Amts­ge­richt Mün­chen Urteil vom 03.03.2011, ver­öf­fent­licht am 27.06.2011 — 223 C 21648/10 Schlagworte/Normen: Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit einem Rechts­an­walt Voll­text AG-PE: Eine Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit einem…

(vdvka)  Amts­ge­richt Mün­chen

Urteil vom 03.03.2011, ver­öf­fent­licht am 27.06.2011 — 223 C 21648/10

Schlagworte/Normen:

Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit einem Rechts­an­walt

Voll­text AG-PE:

Eine Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit einem Rechts­an­walt ist unwirk­sam, sofern sie die Mög­lich­keit vor­sieht, für die Tätig­keit vor Gericht gerin­ge­re Gebüh­ren fest­zu­set­zen als im Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz vor­ge­se­hen. Dies gilt auch, wenn die Rege­lung auf ein Ver­hal­ten des Man­dan­ten zurück­zu­füh­ren ist und wenn im kon­kre­ten Fall ein höhe­res Hono­rar ver­langt wird.

Trenn­li­nie

Mit­te Janu­ar 2010 beauf­trag­te ein Münch­ner einen Rechts­an­walt mit sei­ner Ver­tre­tung vor dem Land­ge­richt Mün­chen I. Sowohl er als auch sein Rechts­an­walt unter­zeich­ne­ten eine Ver­ein­ba­rung, wonach die anwalt­schaft­li­che Tätig­keit mit einem Stun­den­ho­no­rar in Höhe von 220 Euro abge­rech­net wer­den konn­te. Der Ver­trag ent­hielt zu die­sem Zeit­punkt eine Klau­sel, wonach in gericht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten das gesetz­li­che Hono­rar als Min­des­tent­gelt gel­ten soll­te.

Die­se Klau­sel strich der Man­dant. Die­ser ging zu die­sem Zeit­punkt näm­lich davon aus, dass die Ange­le­gen­heit schnell erle­digt sein wür­de und die gesetz­li­chen Gebüh­ren trotz des hohen Stun­den­sat­zes noch dar­über lie­gen wür­den. Der Anwalt war damit ein­ver­stan­den.

Tat­säch­lich war der Rechts­streit dann doch auf­wän­di­ger und der Anwalt brauch­te deut­lich mehr Stun­den als vor­ge­se­hen. Schließ­lich stell­te der Anwalt sei­ne Leis­tun­gen mit 9680 Euro in Rech­nung. Der Man­dant bezahl­te aller­dings nur 4963 Euro.

Der Anwalt berief sich auf das ver­ein­bar­te Stun­den­ho­no­rar. Der Man­dant ent­geg­ne­te ihm, an gesetz­li­chen Gebüh­ren sei­en nur 3135 Euro ange­fal­len, des­halb zah­le er auch nicht mehr. Die Hono­rar­ver­ein­ba­rung sei unwirk­sam, schließ­lich dür­fe in gericht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten kein gerin­ge­res Hono­rar als die gesetz­li­che Ver­gü­tung ver­ein­bart wer­den. Durch die Strei­chung der Klau­sel sei aber gera­de dies gesche­hen.

Der Anwalt ging dar­auf vor das Amts­ge­richt Mün­chen und klag­te die rest­li­chen 4717 Euro ein. Es kön­ne nicht ange­hen, dass der Man­dant sich auf die Unwirk­sam­keit der Klau­sel beru­fe. Schließ­lich habe die­ser die Strei­chung gewollt. Der Beklag­te erhob dar­auf hin Wider­kla­ge und ver­lang­te sei­ne zuviel gezahl­ten 1828 Euro zurück.

Der zustän­di­ge Rich­ter gab dem Beklag­ten Recht:

Die zwi­schen dem Rechts­an­walt und sei­nem Man­dan­ten geschlos­se­ne Ver­ein­ba­rung sei unwirk­sam, da sie gegen § 49 b der Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung (BRAO) ver­sto­ße. Die­se Vor­schrift ver­bie­te dem Rechts­an­walt, gerin­ge­re Gebüh­ren und Aus­la­gen zu ver­ein­ba­ren, als es das Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz vor­se­he, sofern kei­ne Aus­nah­me in die­sem Gesetz gere­gelt sei. Sinn der Rege­lung sei die Ver­hin­de­rung eines Preis­wett­be­werbs um Man­da­te und damit der Schutz der Rechts­pfle­ge als sol­che. Gera­de in gericht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten dür­fe kei­ne nied­ri­ge­re Gebühr als die gesetz­li­che gefor­dert wer­de. Eine Aus­nah­me­re­ge­lung gäbe es hier nicht.

Die Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en habe ursprüng­lich eine Klau­sel vor­ge­se­hen, die dies berück­sich­tig­te. Die­se Klau­sel sei ein­ver­nehm­lich gestri­chen wor­den. Dar­an ände­re auch die Tat­sa­che nichts, dass der Vor­schlag zum Strei­chen von dem Man­dan­ten gekom­men sei. Ein Rechts­an­walt müs­se sei­ne Berufs­pflich­ten ken­nen und hät­te den Man­dan­ten auf die Unzu­läs­sig­keit hin­wei­sen müs­sen. Tue er dies nicht, um bei­spiels­wei­se das Zustan­de­kom­men des Man­dats nicht zu gefähr­den, und schlie­ße er eine gesetz­wid­ri­ge Ver­ein­ba­rung ab, müs­se er die Kon­se­quen­zen tra­gen.

Es spie­le auch kei­ne Rol­le, dass tat­säch­lich eine höhe­re Gebühr ange­fal­len sei. Abzu­stel­len sei auf den Ver­trags­schluss. Zu die­sem Zeit­punkt sei auch ein nied­ri­ge­res Hono­rar noch denk­bar gewe­sen, da der Arbeits­an­fall nicht bekannt gewe­sen sei. Nur aus die­sem Grun­de mache die Strei­chung der Klau­sel auch Sinn.

Der Beklag­te kön­ne daher sein zu viel gezahl­tes Hono­rar zurück­for­dern, die Kla­ge des Anwalts sei unbe­grün­det. Das Urteil ist rechts­kräf­tig.

Sie­he:

http://www.justiz.bayern.de/gericht/ag/m/presse/archiv/2011/03105/index.php

Infor­ma­tio­nen:

  • Ver­öf­fent­licht: 06.07.2011