiv zutref­fen­de Ent­schei­dung über die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe her­bei­zu­füh­ren. Es han­de­le sich um eine rein kos­ten­recht­li­che Bestim­mung ohne Sank­ti­ons­cha­rak­ter. Der Bun­des­ge­richts­hof ist dem ent­ge­gen­ge­tre­ten. Dass die Vor­schrift allein schon die absicht­lich oder aus gro­ber Nach­läs­sig­keit gemach­ten Falsch­an­ga­ben eines Antrag­stel­lers sank­tio­niert, erge­ben, wie in der Rechts­be­schwer­de­ent­schei­dung näher dar­ge­legt wird, nicht nur Wort­laut, Sys­te­ma­tik und Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 124 Nr. 2 Alter­na­ti­ve 1 ZPO, son­dern auch der Geset­zes­zweck. Im Prü­fungs­ver­fah­ren zur Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe, das unter einem beson­de­ren Beschleu­ni­gungs­ge­bot steht, ist der Antrag­stel­ler bei der Auf­klä­rung sei­ner per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se in beson­de­rem Maße zur Mit­wir­kung ver­pflich­tet. Kommt er die­ser Pflicht nicht nach, kann das Gericht die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ableh­nen. Das Gericht ist im Bewil­li­gungs­ver­fah­ren, wel­ches sich im Inter­es­se des Antrag­stel­lers mit einer Glaub­haft­ma­chung der Bewil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen begnügt, in beson­de­rem Maße auf ein red­li­ches Ver­hal­ten des Antrag­stel­lers ange­wie­sen. Begrün­det der Antrag­stel­ler in vor­werf­ba­rer Wei­se Zwei­fel an sei­ner Red­lich­keit, erscheint es ange­mes­sen, ihm die nach­ge­such­te finan­zi­el­le Unter­stüt­zung zu ver­sa­gen, weil ein sum­ma­ri­sches Prü­fungs­ver­fah­ren dann nicht mehr mög­lich erscheint.

Infor­ma­tio­nen: