Stößt ein Pkw auf einem unzu­rei­chend gesi­cher­ten Bahn­über­gang mit dem Zug einer Pri­vat­bahn zusam­men, kann eine für den Unfall ursäch­li­che Nach­läs­sig­keit des Schran­ken­wär­ters sowohl der Pri­vat­bahn als auch dem für die Bahn­stre­cke ver­ant­wort­li­chen Unter­neh­men der Deut­schen Bahn zuzu­rech­nen sein, so dass alle Betei­lig­ten in vol­lem Umfang für den Fahr­zeug­scha­den haf­ten. Das hat der 6. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm am 11.06.2015 ent­schie­den und damit das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Det­mold bestä­tigt.
Im Juni 2012 stieß das Fahr­zeug des kla­gen­den Auto­hau­ses aus Müns­ter, ein Audi Avant 2,7 TDI, auf dem Bahn­über­gang der Orb­ker Stra­ße in Det­mold mit einem Zug der beklag­ten Pri­vat­bahn aus Bie­le­feld zusam­men. Das eben­falls ver­klag­te Unter­neh­men der Deut­schen Bahn (im Fol­gen­den: Deut­sche Bahn) ist Eigen­tü­me­rin der Infra­struk­tur­anla­gen der Bahn­stre­cke, auf der die Pri­vat­bahn den Bahn­be­trieb betreibt. Bei dem im Regel­fall durch Andre­as­kreuz, Licht­zei­chen­an­la­ge und auto­ma­ti­sche Schran­ken­an­la­ge gesi­cher­ten Bahn­über­gang lag zum Unfall­zeit­punkt ein tech­ni­scher Defekt vor. Des­we­gen wur­de der Bahn­über­gang durch den dritt­be­klag­ten Schran­ken­wär­ter gesi­chert. Trotz tele­fo­ni­scher Zug­an­kün­di­gung hat­te es die­ser vor dem Unfall ver­säumt, das Warn­licht ein­zu­schal­ten und die Schran­ke her­un­ter zu las­sen. Der Fah­rer des klä­ge­ri­schen Fahr­zeugs lei­te­te eine Voll­brem­sung ein, nach­dem der sich nähern­de Zug Warn­si­gna­le abge­ge­ben hat­te, ohne die Kol­li­si­on ver­hin­dern zu kön­nen. Am klä­ge­ri­schen Fahr­zeug ent­stand ein Total­scha­den, den die Klä­ge­rin mit ca. 26.000 Euro bezif­fert hat, und den sie ein­schließ­lich wei­te­rer ent­stan­de­ner Kos­ten von allen drei Beklag­ten ersetzt ver­langt.
Das Scha­dens­er­satz­be­geh­ren der Klä­ge­rin war erfolg­reich. Der 6. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat der Klä­ge­rin ins­ge­samt ca. 28.000 Euro Scha­dens­er­satz zuge­spro­chen, den ihr die Beklag­ten als Gesamt­schuld­ner zu zah­len haben. § 1 des Haft­pflicht­ge­set­zes ver­pflich­te die Deut­sche Bahn und die Pri­vat­bahn zum Scha­dens­er­satz, so der Senat. Die Deut­sche Bahn betrei­be die Infra­struk­tur der Stre­cke, die Pri­vat­bahn den Eisen­bahn­ver­kehr. Sie sei­en selb­stän­dig orga­ni­sier­te Tei­le eines ein­heit­li­chen Eisen­bahn­un­ter­neh­mens und jeder für sich haf­ten­der Betriebs­un­ter­neh­mer im Sin­ne des Haft­pflicht­ge­set­zes. Das für den Unfall ursäch­li­che Ver­säum­nis des dritt­be­klag­ten Schran­ken­wär­ters müss­ten sich die Deut­sche Bahn und die Pri­vat­bahn betriebs­ge­fah­rer­hö­hend zurech­nen las­sen. Der mit der Siche­rung der Gleis­an­la­gen betrau­te Schran­ken­wär­ter und die für die Infra­struk­tur ver­ant­wort­li­che Deut­sche Bahn bil­de­ten eine Haf­tungs­ein­heit. Die­se wir­ke auch zu Las­ten der Pri­vat­bahn, die mit der Deut­schen Bahn eine gemein­sa­me Betriebs­ein­heit bil­de. Hin­zu kom­me, dass sich das Ver­säum­nis des Schran­ken­wär­ters in glei­cher Wei­se gefah­rer­hö­hend auf die Bahn­an­la­ge der Deut­schen Bahn und den Betrieb des Schie­nen­fahr­zeu­ges der Pri­vat­bahn aus­ge­wirkt habe. Dem­ge­gen­über sei ein Mit­ver­schul­den des Fah­rers des klä­ge­ri­schen Fahr­zeugs nicht fest­stell­bar, die Betriebs­ge­fahr des Fahr­zeugs tre­te hin­ter den Ver­schul­dens­bei­trag auf Sei­ten der Beklag­ten zurück.

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