Sach­ver­halt:

Der Klä­ger ver­langt von dem beklag­ten Luft­fahrt­un­ter­neh­men Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld.

Er buch­te für den 9. Febru­ar 2013 für sich und sei­ne Ehe­frau einen von der Beklag­ten durch­ge­führ­ten Flug von Düs­sel­dorf nach Ham­burg. Nach sei­nem Vor­trag kam er beim Ein­stei­gen auf der Flug­gast­brü­cke auf­grund einer durch Kon­dens­was­ser aus­ge­bil­de­ten feuch­ten Stel­le zu Fall und erlitt infol­ge des Stur­zes eine Patellafrak­tur. Der Klä­ger hat Scha­dens­er­satz für auf­ge­wen­de­te Hei­lungs­kos­ten, für erlit­te­ne Erwerbs­un­fä­hig­keit und aus abge­tre­te­nem Recht auf Ent­gelt­fort­zah­lung und ein Schmer­zens­geld gel­tend gemacht.

Bis­he­ri­ger Pro­zess­ver­lauf:

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Beru­fung des Klä­gers ist erfolg­los geblie­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt hat ange­nom­men, die Beklag­te sei unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet. Sie tref­fe ins­be­son­de­re kei­ne Haf­tung nach Art. 1 Satz 2, Art. 3 VO (EG) Nr. 2027/97 (in der Fas­sung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 889/2002) i.V.m. Art. 17 Abs. 1 des Über­ein­kom­mens vom 28. Mai 1999 zur Ver­ein­heit­li­chung bestimm­ter Vor­schrif­ten über die Beför­de­rung im inter­na­tio­na­len Luft­ver­kehr (Mont­rea­ler Über­ein­kom­mens — ). Der Haf­tungs­tat­be­stand erfas­se nur sol­che Ereig­nis­se, deren Ursa­che in typi­schen Risi­ken des Luft­ver­kehrs lie­ge, nicht aber Ereig­nis­se, die in ähn­li­cher Wei­se in ande­ren Lebens­be­rei­chen vor­kä­men und nur bei Gele­gen­heit einer Luft­be­för­de­rung ein­trä­ten. Eine luft­ver­kehrs­ty­pi­sche Gefahr habe sich beim behaup­te­ten Sturz des Klä­gers aber nicht rea­li­siert. Eine durch Feuch­tig­keit auf dem Boden einer Flug­gast­brü­cke beding­te Rutsch­ge­fahr ste­he in kei­nem inne­ren Zusam­men­hang mit den spe­zi­el­len Gefah­ren des Luft­ver­kehrs, son­dern sei auch in ande­ren Lebens­be­rei­chen mög­lich.

Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs:

Der für das Per­so­nen­be­för­de­rungs­recht zustän­di­ge X. Zivil­se­nat hat auf die Revi­si­on des Klä­gers das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hält anders als das Beru­fungs­ge­richt eine Haf­tung des Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­mens nach Art. 17 Abs. 1 für gege­ben, wenn die Behaup­tun­gen des Klä­gers zum Unfall­her­gang, zu dem das Beru­fungs­ge­richt noch kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, rich­tig sind. Er muss­te nicht abschlie­ßend ent­schei­den, ob die Haf­tung für Per­so­nen­schä­den nach die­ser Bestim­mung durch das Erfor­der­nis der Ver­wirk­li­chung eines luft­ver­kehrs­ty­pi­schen Risi­kos ein­ge­schränkt wird. Die in Rede ste­hen­de Haf­tungs­vor­schrift bezweckt den Schutz des Rei­sen­den vor spe­zi­fi­schen Gefah­ren einer Ver­let­zung sei­nes Kör­pers wäh­rend einer Luft­be­för­de­rung und erfasst auch die Vor­gän­ge des Ein­stei­gens in das Flug­zeug und des Aus­stei­gens aus dem Flug­zeug. Zum Ein­stei­ge­vor­gang gehört jeden­falls das Bestei­gen einer Flug­zeug­trep­pe oder das Bege­hen einer Flug­gast­brü­cke. Die Flug­gast­brü­cke birgt wegen des kon­struk­ti­ons­be­dingt feh­len­den Hand­laufs, des von Höhe und Lage der Flug­zeug­tür abhän­gi­gen Gefäl­les und der durch die Ver­bin­dung unter­schied­lich tem­pe­rier­ter Bereich beding­ten Gefahr von Kon­dens­was­ser­bil­dung spe­zi­fi­sche Risi­ken, vor denen die gesetz­lich ange­ord­ne­te Gefähr­dungs­haf­tung den Rei­sen­den schüt­zen soll. Kommt der Rei­sen­de zu Scha­den, weil sich eine die­ser Gefah­ren rea­li­siert hat, muss das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men — soweit dem nicht gege­be­nen­falls ein Mit­ver­schul­den des Rei­sen­den ent­ge­gen­steht — hier­für ein­ste­hen.

Infor­ma­tio­nen: