Auf­grund des Unter­las­sens des deut­schen Gesetz­ge­bers, das Fahr­per­so­nal­ge­setz und die Fahr­per­so­nal­ver­ord­nung der Erset­zung der Ver­ord­nung (EWG) 3820/85 durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 561/2006 anzu­pas­sen, kön­nen Lenk­zeit­ver­stö­ße und sons­ti­ge Ver­stö­ße gegen die — die Vor­schrif­ten des Fahr­per­so­nal­ge­se…

(vdvka) …tzes und der Fahr­per­so­nal­ver­ord­nung aus­fül­len­den — Nor­men der Ver­ord­nung (EWG) 3820/85 und der Ver­ord­nung (EG) Nr. 561/2006 nun­mehr nicht mehr als Ord­nungs­wid­rig­keit geahn­det wer­den. Die Rechts­la­ge ist inso­weit die glei­che wie nach dem Unter­las­sen des deut­schen Gesetz­ge­bers im Jah­re 1986, das dama­li­ge Fahr­per­so­nal­ge­setz und die dama­li­ge Fahr­per­so­nal­ver­ord­nung umge­hend der Erset­zung der Ver­ord­nung (EWG) 543/69 durch die Ver­ord­nung (EWG) 3820/85 anzu­pas­sen.

Tenor

Der Betrof­fe­ne wird frei­ge­spro­chen.

Die Kos­ten des Ver­fah­rens und die not­wen­di­gen Aus­la­gen des Betrof­fe­nen trägt die Lan­des­kas­se.

Grün­de

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Der Betrof­fe­ne war aus recht­li­chen Grün­den frei­zu­spre­chen. Das dem Betrof­fe­nen im Buß­geld­be­scheid vom 15.08.2006 vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten kann seit dem 11.04.2007 nicht mehr als Ord­nungs­wid­rig­keit geahn­det wer­den.

2

Dem Betrof­fe­nen sind jeweils Ver­stö­ße gegen die §§ 8 Abs.1 Nr. 2 Buch­sta­be b FPersG, 22 Abs.2 Nr. 3 FPersV i.V.m. der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 3820/85 vor­ge­wor­fen wor­den. Zur Aus­fül­lung des Tat­be­stands der Ord­nungs­wid­rig­keit ver­wei­sen die­se Vor­schrif­ten alle auf die Ver­ord­nung (EWG) Nr. 3820/85. Die Ver­ord­nung (EWG) Nr. 3820/85 ist aber nun­mehr mit Wir­kung zum 11.04.2007 durch Arti­kel 28 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 561/2006 auf­ge­ho­ben und durch die die­se ersetzt wor­den. Der deut­sche Gesetz­ge­ber hat dem­ge­gen­über das Fahr­per­so­nal­ge­setz und die Fahr­per­so­nal­ver­ord­nung bis­her nicht ent­spre­chend geän­dert bzw. ange­paßt, so daß die­se Vor­schrif­ten nun­mehr zu Aus­fül­lung des Tat­be­stands der Ord­nungs­wid­rig­keit schlicht auf eine auf­ge­ho­be­ne und damit nicht mehr wirk­sa­me Ver­ord­nung ver­wei­sen. Gem. 4 Abs.3 OWiG war daher zuguns­ten des Betrof­fe­nen die Rechts­la­ge seit dem 11.04.2007 zugrun­de­zu­le­gen. § 4 Abs.3 OWiG ist dabei — eben­so wie die ent­spre­chen­de Vor­schrift des § 2 Abs.3 StGB — dahin­ge­hend zu ver­ste­hen, daß als mil­des­tes Gesetz stets das­je­ni­ge anzu­se­hen ist, das den Weg­fall der Ahn­dungs­mög­lich­keit zur Fol­ge hat (vgl. BGH NStZ 1992, 535 f.) Bei Blan­kett­tat­be­stän­den müs­sen dabei stets auch die blan­kett­aus­fül­len­den Nor­men berück­sich­tigt wer­den; soweit EG-Nor­men auf­ge­ho­ben wer­den und es der deut­sche Gesetz­ge­ber unter­läßt, bei der Ände­rung im Blan­kett­ge­setz auf das geän­der­te EG-Recht zu ver­wei­sen, ent­fällt des­halb die Ahn­dungs­mög­lich­keit (vgl. OLG Köln, NJW 1988, 657 ff.; OLG Ham­burg, DAR 1988, 29; OLG Schles­wig, SchlHA 1988, 95 f.; OLG Düs­sel­dorf, MDR 1987, 1050; Bay­O­bLG, VRS 74 (1988), 227 ff.; jeweils zur Erset­zung der Ver­ord­nung (EWG) 543/69 durch die — nach den obi­gen Aus­füh­run­gen nun­mehr selbst ersetz­te — Ver­ord­nung (EWG) 3820/85; vgl. auch BVerfG NJW 1990, 1103 f., wo die­se Aus­le­gung des § 4 Abs.3 OWiG zumin­dest als ein­hel­li­ge Ansicht in der ver­öf­fent­lich­ten Recht­spre­chung und in der Lite­ra­tur dar­ge­stellt wird).

3

Nach alle­dem war der Betrof­fe­ne vor­lie­gend aus recht­li­chen Grün­den frei­zu­spre­chen. Führt das mil­des­te Gesetz i.S.d. §§ 2 Abs.3 StGB, 4 Abs.3 OWiG zum Weg­fall der Ahn­dungs­mög­lich­keit, so hat dies nicht nur die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens, son­dern viel­mehr den Frei­spruch des Täters zur Fol­ge (vgl. Schönke/Schröder, StGB, 27. Aufl., § 2, Rn. 35 m.w.Nachw.). Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus den §§ 46 Abs.1 OWiG, 467 Abs.1 StPO.

Infor­ma­tio­nen:

  • Akten­zei­chen: 66 OWi 304 Js 27481/06 (363/06)
  • Gericht/Herausgeber: AG Itze­hoe